Igel sind auf vielerlei Art gefährdet. Bringt ein Mähroboter-Verbot nach 18 Uhr mehr Sicherheit für die Stachelritter? Der Kreis Lippe hat als „Untere Naturschutzbehörde“ die Verbots-Initiative aus Lage zurückgewiesen und deutlich klar gemacht, dass es im ganzen Lipperland kein Mähverbot für Roboter ab 18 Uhr geben wird. Symbolfoto: Pexels

Lage/Kreis Lippe. Im Umweltausschuss wurde jüngst eine Frage von weltbewegen­der Bedeutung diskutiert: Darf ein Mähroboter nach 18 Uhr noch seinem natürlichen Drang nachgehen, Rasenflächen akkurat zu stutzen? Eine tierliebe SPD-Politikerin wollte dem abendlichen Treiben auf dem Rasen ein Ende setzen. Schließlich sollen Igel nicht unter die Räder – beziehungsweise unter die Messer – der kleinen Rasen-Rambos geraten. Guckst du hier!


Nach angeregter Debatte fand der Vorschlag eine knappe Mehrheit bei SPD, Grünen und Aufbruch C. Der Igel schien gerettet. Doch jetzt hat sich der Kreis Lippe als Untere Naturschutzbehörde zu Wort gemeldet und deutlich „Njet!“ gesagt. Der Grund: Eine Regel, die niemand kontrollieren kann, schützt auch keinen Igel. Außerdem stellte sich die praktische Frage: Wer soll abends – nach Dienstschluss –  mit der Stoppuhr durch die Wohngebiete schleichen und überprüfen, ob Herr Meier seinen Mähroboter um 18:01 Uhr gestartet hat? Und welche Strafe droht dem Übeltäter dann? Drei Wochen Rasenmähen mit der Nagelschere?

Ganz auf einer Linie mit dieser Einschätzung lag einzig die AfD. Deren Vertreter im Ausschuss, Marvin Detert, hatte gewarnt, ein solches Verbot könne eine urdeutsche Leidenschaft fördern: das Denunziantentum. Man sah förmlich schon Nachbarn hinter Gardinen lauern: »Erna, schnell! Der Husqvarna vom Nachbarn fährt noch! Es ist schon nach sechs! Ruf das Ordnungsamt!«

Hinzu kommt: Moderne Mähroboter sind längst keine tumben Igelmörder mehr. Viele verfügen über Sensoren, Kameras und vermutlich bald auch über eine KI-gestützte Igelerkennung mit Stachelprofilanalyse. Manche Geräte erkennen heute einen Igel zuverlässiger als mancher Autofahrer einen Zebrastreifen.

Und damit sind wir beim eigentlichen Problem. Während in Deutschland jedes Jahr vermutlich tausende bis zehntausende Igel durch Mähroboter verletzt oder getötet werden, sterben im Straßenverkehr schätzungsweise zwischen 500.000 und 1.000.000 Igel. Anders gesagt: Auf jeden Igel, der einem Mähroboter begegnet, kommen Hunderte bis Tausende seiner stacheligen Artgenossen, die auf der Straße umkommen. Würde man die politische Energie proportional erhöhen, dann ginge Autofahren nur noch unter der Bedingung, dass Igel mit Warnweste und reflektie­renden Stacheln unterwegs sind.

Der Kreis Lippe setzt deshalb lieber auf Aufklä­rung. Denn der Igel hat noch ganz andere Sorgen: fehlende Verstecke, offene Schächte, Gartenteiche und Zäune. Aus Sicht des Igels ist der durchschnittliche deutsche Garten ohnehin eine Mischung aus Hindernisparcours, Hochsicherheitsgefängnis und Abenteuerpark. Die Moral der Geschichte: Der Mähroboter ist nicht der unschuldige Held. Aber auch nicht der Serienkiller, als den ihn manche darstellen. Für den Igel bleibt die Straße der gefährlichste Ort. Und vielleicht wäre es für ihn schon ein großer Fortschritt, wenn Menschen genauso aufmerksam Auto fahren würden, wie sie auf den Mähroboter des Nachbarn achten.