
Lage-Hardissen/Hörste. Im Ortsteil Hörste ist die Stimmung hochgekocht, weil die Stadt den Endausbau eines Stichweges zur Teutoburger-Wald-Straße plant. Auf die Anwohner kämen gewaltige Kosten zu. Das gleiche Problem stellt sich an der Herderstraße im Ortsteil Hardissen: Auch hier wehren sich die Anwohner gegen einen geplanten Straßenausbau, der sie viel Geld kosten würde.
»Wie soll ich das bezahlen?«, klagt eine Anwohnerin aus der Herderstraße, die gerade vom Einkauf aus dem nahegelegenen REWE-Mark nach Hause zurückkehrt. Es geht um den Plan, dass die Stadt die Herderstraße ausbaut (»Endausbau«) und zu dem Zweck die Anwohner zur Kasse bittet. Die rüstige Seniorin, die mit ihrem Rollator alle Pfützen der löchrigen Straße umfährt und den Parcours souverän meistert, hat sich mit dem Thema genau geschäftigt. »Ein Nachbar soll 26.000 Euro bezahlen, ein anderer 14.000«. Sie habe auch schon die Summe 40.000 Euro gehört. Es gehe insgesamt um mehr als eine halbe Million Euro, die unter den Anwohnern verteilt werden sollen: als Beitrag für die Straßensanierung.
»Wir wollen das nicht. Da sind sich alle Anwohner einig. Wir haben schon Unterschriften gesammelt und schalten einen Anwalt ein.« Es gehe auch nicht: »Ich bin über 70. Wer soll mir denn noch einen Kredit geben? Und wie soll ich den zurückzahlen?« Das Leben werde immer teurer.
Besonders gekniffen sei der Besitzer eines Eckhauses . Der habe sein Haus vor einem Jahr gebaut. Eigentlich gehöre es zur Gebrüder-Grimm-Straße. Aber da er die Herderstraße für seine Einfahrt braucht, sei er mit einer hohen fünfstelligen Summe dabei. Die Zahlungspflicht hänge ja immer von der Grundstücksgröße ab.
Dabei sieht die Straße gar nicht schlimm aus: Den Eingangsbereich hat REWE auf eigene Kosten hübsch ausgestaltet. Hauptsächlich fürs Image. Kunden und Zulieferer erreichen den Lebensmittelmarkt komfortabel von der Lückhauser Straße her. Dann gelangen sie auf einen großzügig geschnittenen Parkplatz.

Das zweite Teilstück der Herderstraße, an dem die Wohnhäuser stehen, könnte eine Überarbeitung gebrauchen. Aber: »Die Straße sah doch schon 1994 genau so aus, als ich hier eingezogen bin«, berichtet eine zweite Anwohnerin. »Warum soll das jetzt verändert werden?« Lenni (Foto) freut sich über jede Pfütze, aus der er Wasser schlappern kann. So ein Gassi macht schließlich Durst.
Die Herderstraße wird nach meiner Einschätzung bald für mehr Schlagzeilen sorgen, als sie Schlaglöcher hat. Vor allem, wenn sich die Stadt im Lagenser Westend (Stichweg zur Teutoburger-Wald-Straße) mit einem Moratorium entgegenkommend zeigen sollte. Warum dann nicht auch im Lagenser Osten? Ich kann nicht einsehen, warum man eine Straße nicht einfach so belässt, wie die Anwohner das wünschen. Vor allem, wenn niemand sie nutzt außer ihnen selbst. Das ist in der Herder-Sackgasse vollkommen der Fall. Ich mache doch niemandem ein Geschenk, das er nicht haben will und obendrein auch noch bezahlen soll.




