Wer mit einer Pistole eine Tankstelle überfällt, ist möglicherweise auch bereit, zu schießen. Das war beim Überfall auf die Tankstelle an der Werler Straße in Bad Salzuflen nicht der Fall. Hier flohen die Räuber nach der beherzten Gegenwehr eines 77-jährigen Mitarbeiters. In den anderen drei Fällen setzten sich die Räuber mit der Strategie, Angst und Schrecken mit einer Pistole zu verbreiten, durch. Symbolfoto: Pixabay

Bad Salzuflen. Zwischen Mai und September des vergangenen Jahres wurden vier Mal Tankstellen von einem Räuber-Duo überfallen: gewissermaßen von Bonnie und Clyde. Dreimal war die AVIA-Tankstelle in der Bielefelder Straße das Ziel:  am 23. Mai, am 22. August und am 3. September. Am 10. September wurde eine Tankstelle in der Werler Straße vom räuberischen Duo heimgesucht. Ein Mitarbeiter der Tankstelle kam ihnen in die Quere und verhinderte den Raub. Wie ihr berüchtigtes Vorbild, setzten die Salzufler Räuber auch eine Pistole ein und bedrohten damit ihre Opfer. Ihre Gesichter verbargen sie hinter OP-Masken.


Nach umfangreichen Ermittlungen –  dabei setzte die Polizei auch Fahndungsfotos ein – ergab sich der dringende Tatverdacht gegen eine 37-Jährige und einen 31-Jährigen aus Bad Salzuflen. Bei Durchsuchungen am Dienstag, 5. Mai, konnte die Kriminalpolizei umfangreiche Beweismittel sicherstellen, unter anderem die Tatwaffe (eine PTB-Waffe). Die Tatverdächtigen räumten die vier Taten ein.

Aufgrund des dringenden Tatverdachts des schweren Raubes wurden die beiden am Mittwoch, 6. Mai, dem Haftrichter vorgeführt, der die Untersuchungshaft anordnete. Im Falle der 37-jährigen Tatverdächtigen wurde die Untersuchungshaft unter Auflagen ausgesetzt.

Anmerkung:

Bonnie Parker und Clyde Barrow waren ein berüchtigtes amerikanisches Verbrecherpaar, das während der Weltwirtschaftskrise in den frühen 1930er Jahren im Mittleren Westen der USA Banken, Tankstellen und Geschäfte überfiel. Das Duo, dem 14 Morde zugeschrieben werden, wurde am 23. Mai 1934 in Louisiana von Polizisten erschossen.

Anders als ihr historisches Vorbild, setzte das räuberische Duo eine PTB-Waffe ein, vermied also die Gefahr eines tödlichen Ausgangs ihrer Überfälle.  Denn die PTB-Waffe ist eine Schreckschuss-, Reizstoff- oder Signalwaffe (SRS-Waffe), die von der Physikalisch-Technischen Bundesanstalt (PTB) geprüft wurde und ein entsprechendes Siegel (im Kreis) trägt. In Deutschland sind diese Waffen ab 18 Jahren ohne Waffenschein frei erwerbbar. Zum Führen in der Öffentlichkeit ist jedoch zwingend der Kleine Waffenschein erforderlich. Das ändert nichts an dem Tatbestand des schweren Raubes, dessen sich das räuberische Duo wiederholt schuldig gemacht hat.