Bielefeld/Halle (Westf.)/Minden/Lübbecke. Die Polizei warnt aktuell eindringlich vor einer erneuten Welle von Betrugsanrufen durch sogenannte falsche Polizeibeamte. Während in Bielefeld und Halle (Westf.) mehrere Bürger rechtzeitig misstrauisch wurden und die Betrugsversuche scheiterten, gelang es den Tätern in Minden und Lübbecke in zwei Fällen, ältere Menschen um Wertgegenstände und Bargeld zu bringen. Die Ermittler konnten jedoch drei mutmaßliche Geldabholer identifizieren.
Am Donnerstag, 6. August, meldeten sich mehrere ältere Frauen aus dem Bielefelder Stadtbezirk Heepen bei der Polizei. Sie berichteten von Anrufen eines Mannes, der sich als Polizeibeamter ausgab. Der Anrufer behauptete, die Polizei habe einen Einbrecher in der Nachbarschaft festgenommen. Dabei seien Unterlagen gefunden worden, auf denen die Namen, Anschriften und Telefonnummern der angerufenen Frauen vermerkt gewesen seien.
Unter dem Vorwand eines angeblich bevorstehenden Einbruchs versuchte der Täter, die Seniorinnen dazu zu bewegen, ihre Wertsachen zur angeblichen Sicherung an einen Polizisten zu übergeben. Die Angerufenen durchschauten jedoch die Masche und informierten die echte Polizei.
Besonders auffällig war nach Angaben der Betroffenen die detaillierte Ortskenntnis des Anrufers. Er konnte Straßen, Häuser und Wohnungen beschreiben und vermittelte dadurch einen glaubwürdigen Eindruck. Zudem nutzten die Betrüger technische Möglichkeiten zur Manipulation ihrer Rufnummern, sodass auf den Telefonen der Opfer vermeintlich offizielle Behördennummern angezeigt wurden.
Betrugsversuch auch im Kreis Gütersloh
Auch im Kreis Gütersloh registrierte die Polizei am Donnerstag, 6. August, eine Häufung entsprechender Betrugsversuche. Besonders im Raum Halle (Westf.) gingen Hinweise auf Anrufe falscher Polizeibeamter ein.
Die Vorgehensweise der Täter ähnelte den Fällen in Bielefeld: Die Anrufer behaupteten, nach einer Festnahme in Wohnortnähe eine Liste mit Anschriften gefunden zu haben, aus der hervorgehe, dass bei den Betroffenen eingebrochen werden solle. Anschließend forderten sie ihre Opfer auf, Geld, Schmuck und andere Wertgegenstände einem angeblichen Zivilbeamten zur sicheren Verwahrung zu übergeben.
Die Polizei betont ausdrücklich, dass es sich dabei um eine bekannte Betrugsmasche handelt. Bürger sollten am Telefon keine Angaben zu Geld, Schmuck oder sonstigen Wertgegenständen machen, derartige Gespräche sofort beenden und sich bei Zweifeln direkt an die örtlich zuständige Polizeidienststelle wenden.
Zwei Fälle im Kreis Minden-Lübbecke
Wie erfolgreich diese Masche sein kann, zeigen zwei bereits abgeschlossene Fälle aus dem Kreis Minden-Lübbecke. In der zweiten Julihälfte erhielt eine 89-jährige Frau aus Minden einen Anruf von einem angeblichen Polizeibeamten. Der Täter überzeugte die Seniorin davon, dass ein Einbruch unmittelbar bevorstehe.
Zum Schutz ihrer Wertsachen solle sie ihren Schmuck dokumentieren und einem vermeintlichen Polizeibeamten übergeben. Die Frau legte daraufhin ihren Schmuck in einen Umschlag und deponierte diesen wie vereinbart vor ihrer Haustür.
Der mutmaßliche Abholer, ein 33-jähriger Mann aus der Region Hannover, wurde jedoch noch auf seinem Fluchtweg von echten Polizeibeamten festgenommen. Die Ermittler stellten das Diebesgut sicher. Zudem fanden sie bei dem Mann einen Autoschlüssel, der zu einem geparkten Ford führte.
Das Fahrzeug war mit Kennzeichen ausgestattet, die eigentlich zu einem anderen Wagen gehörten. Das Auto wurde sichergestellt und abgeschleppt. Nach einer Nacht im Polizeigewahrsam wurde der Tatverdächtige mangels ausreichender Haftgründe wieder entlassen.
Bereits Anfang Juli hatten Ermittler nach einem ähnlichen Fall in Lübbecke zwei weitere Tatverdächtige im Alter von 23 und 33 Jahren identifiziert.
Damals war eine 90-jährige Frau telefonisch kontaktiert worden. Der Anrufer erklärte ihr, die Polizei habe Betrüger im Visier und ihr Geld müsse auf Echtheit überprüft werden. Die Seniorin wurde dazu gebracht, eine fünfstellige Summe von ihrem Konto abzuheben. Selbst für mögliche Nachfragen der Bank hatte man ihr zuvor eine passende Erklärung vorgegeben. Als eine Bankmitarbeiterin auf einen möglichen Betrug hinwies, erklärte die Frau, das Geld für eine größere Anschaffung zu benötigen.
Später übergab sie das Bargeld an einen Abholer. Noch am selben Tag gerieten zwei Tatverdächtige in den Fokus der Ermittler. Auch die mutmaßliche Beute konnte sichergestellt werden. Die Ermittlungen dauern an.
Polizei gibt Verhaltenstipps
Die Polizei nutzt die aktuellen Fälle, um erneut vor der Betrugsmasche der falschen Polizeibeamten zu warnen. Echte Polizeibeamte würden niemals Bargeld, Schmuck oder andere Wertsachen zur Aufbewahrung oder Überprüfung abholen. Wer einen entsprechenden Anruf erhält, sollte das Gespräch sofort beenden und eigenständig Kontakt zur Polizei aufnehmen.





