Wohin mit altem Zahngold? Zahnarzt Moritz Aldag weiß genau, wo der richtige Ort ist: in der Spendendose. Einmal im Jahr gibt's dann eine großzügige Ausschüttung von Spendengeld für soziale Vereine und Einrichtungen. (von links) Brigitte Hetzer-Ernst („Lagenser Mahlzeit“), Zahnarzt Moritz Aldag, Kevin Schulz (Vorstandsvorsitzender Förderverein der Grundschule Hardissen) und seine Stellvertreterin Olesja Gottfried. Foto: Hajo Gärtner

Lage. „Morgenstund hat Gold im Mund“, sagt der Volksmund. Aber dieses Gold kann auch am Abend glänzen: In der Zahnarztpraxis von Dr. Moritz Aldag verwandelt sich altes Zahngold regelmäßig in bares Geld – und das kommt Vereinen und sozialen Einrichtungen in Lage zugute.


In diesem Jahr sind es insgesamt 10.000 Euro, die zur Hälfte an die Musical-AG der Grundschule Hardissen und zur anderen Hälfte an die „Lagenser Mahlzeit“ gehen. Für beide Empfänger bedeutet das: jeweils 5.000 Euro aus dem, was einst irgendwo im Mund seinen Dienst verrichtet und nun ausgedient hat.

Kevin Schulz, Vorstandsvorsitzender des Fördervereins der Grundschule Hardissen, nahm die Spende für die Musical-AG in Aldags Zahnarztpraxis (Im Bruche 12) entgegen. Die Freude war entsprechend groß. Schließlich kann man mit 5.000 Euro einiges auf die Beine stellen – oder zumindest dafür sorgen, dass auf der Musical-Bühne nicht nur die Darsteller glänzen.

Auch Brigitte Hetzer-Ernst freute sich über die großzügige Zuwendung für die „Lagenser Mahlzeit“. Aldag rundete den Erlös dafür noch einmal kräftig auf und machte aus der ohnehin stattlichen Summe eine kräftige fünfstellige Spende. Aus Zahngold wird also nicht nur Geld, sondern ziemlich direkt Hilfe für Menschen, die sie gebrauchen können.

Das Prinzip hinter der Aktion ist denkbar einfach: Wenn bei einer Behandlung altes Zahngold anfällt, fragt Aldag seine Patienten, ob sie es behalten oder für einen guten Zweck spenden möchten. Viele entscheiden sich für Variante zwei.

Das gesammelte Material wird an eine Scheideanstalt geschickt, die den Gegenwert überweist. Dabei handelt es sich meist nicht um reines Gold, sondern um Legierungen, in denen auch andere wertvolle Metalle wie Platin stecken.

Aldag führt die Spendenaktion inzwischen im vierten Jahr durch. Und sie kommt in seiner Praxis ausgesprochen gut an. „Die Aktion findet großen Anklang und verbreitet viel Freude“, berichtet er im Gespräch mit der LWZ.

Ein kleines Geheimnis seines Erfolgs könnte dabei sogar im Wartezimmer hängen. Aldag hat nämlich die Angewohnheit, den jeweiligen LWZ-Bericht über die Spendenaktion gut sichtbar an die Wand zu hängen. Wer also genug im Automagazin geblättert, die Promi-News studiert und die Preise für Gebrauchtwagen auswendig gelernt hat, entdeckt irgendwann den Zeitungsbericht.

Und plötzlich wird aus dem Wartezimmer eine kleine Goldgräberstation: Man liest, staunt und denkt vielleicht bei der kommenden Zahngold-Ernte: Warum eigentlich im Tresor verstauben lassen, wenn daraus auch ein Musical werden kann?

Dabei ist die Aktion durchaus ernst gemeint. Aldag möchte, dass das Geld möglichst regional bleibt und dort ankommt, wo es gebraucht wird. In den vergangenen Jahren profitierten bereits verschiedene Einrichtungen und Vereine von dem gespendeten Zahngold.

So hat das alte Gold inzwischen eine bemerkenswerte Karriere hinter sich: Es war zunächst Bestandteil einer Zahnbehandlung, landete anschließend beim Zahnarzt, wurde eingeschmolzen, in Geld verwandelt und finanziert nun Kinderprojekte und soziale Angebote. Eine ziemlich beeindruckende zweite Lebenshälfte für ein Stück Metall.

Und vielleicht ist das die angenehmste Nebenwirkung eines Zahnarztbesuchs: Man verlässt die Praxis nicht nur mit dem guten Gefühl, etwas für seine Zähne getan zu haben – sondern kann unter Umständen sogar dazu beitragen, dass andere Menschen etwas zum Freuen haben.