Augustdorf. Die SPD-Fraktion im Rat der Gemeinde Augustdorf kritisiert die jüngsten Aussagen von Bürgermeister Dr. Andreas J. Wulf zum Badesee am Kohlenweg scharf.
Der Fraktionsvorsitzende Mats Uffe Schubert warnt vor einer Kommunikation, die Erwartungen wecke, für die es keinerlei Grundlage gebe: „Ein Bürgermeister darf nicht mit Hoffnungen spielen. Er verspricht einen Badesee für 2027, obwohl weder die rechtlichen Voraussetzungen noch die Infrastruktur, die Finanzierung oder die Betreiberfrage geklärt sind. Das ist gefährlich und unfair gegenüber den Bürgerinnen und Bürgern.“
Der Eigentümer untersage demnach weiterhin das Baden und das Betreten des Geländes. Ein verbindlicher Vertrag fehle. Auch würde die Nutzung als Badesee von den zuständigen Behörden bisher unterbunden. Damit fehle jede rechtliche Basis für kommunale Maßnahmen.
Sobald die Gemeinde eine offizielle Badestelle einrichte, sei sie für die Verkehrssicherungspflicht verantwortlich. Das sei höchstrichterlich entschieden. Schubert betont: „Wer eine Badestelle eröffnet, trägt die volle Haftung. Das bedeutet Wasseraufsicht, Rettungswege, Sicherheitskonzepte und klare Betriebsstrukturen. Nichts davon liegt vor.“
Auch dort fehle jede belastbare Planung: keine Konzeption mit der DLRG, keine Rettungswege, keine Gefahrenanalyse, keine Personalplanung.
Andere Kommunen müssten die Öffnungszeiten von Schwimm- und Freibädern aufgrund von Personalmangel einschränken. Die Ausgestaltung der Badeaufsicht sei völlig unklar.
Da ein erheblicher Teil des Sees im FFH‑Gebiet und dem Landschaftsschutzgebiet „Sennelandschaft“ liege, könne eine FFH‑Verträglichkeitsprüfung notwendig werden, ein Verfahren, das Monate oder Jahre dauere.
„Selbst wenn der Bürgermeister eine Einigung mit den Eigentümern erreicht, was keineswegs sicher ist, beginnt die Arbeit erst. Dann müssen rechtliche Prüfungen, naturschutzrechtliche Bewertungen und Infrastrukturplanungen folgen. Das ist ein langer Weg“, erklärt Schubert.
Am Kohlenweg gebe es keine Parkflächen und keine geeignete Zufahrt. Über Jahre hinweg hätten Rat und Verwaltung vergeblich versucht, Parkplätze an der Aussichtsplattform zu schaffen. Aus Naturschutzgründen sei das nicht möglich gewesen.
„Wie sollen Besucherinnen und Besucher am Kohlenweg parken? Diese Frage bleibt der Bürgermeister schuldig“, sagt Schubert. Auch dort werde es vermutlich keine schnelle Lösung geben. Und der aktuelle Zustand, trotz Parkverbot, sei den Anwohnern nicht zuzumuten.
Für den Badesee an der Abgrabung Brink (Schloß Holte-Stukenbrock, nördlich der Waldstraße) seien 2021 rund 600.000 Euro kalkuliert worden, und das mit vorhandenen Parkflächen. Am Kohlenweg fehlten diese vollständig. Die Investitionskosten seien daher völlig offen.
Es existiere kein Betreiberkonzept, keine Kostenplanung, keine Finanzierungsidee und kein Ratsbeschluss. Damit in die Öffentlichkeit zu gehen und Aussichten auf einen Badesee ab 2027 zu geben, sei unseriös.
Schubert stellt klar: „Die SPD steht nicht grundsätzlich gegen einen Badesee. Im Gegenteil: Wir kämpfen seit Jahren für eine vernünftige Bademöglichkeit in Augustdorf. Aber das alles muss seriös sein.“
Die SPD kritisiert zudem, dass der Bürgermeister ein Prestigeprojekt vorantreibe, während gleichzeitig in Ratssitzungen über Personalprobleme, finanzielle Herausforderungen und jahrelang verschobene Pflichtaufgaben gesprochen werde.
„Die Grundschulen werden seit Jahren vertröstet. Die Realschule braucht eine Überplanung. Das sind Pflichtaufgaben. Ein Badesee ist ein freiwilliges Großprojekt ohne geklärte Finanzierung. Wenn sich der Bürgermeister in der Form für unsere Grundschulen, Straßen und Infrastruktur einsetzen würde, wären wir heute deutlich weiter“, erläutert Schubert.
Schubert fordert eine klare und ehrliche Linie: „Ein seriöser Bürgermeister würde sagen: Aktuell ist das Baden im See verboten. Bitte halten Sie sich daran. Die Verwaltung wird gemeinsam mit der Politik die Möglichkeiten prüfen. Nach der rechtlichen Prüfung planen wir die theoretische Umsetzung. Anschließend entscheidet der Rat.“
Ein Alleingang des Bürgermeisters helfe niemandem: „Es sind schöne Worte, aber mehr auch nicht. Hier wird mit den Hoffnungen der Menschen gespielt.“
Die SPD erinnere daran, dass die Bürger 2017 die Sanierung des Freibades abgelehnt hätten, auch damals wegen hoher Investitions- und Folgekosten. Genau diese Fragen seien beim Badesee erneut völlig ungeklärt. „Eine vernünftige und finanzierbare Lösung hätte es 2017 mit dem Freibad geben können, zugegeben ohne Sprungturm. Aber den gibt es am Kohlenweg auch nicht“, so Schubert.
Um mehr Transparenz in die Thematik zu bekommen, habe die SPD-Fraktion daher beantragt, die Situation in der kommenden Ratssitzung zu erörtern. „Wir hoffen auf klare Antworten des Bürgermeisters. Nicht wie bisher ein Hin und Her“, so Schubert. Zu einer vertrauensvollen Zusammenarbeit gehöre auch die umfassende Kommunikation zwischen Rat und Verwaltung.






