
Kreis Lippe/Bad Oeynhausen. Radio Lippe ist seit April dieses Jahres 35 Jahre „on Air“ und feiert dieses Jubiläum in einer Phase tiefgreifender Veränderungen. Denn der lippische Lokalsender hat nicht nur ein neues Sendezeitalter erreicht, sondern auch ein neues Zuhause.
Seit Oktober 2025 wird Radio Lippe aus Bad Oeynhausen gesendet. Ein Schritt, der gut überlegt war und weit mehr bedeutet als einen bloßen Standortwechsel. „Der Umzug hatte zwei Gründe“, sagt Chefredakteur Markus Knoblich, der diese Funktion seit April 2016 innehat. „Zum einen die Wirtschaftlichkeit und des Weiteren die Technik.“
Letztere sei im bisherigen Funkhaus an der Lageschen Straße in Detmold rund 20 Jahre alt gewesen und damit schlicht überholt. Ein grundlegender Austausch wäre demnach nötig geworden, allerdings in einem Gebäude, das ursprünglich nie für den Radiobetrieb konzipiert war.
Wie soll es weitergehen?
Also stellten sich die Verantwortlichen die folgerichtige Frage, wie es fortan weitergehen solle. Die Antwort fand sich rund 50 Kilometer weiter nördlich, in Bad Oeynhausen. Dort waren bereits alle Voraussetzungen vorhanden, vereint in einem modernen Funkhaus, in dem seit 2023 Radio Herford und Radio Westfalica unter einem Dach senden. So reifte schließlich der Entschluss, den Schritt nach Minden-Lübbecke zu wagen.
Am 10. Oktober 2025 um Punkt 10 Uhr verstummten die Mikrofone in Detmold, Radio Lippe wurde zunächst abgeschaltet. Doch die Pause währte nur kurz: Bereits zwei Tage später, um 15 Uhr, startete das Programm aus Bad Oeynhausen.
Das Herzstück steht im Keller
Technisch bedeutete der Umzug für Radio Lippe, wie bereits angedeutet, einen Quantensprung. Das gesamte Gebäude ist vollständig auf den Radiobetrieb ausgerichtet und mit drei rund 180.000 Euro teuren, identisch ausgestatteten und vollständig digitalen Studios bestückt. In der ersten Etage arbeiten Radio Herford und Radio Westfalica, in der zweiten Etage ist Radio Lippe beheimatet und die dritte Etage beherbergt ein weiteres Studio sowie einen Aufenthaltsraum. Ergänzt wird das Ganze durch ein Ein-Personen-Studio im Erdgeschoss, das optisch einer Telefonzelle gleicht.
Das eigentliche Herzstück befindet sich jedoch im Keller: der Serverraum. Drei Server, einer pro Sender, sorgen für den sicheren Betrieb und können im Notfall über eine Notstromversorgung bis zu 90 Minuten weiterlaufen. Zusätzlich lässt sich ein Notstromaggregat anschließen. Eine dreifache Glasfaser-Anbindung komplettiert die hochmoderne Ausrüstung.
Kollegialer Austausch
Ein weiterer Vorteil sei der kollegiale Austausch, erklärt Knoblich. „Wir haben hier maximale Flexibilität. Falls bei einem Sender mal Personal ausfällt, können Kollegen der anderen Sender spontan einspringen, Termine wahrnehmen oder Beiträge einsprechen. Auch der inhaltliche Austausch, etwa O-Töne zu aktuellen Themen, ist deutlich einfacher geworden“, ergänzt er.
Die technische und kollegiale Vernetzung spiegelt sich auch im Programm wider. Der Tag bei Radio Lippe beginnt werktags mit der Sendung „Doppelt wach – mit Dominik Tegeler oder Judith Brentrup“, die jeweils von 6 bis 10 Uhr ausgestrahlt wird. Ab 10 Uhr folgt eine Kooperationssendung mit Moderator Marvin Kreimeier: Musik und Moderation sind bei allen drei beteiligten Sendern identisch, Beiträge und Nachrichten hingegen jeweils lokal angepasst. Von 14 bis 18 Uhr übernimmt dann Lars Niermann mit „Von Zwei bis Frei“ das weitere Lokalprogramm für Lippe, ehe ab 18 Uhr die „Radio Lippe Spätschicht“ on Air geht.
