Begleithund Tizian hat während der Tour einen kleinen Rucksack auf dem Rücken, in dem für die Kinder Leckereien versteckt sind. Text & Fotos: Angelika Schapeler-Richter

Lage-Hörste. „Und Sie pilgern doch“: So oder mit dem Bibelwort „Jeder wird seinen Lohn empfangen nach seiner Arbeit“ könnte man die Entwicklung des Familienpilgerweges im Lagenser Westend mit wenigen Worten zusammenfassen (1. Korinther 3,8).


Um das Besondere an diesem Weg nachvollziehbar zu machen, darf man nicht nur über die feierliche Eröffnung des Familienpilgerweges „Abrahamsweg“ am 25. Juli berichten. Denn es gibt eine Vorgeschichte, in der alles seinen Ursprung hat.

Der Gedanke, einen Familienpilgerweg für Hörste auszuweisen, ist bei Tobias Böhnke entstanden, als im politischen Raum im zurückliegenden Jahr die Diskussion entfachte, den ursprünglichen Familienwanderweg im Luftkurort in „Zieglerweg“ umzubenennen. Tobias Böhnke sah, wie viele andere Bürger, die Bezeichnung „Zieglerweg“ für Hörste nicht unbedingt als zielführend an. Tatsächlich sind die Ziegler im 19. Jahrhundert hier auch gar nicht langmarschiert, sondern sie haben ihre weit entfernten Ziele (Ruhrgebiet, Friesland, Niederlande, Dänemark, Skandinavien) mit der Eisenbahn („Zieglerzüge“) oder sogar auf Schiffen angesteuert.

In einem Bürgerantrag bat Bönke aus diesem Grund, bei einer Umbenennung des Familienwanderweges diesen nicht als „Zieglerweg“, sondern historisch weit tiefer reichend als „Familienpilgerweg“ auszuweisen.

Bedauerlicherweise wurde sein Vorschlag gar nicht oder nur am Rande zur Kenntnis genommen. Bei Abstimmungen in diversen Ausschüssen wurde das Thema entweder vertagt oder der Beschlussvorschlag so formuliert, dass sein Antrag nicht einmal erwähnt wurde. Eine abschließendes Votum des Rates hat es zu keinem Zeitpunkt gegeben. Die gesamte Vorgehensweise war nicht gerade ein besonders vorbildliches Wirken bei der Wahrung von Bürgerinteressen.

Und während sich sowohl einige Politiker als auch andere beteiligte Personen ihrem Ziel der Umbenennung des Familienwanderweges in „Zieglerweg“ nun auf der Zielgeraden wähnten, reifte in Tobias Böhnke der Entschluss, nicht aufzugeben und sein Ziel „Familienpilgerweg“ weiter zu verfolgen. Er gründete mit sechs weiteren Pilgerfreunden den Pilgerverein „Stapelage-Hörste e.V.“ und verfolgte die Idee konsequent weiter. Durch den Gedanken, einen Pilgerweg in Hörste zu etablieren, sollte auch die Kirche Stapelage wieder stärker in den Fokus der Menschen rücken. Und natürlich sollten auch die Übernachtungs- und Einkehrmöglichkeiten direkt am Wegesrand, genutzt und der Tourismus gefördert werden.

Nach der Vereinsgründung nahm er schriftlich Kontakt zum Lippischen Landeskirchenamt, dem Erzbischöflichen Generalvikariat Paderborn und dem Staatssekretariat des Heiligen Stuhls in Rom auf. Paderborn war begeistert und der Papst hat dem Projekt, wie im päpstlichen Antwortschreiben nachzulesen ist, von Herzen den Apostolischen Segen erteilt. Welcher Familienpilgerweg in unserer Region kann das schon für sich in Anspruch nehmen.

In der feierlichen Eröffnungsveranstaltung des „Abrahamsweges“, der in mehreren Bereichen auf der Route des alten Familienwanderweges verläuft, schilderte Tobias Böhnke nicht nur den Weg der Planung, sondern stellte den geladenen Gästen auch die Besonderheiten des Weges vor. Der Name „Abrahamasweg“ wurde gewählt, weil Abraham als der Stammvater der Religionen gilt und der Pilgerweg allen Gläubigen offen stehen soll.

Lippe ist seit 2022 als Qualitätswanderregion „Land des Hermanns“ ausgezeichnet, die Kompetenzen für die Wanderwege liegen beim Lippischen Heimatbund. Alle Wanderwege sind bzw. müssen mit Wegmarkierungen gekennzeichnet sein.

Der Familienpilgerweg hat hier einen anderen Ansatz gefunden. Der Wegkann über eine App geladen werden, wodurch die Wegmarkierungspflicht entfällt. Ergänzend zur App steht den Pilgern eine Infomappe mit Karte zur Verfügung. Anmeldungen zum Pilgern können über die Homepage ( pilgern-in-hoerste.de ) des Vereins vorgenommen werden. Diese wird ab 1. August 2026 freigeschaltet.

Der Familienpilgerweg „Abrahamsweg“ ist 12 km lang und kann bei Bedarf in zwei Etappen (Nord- und Südstrecke ) geteilt werden. Es gibt insgesamt 8 Stempelstellen, die ergänzend mit einem QR Code versehen sind. Wer alle 8 Stempel in seinem Pilgerpass gesammelt hat, bekommt eine ansprechend gestaltete Urkunde. Da es sich bei dem „Abrahamsweg“ um einen Familienpilgerweg handelt, hat der Verein für Kinder Pilgerrucksäcke nebst einem Kinderbuch über Abraham angeschafft. Diese können
gemietet oder auch gekauft werden. Außerdem steht Birgit Leweke mit ihrem Hund Tizian auf Wunsch als Begleitung zur Verfügung. Tizian hat während der Tour einen kleinen Rucksack auf dem Rücken, in dem für
die Kinder Leckereien versteckt sind. Weitere Highlights auf dem Weg sind die Meditationsmöglichkeit mit Klangschalen, das Wassertretbecken und das ANIMAL-Projekt mit Claudia Sölter. Diese plant für die Pilger noch einen Briefkasten zu installieren, in dem Aufgaben hinterlegt sind, die es zu lösen gilt.

Der Weg ist somit in mehrfacher Hinsicht ein gesegnetes Projekt, dass sicherlich viel Zuspruch finden wird, da die Bedürfnisse von Familien in besonderer Weise berücksichtigt werden. Bei der feierlichen Eröffnungsveranstaltung waren vom Landeskirchenamt Susanne Herzog, Matthias Schmidt und drei weitere Pilgerbegleiter vor Ort und zeigten sich ausgesprochen begeistert.

Aus Bielefeld war das Ehepaar W. und U. Schacker (Mitglieder der Kolpingfamilie) angereist. Herr Schacker begleitete das gemeinsam in der Kirche Stapelage gesungene Lied „Nun danket alle Gott“ mit geradezu virtuosen Klängen auf der Orgel. Laut Aussage mehrerer Hörster Zuhörer hat bisher niemand der Orgel solche Töne entlocken können.

Leider hat von den Stapelager Pfarrern niemand an der Eröffnungsveranstaltung teilgenommen. Dem Pilgerverein-Stapelage-Hörste e.V. der sich über Mitgliedsbeiträge, Stiftungsgelder und beantragte Fördergelder finanziert, wünschten alle Gäste weiterhin viel Erfolg.

Im Schreiben vom 10. März erteilt Papst Leo XIV. dem Familienpilgerweg in Hörste seinen Segen und verspricht, die Hörster Initiative in seine Gebete aufzunehmen.