Fahrt in die Zukunft: Das Monocab „Thusnelda“ absolviert seine Testfahrt kürzlich auf der neuen Testschiene auf dem Innovation Campus Lemgo. Mit dabei: das Forschungsteam, das die Versuche begleitet und überwacht. Demnächst steht das Monocab-System in Berlin, wo die kommende Generation Premiere feiert. Foto: TH OWL

Kreis Lippe/Berlin. Die Technische Hochschule Ostwestfalen-Lippe (TH OWL) stellt ihr Forschungsprojekt Monocab erstmals auf einem eigenen Messestand der internationalen Fachöffentlichkeit vor. Im Mittelpunkt steht die zweite Generation der Versuchsfahrzeuge. Mit dem Auftritt vom 22. bis 25. September beginnt für das Projekt eine neue Phase: Aus der Forschungsidee soll eine marktreife Innovation werden.


Seit rund vier Jahren sind mit „Hermann“ und „Thusnelda“ die ersten beiden Monocab-Prototypen auf der Extertalbahn in Ostwestfalen-Lippe im Testbetrieb. „Sie haben unter Beweis gestellt, dass eine kreiselstabilisierte Einschienenbahn funktioniert, und liefern die Grundlage für den nächsten Entwicklungsschritt“, sagt Gesamtprojektleiter Professor Dr. Thomas Schulte.

Mit der zweiten Fahrzeuggeneration will das Forschungsprojekt deutlich über den bisherigen Stand hinausgehen. Technik und Design, die bislang getrennt entwickelt wurden, werden erstmals in einem Versuchsfahrzeug zusammengeführt, teilt die Hochschule mit.

Wissenschaft im internationalen Dialog

„Wir zeigen uns der Welt“ – unter diesem Leitgedanken steht der Messeauftritt der TH OWL. Er soll sich an die internationale Fachöffentlichkeit, an Industriepartner, Infrastrukturbetreiber und Verkehrsunternehmen, an Investoren sowie an Politik und Verwaltung wenden. Das Ziel: Die Forschungsidee Monocab soll in eine marktfähige Innovation überführt werden.

Die Idee entstand im Ehrenamt. Bereits 2018 wurde sie, damals noch unter dem Namen CountryCab, mit dem Deutschen Mobilitätspreis in der Kategorie „Open Innovation“ ausgezeichnet. Aus der Initiative ist ein Forschungsprojekt geworden, das Fachwissen aus Wissenschaft, Technik, Regulatorik, Gestaltung und Kommunikation verbindet.

Seit 2020 arbeitet ein Forschungsverbund aus TH OWL, Hochschule Bielefeld (HSBI) und Fraunhofer IOSB-INA gemeinsam mit Partnern aus Industrie, Handwerk und dem Kreis Lippe an dem System. Beteiligt sind unter anderem das Deutsche Zentrum Mobilität der Zukunft (DZM) in Minden und der RailCampus OWL. „Aus einer Idee ist ein wissenschaftlich fundiertes Forschungsprogramm mit weiteren Partnerprojekten geworden – darunter enableATO und Cosimo“, sagt Professor Schulte.

Monocab war bereits auf der Hannover Messe, der polisMOBILITY in Köln, dem Smart City Expo World Congress in Barcelona und dem UITP Summit in Hannover zu sehen. 2025 erhielt das Projekt den RegioStars-Award der Europäischen Kommission.

Vom Versuchsfahrzeug zum Test-Regelbetrieb

Aktuell befindet sich Monocab auf dem Technologiereifegrad fünf (TRL fünf) der neunstufigen Skala. Mit der ersten Fahrzeuggeneration sei der Nachweis gelungen, dass die Technologie als Versuchsfahrzeug in einer realen Einsatzumgebung funktioniere, betont die TH OWL. Bis zur Serienreife seien jedoch weitere Entwicklungsschritte nötig.

Der folgende Meilenstein sei TRL acht. Dafür benötige das Projekt einen Test-Regelbetrieb, der über einzelne Testfahrten hinausgehe und das System über einen längeren Zeitraum unter realen betrieblichen, regulatorischen und sicherheitstechnischen Bedingungen erprobe. Dazu gehöre auch der Fahrgastbetrieb nach geltenden Vorschriften. Erst ein solcher Nachweis schaffe die Grundlage, das System vollständig zu qualifizieren und die angestrebte Serienreife bis 2032 zu erreichen.

Der Auftritt auf der InnoTrans markiere deshalb mehr als eine weitere Präsentation. Für Monocab beginne der Übergang von der Forschung in die internationale Transfer- und Markteinführungsphase. Parallel bereite das Team die Gründung eines Spin-offs vor, das die Ergebnisse aus sechs Jahren Forschung in ein marktfähiges Produkt überführen soll. Bereits heute erreichten das Projekt Anfragen aus dem Ausland – von Technologiepartnern ebenso wie von potenziellen Anwendern.

Akzeptanz entscheidet über Erfolg

„Eine Idee ist dann eine Innovation, wenn sie von den Menschen akzeptiert wird“, sagt Thorsten Försterling, Ideengeber von Monocab und verantwortlich für Marketing und Streckenentwicklung. Deshalb spielt die Akzeptanzforschung eine wichtige Rolle. Im Partnerprojekt enableATO werde untersucht, wie Menschen automatisierte Verkehrssysteme wahrnehmen würden und welche Voraussetzungen erfüllt sein müssten, damit sie diese im Alltag nutzten. Erste Ergebnisse, an denen unter anderem Jana Dreischalück arbeitet, stimmten das Projektteam zuversichtlich.

Individualverkehr auf der Schiene

Monocab ist eine kreiselstabilisierte, batterieelektrische Einschienenbahn für den ländlichen Raum. Vollautomatische Kabinen für vier bis acht Personen fahren auf nur einer Schiene. Dadurch ist auf einem bestehenden Gleis Gegenverkehr möglich.

Das System soll vor allem stillgelegte Bahnstrecken neu nutzbar machen und aufwendige Neubauten vermeiden. Allein in Deutschland liegen nach Angaben des Projekts mehr als 15.000 Kilometer Schienenstrecke brach; mindestens 6.000 Kilometer davon könnten unmittelbar genutzt werden. Der Ansatz folgt dem Prinzip „Evolution statt Revolution“: Vorhandene Infrastruktur wird weiterentwickelt, anstatt sie vollständig zu ersetzen.

Monocab versteht sich als Ergänzung des öffentlichen Verkehrs. Das System verbinde die Flexibilität individueller Mobilität mit den Vorteilen der Schiene, als individueller Personennahverkehr für ländliche Regionen.

Das Monocab-Team der TH OWL ist vom 22. bis 25. September in Halle 2.2, Stand 155, auf dem Messegelände Berlin zu finden.