Auch am Wochenende bleibt der Sender lokal verankert: Samstags sendet Radio Lippe von 7 bis 12 Uhr, sonntags von 9 bis 12 Uhr ein eigenes Programm. Zusätzlich werden wochentags zwischen 6 und 0 Uhr zu jeder halben Stunde Lokalnachrichten ausgestrahlt, samstags zwischen 7 und 12 Uhr. In der Nacht und außerhalb der lokalen Sendezeiten übernimmt der Mantelprogrammanbieter Radio NRW das Programm, einschließlich der Weltnachrichten zu jeder vollen Stunde.
Redaktionell in Lippe verwurzelt
Trotz des Umzugs bleibt Radio Lippe journalistisch fest in der Region verwurzelt. So ist die Nachrichtenredaktion weiterhin vor Ort in Lippe auf Stimmenfang unterwegs. „Unser Nachrichtenredakteur Matthias Lehmann hat gar das frühere Studio aus der Lageschen Straße bei sich zuhause wieder aufgebaut und kann daher flexibel im Homeoffice oder aus Bad Oeynhausen arbeiten“, betont Knoblich und fährt fort: „Die Redakteure sind nun sogar noch weitläufiger in Lippe unterwegs. Früher konzentrierte sich schon vieles auf Detmold, jetzt sind wir viel in Lemgo, Bad Salzuflen und darüber hinaus im Einsatz.“
Alle Redakteure arbeiten zudem mit Laptops, die unter anderem mit dem einheitlich genutzten Schnittsystem ausgerüstet sind. „Das war die Voraussetzung für unseren Umzug“, betont Markus Knoblich. So könnten Termine in Lippe wahrgenommen, Beiträge unterwegs oder vor Ort geschnitten, im Studio in Bad Oeynhausen eingesprochen und abends bei Bedarf noch von zuhause aus gearbeitet werden.
„Leben in der Bude“
Die Mitarbeiter hätten den Umzug durchweg positiv aufgenommen, berichtet Knoblich. „Hier in Bad Oeynhausen ist mehr Leben in der Bude“, erläutert er schmunzelnd, mit Blick auf die stets rund 15 weiteren anwesenden Kollegen der beiden anderen Sender. „An der Lageschen Straße war es teilweise schon recht einsam und langweilig, wenn wir etwa nur zu dritt vor Ort waren.“
Insgesamt besteht das Team von Radio Lippe derzeit aus acht Redaktionsmitgliedern sowie vier Media-Sales-Managern, die sich um die Vermarktung kümmern. In der Regel befinden sich pro Schicht, früh oder spät, drei bis vier Mitarbeiter gleichzeitig im Studio respektive der Redaktion.
Karrieresprungbrett Radio Lippe
Die lebendige Arbeitsatmosphäre ist dabei nur eine Seite von Radio Lippe. Seit jeher ist der Sender zugleich Ausbildungsstätte und Talentschmiede sowie Sprungbrett für erfolgreiche Karrieren in der deutschen Medienbranche.
Fernsehmoderator Matthias Opdenhövel begann dort als Volontär, bevor er Ende 1993 zu VIVA wechselte. Auch Kay-Sölve Richter, heute Co-Moderatorin des „heute-journals“, startete bei Radio Lippe, ebenso wie Pinar Atalay, die etwa die „Tagesthemen“ moderierte und heute bei „RTL aktuell“ zu sehen ist.
Und auch Podcast-Star Tommi Schmitt („Gemischtes Hack“, „Copa TS“) war einst Praktikant bei Radio Lippe. „Tommi habe ich noch selbst hier erlebt. Bei ihm hat man direkt gemerkt, dass er was draufhat“, sagt Knoblich rückblickend.
Und so gehen bei Radio Lippe auch nach 35 Jahren noch täglich Mikrofone auf für lokale Geschichten und Nachrichten aus der Region, nun allerdings aus Bad Oeynhausen.




