Nur kurz war der Auftritt der Tretbootschwäne am Kurparksee. Eingepackt und ohne Hälse warten sie wohl eher auf ihren Abtransport, als darauf, wieder aufs Wasser zu kommen. Foto: Reiner Toppmöller

Bad Salzuflen. In der Konzerthalle feiert das kulturbeflissene Publikum Tschaikowskis „Schwanensee“, in dem die Liebe eines Menschen am Ende den Fluch bricht. Auf dem Kurparksee in Bad Salzuflen nimmt die Geschichte eine weniger glückliche Wendung: Die Schwanen-Tretboote des Awb dürfen nicht mehr in See stechen. Für die weißen Wasservögel aus Holz fällt der Vorhang damit früher als erwartet.


Zunächst gab es den kämpferischen Schwanenvater, der seine Familie schützen wollte und auf Boote und Menschen losging. Danach folgten zahlreiche Tierschützer, die sich für die Schwanenfamilie einsetzten. Jetzt sollen die Tretboot-Schwäne überhaupt nicht mehr aufs Wasser.

Rückblick

In den 1960er-Jahren gehörte eine Fahrt mit dem Paddelboot auf dem Kurparksee für viele Besucher zum festen Sonntagsprogramm. Nach einer langen Pause ohne Boote kehrte diese Tradition im Jahr 2001 zurück. Damals hatte der damalige Leiter des Arbeitsamtes, Ernst-Wilhelm An Huef, die Idee, mit einer Arbeitsbeschaffungsmaßnahme die nostalgischen, nach alten Plänen rekonstruierten Ruderboote wieder auf dem See fahren zu lassen.
In Zusammenarbeit mit dem Verein Arbeit-Werkstatt-Bildung (Awb) entstanden zehn Holzboote, die nach historischen Vorlagen aus dem 19. Jahrhundert rekonstruiert und anschließend auf dem Kurparksee zu Wasser gelassen wurden.
Doch die Zeit hinterließ ihre Spuren. Die Boote verschlissen nach und nach, einige wurden ersetzt oder aufwendig restauriert, ihre Zahl nahm jedoch kontinuierlich ab. Für den Awb war der saisonale Bootsverleih dabei nicht nur Arbeitsprogramm, sondern diente zugleich als Einnahmequelle.
Mit neuem Schwung sollte die Tradition 2025 fortgesetzt werden. Drei neue Boote sowie zwei gesponserte Schwanen-Tretboote standen bereit, um wieder Besucher auf den Kurparksee zu locken. Die weißen Tretboote, wie sie vielerorts erfolgreich eingesetzt werden, etwa auf dem Aasee in Münster oder am Steinhuder Meer, galten dabei als attraktive Ergänzung und als potenzieller Publikumsmagnet.

Doch die Boote gefielen dem realen Schwanenvater am Kurparksee überhaupt nicht. Er griff sie und die mit ihnen fahrenden Menschen an. Angeblich soll er auch selbst durch die Boote verletzt worden sein, was wiederum Tierschützer auf den Plan rief.

Aktuelle Situation

Nachdem der Verleih deshalb im Sommer und Herbst 2025 vorübergehend komplett gestoppt wurde, gab es Diskussionen, auch im politischen Raum, wie es weitergehen sollte. Trotz hunderter Unterschriften für den erneuten Einsatz der Schwanen-Tretboote und dem Angebot des Awb, diese ohne Hälse fahren zu lassen, sollen sie jetzt nicht mehr aufs Wasser.

Die Verwaltung begründet dies mit dem Schutz der Menschen sowie der Flora und Fauna am Kurparksee. „Der Kurparksee ist nicht so groß wie der Münsteraner Aasee oder das Steinhuder Meer. Die Boote sind schlicht zu groß für unser Gewässer und sehen für den Schwan wie Konkurrenten aus“, begründet Ralf Hammacher, Fachbereichsleiter Tourismus, Gesundheit und Kultur bei der Stadt Bad Salzuflen.

Er betont aber, dass ein Freizeitangebot am See nötig sei. „Die Gäste sollen sich hier wohlfühlen und mit dem Awb arbeiten wir gut zusammen“, sagt er.

Ausblick

Für den Awb lohnt sich der Bootsverleih mit den verbliebenen drei Ruderbooten nach eigenen Angaben inzwischen wirtschaftlich nicht mehr. Damit stellt sich die Frage, ob sich der Sponsor der beiden Schwanen-Tretboote möglicherweise auch für weitere Boote engagieren würde, um das Angebot auf dem Kurparksee langfristig zu sichern.

Eigentlich scheinen die Voraussetzungen dafür günstig: Mit der Eröffnung des ehemaligen Hortus Vitalis auf der gegenüberliegenden Seeseite und der neuen Brücke, die den Rundwanderweg direkt mit dem Areal verbindet, ist eine attraktive Verbindung entstanden. In Symbiose mit der Neugestaltung des Kurparks und einem attraktiven Bootsverleih könnten beste Voraussetzungen für einen entspannten Aufenthalt im Bereich von Kurpark und Landschaftsgarten bestehen.

Nun stehen die beiden „geköpften“ Schwäne jedoch auf der Quellen-Insel und sehen eher ihrem Ende am Kurparksee als einer Zukunft auf dem Wasser entgegen. Anders als im berühmten Ballett wird es wohl kein Happy End geben. Vielmehr werden sie als die sterbenden Schwäne vom Kurparksee in die Stadtgeschichte eingehen.