Kreis Lippe. Der Arbeitsmarkt im Kreis Lippe hat im Juli erste Anzeichen einer Belebung gezeigt. Sowohl die Zahl der neu gemeldeten Stellen als auch der Bestand offener Arbeitsplätze sind gestiegen. Gleichzeitig nahm jedoch die Arbeitslosigkeit deutlich zu.
Nach Angaben der Agentur für Arbeit Detmold-Paderborn waren im Juli insgesamt 12.383 Menschen arbeitslos gemeldet, 485 mehr als im Vormonat. Die Arbeitslosenquote stieg auf 6,6 Prozent.
„Die Stellenmeldungen haben im Vergleich zum Vormonat als auch zum Vorjahresmonat zugenommen. Auch der aktuelle Bestand an Stellen hat sich erhöht. Das bedeutet wieder mehr Beschäftigungschancen und die höheren Abgänge in Erwerbstätigkeiten zeigen, dass etwas Bewegung in den Arbeitsmarkt in Lippe gekommen ist, der seit Monaten auf der Stelle trat. Das ist ein positives Signal für den lippischen Arbeitsmarkt“, erklärt Mathilde Schulze-Middig, Leiterin der Agentur für Arbeit Detmold-Paderborn.
Gleichzeitig verweist sie auf saisonale Effekte als Ursache für die gestiegenen Arbeitslosenzahlen. Insbesondere in den Sommermonaten nehme die Zahl der Arbeitslosen regelmäßig zu. Jugendliche beendeten Schule oder Ausbildung, während viele Unternehmen Neueinstellungen erst nach der Ferienzeit vornähmen.
Im Vergleich zum Juli 2025 stieg die Zahl der Arbeitslosen im Kreis Lippe um 684 Personen beziehungsweise 5,8 Prozent. Die Arbeitslosenquote lag vor einem Jahr noch bei 6,3 Prozent.
In der Arbeitslosenversicherung nach dem Sozialgesetzbuch III waren im Juli 4.587 Personen gemeldet. Das sind 257 Personen mehr als im Vormonat und 352 mehr als vor einem Jahr. In der Grundsicherung nach SGB II wurden 7.796 Arbeitslose gezählt. Damit beziehen 63 Prozent aller Arbeitslosen Bürgergeld. Gegenüber dem Vormonat entspricht dies einem Anstieg um 228 Personen, im Vergleich zum Vorjahr um 332 Personen.
Besonders deutlich fiel der Anstieg bei den jungen Menschen aus. Im Juli waren 1.444 Arbeitslose unter 25 Jahren registriert. Das sind 195 Personen mehr als im Juni und 55 mehr als im Juli des Vorjahres.
Bei den über 50-Jährigen verzeichnete die Agentur für Arbeit ebenfalls einen Zuwachs. Insgesamt waren 4.233 Menschen ab 50 Jahren arbeitslos gemeldet. Gegenüber dem Vormonat entspricht dies einem Plus von zwölf Personen, im Jahresvergleich einem Anstieg um 300 Personen beziehungsweise 7,6 Prozent.
Auch die Zahl der Langzeitarbeitslosen nahm zu. Im Kreis Lippe gelten derzeit 5.469 Menschen als langzeitarbeitslos, weil sie länger als ein Jahr nicht sozialversicherungspflichtig beschäftigt waren. Das sind 92 Personen mehr als im Juni und 420 mehr als ein Jahr zuvor. Von ihnen beziehen 5.001 Personen und damit 91,4 Prozent Leistungen der Grundsicherung.
Die sogenannte Unterbeschäftigung stieg im Juli auf 16.633 Personen. Gegenüber dem Vormonat bedeutet dies ein Plus von 295 Personen. Im Jahresvergleich liegt die Unterbeschäftigung jedoch um 488 Personen beziehungsweise 2,9 Prozent niedriger. In dieser Statistik werden neben den Arbeitslosen auch Menschen erfasst, die zwar Leistungen beziehen, dem Arbeitsmarkt derzeit aber beispielsweise wegen einer Fördermaßnahme oder Mutterschutzes nicht unmittelbar zur Verfügung stehen.
Positiv entwickelte sich dagegen die Nachfrage nach Arbeitskräften. Die Unternehmen im Kreis Lippe meldeten im Juli 507 neue Stellen, 127 mehr als im Vormonat. Gegenüber dem Vorjahresmonat entspricht dies einem Anstieg um 81 Stellen beziehungsweise 19 Prozent. Insgesamt befanden sich zum Monatsende 2.483 offene Stellen im Bestand der Agentur für Arbeit. Das sind 77 mehr als im Juni und zwölf mehr als vor einem Jahr.
Auch auf dem Ausbildungsmarkt gibt es weiterhin zahlreiche Möglichkeiten. Seit Beginn des Berufsberatungsjahres im Oktober 2025 meldeten sich 2.292 Bewerberinnen und Bewerber für Ausbildungsstellen. Das sind fünf mehr als im vergleichbaren Vorjahreszeitraum. Gleichzeitig wurden 1.886 Ausbildungsstellen gemeldet, 17 weniger als im Vorjahr.
Ende Juli waren noch 519 Bewerber unversorgt, während gleichzeitig 593 Ausbildungsplätze unbesetzt waren. Im Vergleich zum Vorjahresmonat stieg die Zahl der unversorgten Bewerber um 76 Personen. Ebenso gab es 76 unbesetzte Ausbildungsstellen mehr als ein Jahr zuvor.
Agenturchefin Schulze-Middig empfiehlt Arbeitsuchenden, die Zeit für Qualifizierung und Weiterbildung zu nutzen. Die Agentur für Arbeit könne entsprechende Maßnahmen unter bestimmten Voraussetzungen finanziell fördern.
„Wer die Zeit der Arbeitssuche für Qualifizierung und Weiterbildung nutzt, macht sich perspektivisch fitter für den Beruf und für einen geplanten Wiedereinstieg in Beschäftigung. Ein Beratungsgespräch hierzu lohnt sich immer“, betont sie.






