
Lage-Hardissen. Die CDU beklagt, dass sich der ehemalige REWE-Markt an der Afrikastraße in einen Schandfleck der Stadt verwandelt: »Einsturzgefährdetes Dach, ein ausgebrannter LKW, illegaler Müll und Berichte über Drogengeschäfte – mitten in einem Wasserschutzgebiet.« Die Christdemokraten schätzen die Immobilie und das Areal drumherum als »ernsthaftes Sicherheits- und Umweltrisiko« ein und fordern die Stadtverwaltung und die zuständigen Behörden »zum sofortigen Handeln auf.«
Rückblick: Vor etwa zehn Jahren zog der REWE-Lebensmittelmarkt von der Afrikastraße zur Fontanestraße/Ecke Herderstraße um. Offizielle Gründe: (1) der alte Markt zu klein und nicht erweiterbar; (2) der Standort baurechtlich ungünstig; (3) ein Neubau an der Fontanestraße biete mehr Zukunftsfähigkeit.
Tatsächlich hat REWE seine Verkaufsfläche geradezu verdoppelt und der alte Kundenkreis blieb erhalten: Schließlich ist der neue REWE nur einen Steinwurf vom alten Standort entfernt und gewissermaßen ein Stück näher an die Siedlung gerückt. Das alles ist eine Sache des Unternehmens. Allgemein interessant scheint aber zu sein, was mit dem alten Standort passiert ist. Der wurde nämlich einem inzwischen zehn Jahre währenden Verfallsprozess überlassen. Es gibt keine Nachnutzung zum Beispiel durch kleine Discounter oder einen Sonderpostenmarkt. Fitnessstudio, Arztzentrum, Logistik-Lager: nichts, nada, niente. Vielleicht hätte der im Dorf gewünschte »Bürgertreff« darin Platz gehabt: reichlich, viel, traumhaft. Auch eine Notunterkunft für den Katastrophenfall hätte da gut reingepasst. Strom, Wasser, Entsorgung: Alles war da.
Aber so richtig hat sich wohl niemand Gedanken gemacht. Und so marottet das einst schöne, stolze Gebäude vor sich hin. Eine ungeheuerliche Verschwendung von Ressourcen. Tatsächliche Nutzung: Müll-Entsorgung in großem Stil, von Autoreifen bis zum ausgebrannten LKW; opulente Wandflächen für Sprayer, Geheimtipp für Alkoholpartys und Drogenhandel. Die CDU beklagt die offene, ungehinderte Zugänglichkeit des Grundstücks, die in ihren Augen ein gewaltiges Sicherheits- und Umweltrisiko darstellt. An einer Abfallmulde steht: »Wir entsorgen fast alles«, aber das Wörtchen »fast« hätte ruhig fett gedruckt werden können.
Mit diesem Schandfleck im Lagenser Osten – im Westend Hörste wäre er wohl kaum vorstellbar – steht die Zuckerstadt nicht allein da. An vielen anderen Orten klappt die Umnutzung ehemaliger Lebensmittelmärkte, die ihren Standort verlagern, auch nicht. Aber für mich bleibt die Frage, ob die Stadt mit baurechtlichem Entgegenkommen eine Vergrößerung und den Weiterbetrieb an der Afrikastraße nicht hätte möglich machen können. Die Probleme, die sie jetzt mit dem Schandfleck am Hals hat, sind doch um ein Vielfaches größer als irgendwelche Scherereien mit Paragraphen des Baurechts seinerzeit.




