
Lage/Kreis Lippe. Wenn man bei den Eisenbahnfreunden Lippes von „Jugend“ spricht, sollte man einen weiten Begriff verwenden. Denn dort kann es gut passieren, dass ein „Jugendlicher“ schon ein halbes Jahrhundert Vereinsgeschichte im Gepäck hat – und trotzdem noch mit leuchtenden Augen vor einer Modelllok steht, als wäre sie gerade frisch aus dem Karton gehüpft.
Tatsächlich gibt es im Verein einige Mitglieder, die schon bei der Gründung der Jugendabteilung vor rund 50 Jahren dabei waren. Die sind dem Jugendalter zwar inzwischen deutlich entwachsen, aber die Loks sind klein geblieben und die Leidenschaft groß. Und offenbar hat niemand ihnen das Hobby-Gen über die Jahre herausoperieren können.

Gegründet wurde der Verein 1974 von Uwe Genz, der bald 90 Jahre jung wird und bei den Eisenbahnfreunden so etwas wie der lebende Fahrplan der Vereinsgeschichte ist. Erst Vorsitzender, dann 32 Jahre lang das Gesicht des Vereins – und danach einfach weiter aktiv, als hätte jemand gesagt: „Ruhestand? Kennen wir nicht im Fahrdienst.“ Ob Vereinschronik, Vorträge oder historische Artikel: Uwe Genz hat offenbar mehr Titel über Eisenbahngeschichte geschrieben als andere in die Stichwort-Liste für den Wocheneinkauf eintragen.
Besonders bemerkenswert: Die Nachwuchsarbeit wurde bei den Eisenbahnfreunden so ernst genommen, dass sie zeitweise direkt im Keller des Gründers stattfand. Dort, wo schon 1976 die ersten Jugendideen ratterten, wurde später wieder geschraubt, gelötet und gebaut – quasi ein Generationenwechsel mit immer gleicher Werkbank.
Heute führt Dirk Schneider den Verein, inzwischen seit über einem Jahrzehnt. Für ihn ist Modellbau „die schönste Nebensache der Welt – direkt nach Fußball“. Und wer éinen der großen Basare im Schulzentrum Werreanger mal besucht, versteht auch, warum: Wenn dort ein paar hundert Eisenbahnfans auftauchen, ist das kein Hobby mehr, sondern eher ein sehr gut organisierter freundlicher Ausnahmezustand mit viel Begeisterung für kleine Züge.
Der Verein hat inzwischen sein Zuhause im ehemaligen Bahnhof Ehlenbruch gefunden – ein Gebäude, das früher echte Züge gesehen hat und heute vielleicht noch eindrucksvoller zeigt, was man alles im Modell darstellen kann. Seit rund zehn Jahren wurde dort geschraubt, saniert und gebaut, bis aus dem alten Bahnhof eine Mischung aus Technikwerkstatt, Museum und Fantasiewelt im Maßstab 1:87 geworden ist.
Und genau dort trifft man sie: die Jugendlichen von heute und die „Jugendlichen von damals“. Mats (14) zum Beispiel, der über seine beiden Großväter zum Hobby kam und inzwischen ganz selbstverständlich im Team arbeitet. Oder Erik (7), der erst seit wenigen Monaten dabei ist – aber schon jetzt so tut, als hätte er die Weichenstellung persönlich erfunden.
Denn am Ende ist Modellbau genau das: eine kleine Welt, in der man Gleise verlegt, Städte baut, Züge steuert und nebenbei merkt, dass Technik, Teamarbeit und ein bisschen Fantasie dafür sorgen, dass aus einem Stück Holzplatte plötzlich ein ganzes Universum werden kann.
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Ich bin ein Zwitterwesen. Ein halbes Arbeitsleben lang Lehrer, die andere Hälfte Journalist. Und immer beides zugleich: Als Deutschlehrer habe ich meinen Schülern eine praktische Nutzung der Sprache abverlangt und mit ihnen „Zeitung in der Schule“ veranstaltet. Als Journalist in verschiedenen Tageszeitungen haben mich immer die Schüler dort – die sogenannten Volontäre – interessiert, denen ich unbedingt etwas beibringen wollte.
Jenseits der Ruhestandsgrenze mache ich nun auf Freier Mitarbeiter, statt die Füße hochzulegen. Warum? Weil ich’s kann und weil das Gehirn auf Touren gehalten werden will. „Die Realität ist immer zu wenig“, haben die Romantiker gesagt und hatten recht. Durch dokumentierende Aneignung mache ich mehr daraus: Realität wird gewissermaßen zur „Wirklichkeit“ potenziert. Deshalb habe ich eine eigene Online-Zeitung für Lage ins Leben gerufen: lage-aktuell.de Ich beanspruche den Titel: Nachhaltigster News-Lieferant für Lage (NNL). Deshalb arbeite ich ganz eng mit der LWZ zusammen. Artikel bleiben hier lange sichtbar und landen nicht – wie die Tageszeitung – sofort nach der Lektüre im Altpapier.




