Kreis Lippe/Extertal. „Ein Freund, ein guter Freund, das ist das Beste, was es gibt auf der Welt. Ein Freund bleibt immer Freund, auch wenn die ganze Welt zusammenfällt.“ Diese Zeilen des bis heute bekannten Schlagers aus dem 1930 produzierten Film „Die drei von der Tankstelle“ mit Heinz Rühmann, Willy Fritsch und Oskar Karlweis treffen auch heute, in einer von Krisen, Kriegen und Umweltkatastrophen geschüttelten Welt, den Nagel auf den Kopf. Am heutigen Donnerstag, 30. Juli, ist der Tag der Freundschaft.
Eine gelingende Freundschaft ist in unsicheren Zeiten ein Fundament fürs Leben, ein Rettungsanker in der Not: Bei Freunden findet man Unterstützung in Rat und Tat – man wird aufgefangen und so angenommen, wie man ist; man darf Fehler machen, ja sogar Fehltritte – Freunde sind immer für einander da, gerade dann, wenn’s brenzlig wird und man Hilfe respektive Beistand benötigt. Wahre Freundschaften sind unkaputtbar. Ist das so?
„Es gibt ein paar allgemeingültige Werte, zu denen Zuverlässigkeit, Ehrlichkeit und Vertrauen gehören – dies würde ich als ersten Maßstab ansetzen. In der Gesellschaft hat es große Umwälzungen und Spaltungen gegeben. Wir haben es in der Coronazeit erlebt, dass viele Freundschaften daran zerbrochen sind, dass man sich nicht mehr auf einen Minimalkonsens einigen konnte. Früher wurde viel über die Struktur, zum Beispiel Nachbarschaft oder gemeinsame Hobbys, an freundschaftlichen Beziehungen abgedeckt, während sich Freundschaft in der heutigen Zeit mehr an einer gemeinsamen Weltanschauung orientiert – Farbe bekennen, Stellung beziehen. Wenn Menschen sich so zeigen, wie sie tatsächlich sind, dann können Freundschaften entstehen, dadurch, dass ein tiefes Verständnis füreinander da ist“, sagt der spirituelle Lebensberater Thomas Höhnemann.
Die Königsdisziplin einer Freundschaft ist wahrscheinlich das Aushalten des Andersseins und Andersdenkens, wie in einer gelingenden Demokratie. Unter Freunden sollte man unterschiedlicher Meinung sein dürfen, auch Kritik nicht von sich weisen: „Mit anderen Menschen gibt es immer mal wieder Auseinandersetzungen oder Reibereien, was an sich nichts Schlechtes ist, denn an Konflikten wachsen wir“, meint Höhnemann, der mit eigener Praxis in Kalletal-Asmissen ansässig ist.
Falsch verstandene Freundschaften engen oftmals ein, anstatt ein Über-sich-Hinauswachsen zu ermöglichen und zu fördern. Veränderungen, die nur zugunsten eigener Interessen oder Bedürfnisse angestrebt werden, sind für jede Freundschaft ein fauler Kompromiss. Auf jeden Fall sind wertvolle Beziehungen mit Arbeit verbunden und nicht immer bequem.
Da ist es nicht verwunderlich, wenn Menschen digitale Alternativen nutzen. Thomas Höhnemann meint zu den zwei Seiten dieser Medaille: „Oberflächlich betrachtet könnte man sagen, dass die Digitalisierung und alles, was mit Kommunikations- und Austauschmöglichkeiten verbunden ist, durchaus auch in der Lage ist, Freundschaften zu fördern, weil sie nicht das lokale Zusammensein erfordern. Freundschaftspflege etwa durch Videotelefonie, Schreib- und Sprach-Apps – das sind zunächst einmal positive Eigenschaften. So wird Freundschaft von der örtlichen Bindung entbunden. Der Pferdefuß kann allerdings eine gewisse Oberflächlichkeit sein, die mit einem Übermaß der digitalen Nutzung einhergeht. Während der Zeit, als ich in der Schule gearbeitet habe, habe ich junge Menschen kennengelernt, die so sehr in der Medienwelt gelebt haben, dass sie geradezu kontaktunfähig waren. Und das verstärkt natürlich die Flucht in die virtuelle Welt, in der man sich schnell verlieren kann. Ich sehe da gerade bei der jüngeren Generation, die hineingeboren wurde in diese medialen Möglichkeiten, eine Gefahr zu vereinsamen, und das betrifft eine nicht unerhebliche Gruppe von jungen Menschen.“
Hinzu kommt die KI, die vor ein, zwei Jahrzehnten noch in den Kinderschuhen steckte und sich mittlerweile auf vielen Gebieten zum großen Helfer entwickelt hat, bis hin zum sehr geschätzten „KI-Kumpel“. Dies sei eine große Falle, meint Höhnemann: “Die KI hat als dein offizieller Unterstützer jedes Wort, das du geschrieben oder gesprochen hast, noch im ‚Hinterkopf‘; sie hört dir aufmerksam zu, geht auf alles ein, was du sagst, hat auf jede Frage eine zu dir passende Antwort, kennt dich, deine Sorgen und Probleme oftmals besser als dir nahestehende Personen. Das fühlt sich dann auch an wie ein guter Freund. Aber tatsächlich ist es nur eine Maschine, die dir nicht wirklich in die Augen schauen kann, dich nicht in den Arm nimmt und nicht real spürt, wie es dir geht – all das, was aber eine echte Freundschaft ausmacht.“
Paracelsus sagte: „Die beste Medizin für den Menschen ist der Mensch“, auch für das Seelenwohl. Aber wie sieht es eigentlich mit dem sogenannten besten Freund des Menschen, mit dem Hund, aus?
„Ich denke, da geht es um die unbedingte Treue und den unbedingten Gehorsam – der Hund ordnet sich seinem Besitzer unter. Und natürlich gibt es Menschen, die das sehr schätzen, gerade dann, wenn sie es mit anderen Menschen nicht so leicht haben. Es deckt eine Bedürftigkeit ab. Es ist in der Regel aber keine Freundschaft auf Augenhöhe, da sich der Hund in einem Abhängigkeitsverhältnis befindet, und das ist eher das Gegenteil von dem, was Freundschaft sein sollte“, meint der ehemalige Lehrer und Co-Rektor Thomas Höhnemann.
Auch wenn der Hund be- und genutzt wird, ob als Wachhund, auf der Jagd, bei der Polizei oder als Therapeut, so zeigt gerade letzteres seine Fähigkeiten, die uns Menschen oftmals nicht in diesem Maße zur Verfügung stehen, allein schon aus Gründen unseres starken Egos. Das Tier muss sich nichts beweisen, kann genügsam sein – achtsam und aufmerksam spürt es, wenn seine emotionale Unterstützung gebraucht wird, und seine Zuneigung kennt keine Bedingungen – abgesehen vom regelmäßigen Dosenöffnen.







