Symbolbild. Foto: Adobe Stock

Düsseldorf. Hitze, Dürre und Unwetter haben den Sommer 2026 geprägt. Nach der vorläufigen Bilanz des Deutschen Wetterdienstes war er mit einer Durchschnittstemperatur von 19,6 Grad der zweitwärmste Sommer seit Beginn der Wetteraufzeichnungen.


Deutschlandweit wurden im Mittel rund 22 heiße Tage mit mindestens 30 Grad sowie etwa fünf sehr heiße Tage mit mindestens 35 Grad registriert. Vor diesem Hintergrund gewinnt der Schutz vor Hitze zunehmend an Bedeutung und wird zu einer zentralen Aufgabe moderner Stadtentwicklung.

Mit dem Modellvorhaben „Cooles Nordrhein-Westfalen“ wollen das Ministerium für Heimat, Kommunales, Bau und Digitalisierung des Landes Nordrhein-Westfalen, die Stadt Köln und die Zurich-Gruppe Deutschland nun neue Wege gehen. Nach Angaben des Ministeriums ist der Ansatz bundesweit bislang einmalig: Ein für Stadtentwicklung zuständiges Landesministerium verbindet kommunale Klima- und Standortdaten mit internationaler Risikoexpertise und dem Praxiswissen einer Modellkommune. Den Auftakt macht die Stadt Köln.

Ina Scharrenbach, Ministerin für Heimat, Kommunales, Bau und Digitalisierung des Landes Nordrhein-Westfalen, betont den praktischen Ansatz des Projekts: „Wetter kann man nicht planen. Aber Städte schon.“ Ziel sei es, kommunale Klima- und Standortdaten, internationale Risikoexpertise und lokales Wissen zusammenzuführen.

Entstehen solle keine weitere Studie, sondern ein konkreter Investitionsfahrplan. Dieser soll aufzeigen, wo der Handlungsbedarf am größten ist, welche Maßnahmen am schnellsten wirken und an welchen Orten Verschattung, Begrünung, Entsiegelung sowie ein intelligenter Umgang mit Wasser den größten Schutz für Menschen und Infrastruktur bieten.

Nach den Worten der Ministerin werde damit der Länderimpuls „Cooles Land“ in Nordrhein-Westfalen erstmals in konkrete kommunale Praxis umgesetzt. „Aus Daten werden priorisierte Maßnahmen für die Stadt von morgen“, sagte Scharrenbach. Verschattung, Begrünung, Entsiegelung und ein kluger Umgang mit Wasser würden Menschen, Tiere, Umwelt und Infrastruktur schützen und Städte sowie Gemeinden widerstandsfähiger gegen Hitze machen. Köln gebe hierfür den Startschuss.

Auch Kölns Oberbürgermeister Torsten Burmester sieht in dem Modellvorhaben einen wichtigen Schritt für die Zukunft der Städte. Hitzevorsorge und Klimaanpassung seien zentrale Aufgaben moderner Kommunen. Für Köln sei es deshalb ein starkes Signal, als erste Modellkommune voranzugehen. Gemeinsam mit dem Land Nordrhein-Westfalen und der Zurich-Gruppe Deutschland solle aus Daten konkreter Schutz für die Bürgerinnen und Bürger entstehen. Gezielte Begrünung, Verschattung und Entsiegelung sollen dazu beitragen, die Stadt widerstandsfähiger und zukunftsfest zu machen.

Die Zurich-Gruppe bringt ihre Erfahrungen aus internationalen Klimaanpassungsprojekten in das Vorhaben ein. CEO Dr. Carsten Schildknecht erklärte, die entwickelte Methodik zur Steigerung der Klimaresilienz sei ursprünglich für Großunternehmen mit Industriestandorten, kritischen Infrastrukturen und Logistikketten konzipiert worden.

Die Übertragung dieses Wissens auf Städte und Kommunen sei naheliegend, da diese vor ähnlichen Herausforderungen stünden. Von dem Wissenstransfer könnten Kommunen unmittelbar profitieren. Mit Köln wolle man beispielhaft zeigen, wie moderne Klimaanpassung funktionieren könne: wissenschaftlich fundiert, datenbasiert, kommunal umsetzbar und mit konsequentem Fokus auf den Schutz von Menschen und Einrichtungen.

Bis zu 25 Standorte werden untersucht

Im Rahmen des Modellvorhabens sollen bis zu 25 priorisierte Standorte in Köln näher untersucht werden. Im Mittelpunkt stehen Orte, an denen hohe Hitzebelastungen auf besonders schutzbedürftige Menschen oder wichtige kommunale Funktionen treffen. Dazu zählen unter anderem Schulen, Kindertagesstätten, Pflege- und Gesundheitseinrichtungen sowie stark frequentierte öffentliche Räume.

Fachleute wollen vor Ort verschiedene Faktoren analysieren, darunter den Grad der Verschattung, die Versiegelung von Flächen, die Belastung von Gebäuden, die Aufenthaltsqualität sowie bereits vorhandene Schutzmaßnahmen. Die Ergebnisse sollen anschließend zu einem praxisorientierten Fahrplan für konkrete Investitionen zusammengeführt werden. Die gewonnenen Erkenntnisse sollen zudem auf andere Kommunen in Nordrhein-Westfalen übertragbar sein.

Internationale Erfahrungen fließen ein

Die Zurich Gruppe Deutschland verfügt nach eigenen Angaben über umfangreiche internationale Erfahrungen bei der Bewertung von Klimarisiken. Weltweit beschäftigen sich rund 1.000 Risikoingenieurinnen und Risikoingenieure sowie Klima- und Nachhaltigkeitsexpertinnen und -experten mit entsprechenden Fragestellungen. So arbeitet Zurich unter anderem mit dem Stadtrat von Madrid an Maßnahmen zur Stärkung der Widerstandsfähigkeit gegenüber extremer Hitze. Im London Borough of Camden werden kommunale Klimarisiken detailliert analysiert und bewertet.

Diese internationalen Erfahrungen sollen nun erstmals auf die Stadtentwicklung in Nordrhein-Westfalen übertragen werden.

Initiative „Cooles Land“

Das Modellprojekt knüpft an die gemeinsame Länderinitiative „Cooles Land“ an. Bayern, Nordrhein-Westfalen, Sachsen, Sachsen-Anhalt und Schleswig-Holstein hatten diesen Impuls gemeinsam angestoßen. Mit „Cooles Nordrhein-Westfalen“ wird dieser Ansatz nun erstmals in konkrete kommunale Praxis umgesetzt.