
Leopoldshöhe. Eine alte Weisheit sagt: „Wer den Kopf in den Sand steckt, der zeigt seinen Hintern.“ Nicht so direkt, aber doch im Sinne des Zitates argumentiert der Leopoldshöher Bürgermeister Martin Hoffmann jetzt im Gespräch mit der LWZ.
„Ja, die Zeit ist nicht einfach und die Gemeinde steht vor großen Aufgaben, aber wir stehen damit nicht allein“, so der Bürgermeister. Was er meint, ist die drohende Haushaltssperre. Die Angriffe der neu im Rat vertretenden Fraktionen der PUB und BFL sind für ihn nachvollziehbar, entsprächen sie doch deren Argumentation aus dem Wahlkampf.
„Doch das bringt uns nicht weiter. Wir brauchen jetzt fraktionsübergreifend den so oft beschworenen ’Mut zur Lücke’. Wir müssen auch in schlechten Zeiten in der Lage sein, nach vorne zu sehen und Initiativen zu ergreifen. Das trifft aber für alle im Rat vertretenen Fraktionen zu“, so Martin Hoffmann.
Das Baugebiet Brunsheide sei in einer Zeit fraktionsübergreifend beschlossen worden, in der es praktisch keine Zinsen gegeben habe. Inzwischen habe sich der Markt aber verändert und die Zinsen seien dramatisch gestiegen, was die Kosten jetzt anders darstellen lasse als bei der Planung, so der Bürgermeister. Im Übrigen sei vor dem Beschluss im Jahr 2022 eine Sozialanalyse durchgeführt worden. Damals seien 1.800 Briefe in die Bevölkerung geschickt worden. Das Ergebnis sei bekannt: Die Nachfrage nach Mietwohnungen für 20- bis 25-Jährige sei groß und auch die Alten in der Gemeinde bräuchten kleine, barrierefreie Wohnungen. Dies alles sei in den Beschluss ’Brunsheide’ eingeflossen, erklärt er.
„Jetzt ist also nicht nur die Nachfrage nach solchen Wohnungen groß. Auch die Investoren stehen bereit, anzufangen. 17 Investoren stehen praktisch ‚Gewehr bei Fuß‘ und warten auf eine zeitnahe Entscheidung des Rates. Je länger wir warten, umso mehr Geld kostet es uns. Wir brauchen jetzt eine schnelle Entscheidung“, führt der Bürgermeister aus und nimmt seine Mitarbeiter gegen die Angriffe der PUB in Schutz. „Sie alle machen ihren Job gut und mit Herz und Leidenschaft. Seit fünf Jahren arbeiten sie nun schon am Projekt Brunsheide. Die Angriffe der PUB sind daher völlig haltlos“, so Martin Hoffmann.
Seiner Meinung nach führen weitere Diskussionen nicht zum Ziel, es gäbe drei Alternativen. Erstens: kleinere Häuser und höhere Verdichtung, was definitiv zu Kostensteigerung führe. Zweitens: mehr Stockwerke als geplant, was zu Kostenreduzierung führe, die Häuser aber doppelt so hoch werden ließe, oder drittens: den Plan so weiterverfolgen, wie geplant.
Wichtig für die Gemeinde, so Prof. Hoffmann, sei auf jeden Fall der Zuwachs von rund 700 Neubürgern für Leopoldshöhe: „Das macht einen Zuwachs von fünf Prozent aus. Die Gemeinde würde von den Einkommen- und Grundsteuern profitieren und die Kaufkraft im Ort würde steigen.“
Es sei nun mal immer so: Wenn man Veränderung wolle, müsse man in Vorleistung gehen. Er fordert von den Fraktionen den schon anfangs beschriebenen „Mut zur Lücke“ und nicht die Vogelstraußhaltung.
„Zur Konsolidierung des Haushalts liegen 48 Vorschläge vor. Wir könnten die Mehrzahl aller Vorschläge umsetzen, wenn sich die Fraktionen einig sind. Die Politik hat jetzt noch die Chance zur Beratung. Einigung ist nötig und kein Platz für Eitelkeiten oder Beleidigtsein, weil man Wahlbezirke verloren hat. Dann ist Gestaltungsspielraum auch unter den erschwerten Bedingungen möglich“, sagt das Gemeindeoberhaupt.




