
Kreis Lippe. Erst kürzlich hatte die LWZ unter dem Titel „Anarchie auf Lippes Straßen? Bürger beklagen Regelverstöße und ausbleibende Kontrollen von E-Rollern“ ein brennendes Thema aufgegriffen und dazu ein Interview mit der leitenden Direktorin Verkehr der Polizei im Kreis Lippe, Julia Breitenstein, geführt.
Damals kündigte die Chefin der Verkehrspolizei an, nach den Ferien verstärkt Kontrollen durchzuführen. Denn E-Scooter und E-Bikes prägen zunehmend das Straßenbild. Mit der steigenden Nutzung nehmen auch Verkehrsverstöße und Unfallgefahren zu.
Die Kreispolizeibehörde Lippe hat deshalb am vergangenen Montag, 7. September, in allen größeren Kommunen zeitgleich Kontrollen durchgeführt. Von 7 bis 17 Uhr war die Polizei in Fußgängerzonen und vor den Schulen präsent. Zu einem gemeinsamen Treffen mit der Presse hatte die Polizei an das Schulzentrum am Werreanger in Lage eingeladen.
Kaum war die Kontrollstelle aufgebaut, kamen schon zwei Mädchen auf einem Roller angefahren, sahen die Polizei und drehten prompt ab. Doch sie hatten die Rechnung ohne die Beamten gemacht, diese warteten auch auf der anderen Seite.
Auf Rufe der Polizisten, anzuhalten, reagierten sie nicht, sondern drehten erneut ab, was zum Einsatz des Streifenwagens mit Blaulicht führte. Kurz vor dem Schulhof konnten die beiden jungen Damen gestellt werden, wie Thomas Bartelt, Leiter des Verkehrsdienstes, sagte.

Zunächst hatte die Fahrerin noch gesagt, sie sei 14 Jahre alt. Es stellte sich aber heraus, dass sie 13 Jahre alt war und damit den Scooter gar nicht hätte fahren dürfen, schon gar nicht zu zweit. Die Polizei musste die Mutter herbeizitieren. Der Verstoß kostet jetzt 90 Euro und einen Punkt in Flensburg für einen der Elternteile.
Zeitgleich sorgte ein weiterer E-Scooter-Fahrer für einen erneuten Einsatz eines Streifenwagens. Er fuhr mit hoher Geschwindigkeit auf der Straße an der Kontrollstelle vorbei. Wie die Beamtinnen, die ihn verfolgten, später sagten, konnten sie ihm aber keinen Geschwindigkeitsverstoß nachweisen. Dafür war er mit einem alten Versicherungskennzeichen unterwegs.
Vor den Augen der leitenden Direktorin der Polizei im Kreis, Julia Breitenstein, rollte dann ein Zehnjähriger in die Kontrolle. Er bewegte sich auf einer sogenannten Babyrolle mit fünf km/h über den Bürgersteig. Das sei zulässig, sagte Julia Breitenstein. Diese Fahrzeuge dürfen bis zu sechs km/h schnell sein.
Sie berichtete weiter, dass am Vormittag die Kontrolle von drei frisierten Rollern festgestellt und eingezogen worden sei. Bis Mittag seien 53 Verstöße direkt vor Ort an den Kontrollstellen geahndet worden. Drei sogenannte Ordnungswidrigkeiten seien festgestellt worden, darunter einmal Telefonieren beim Fahren und einmal der Verdacht des Fahrens unter Drogeneinfluss.

Es gab vier Verstöße gegen die Versicherungspflicht. Zudem wird gegen einen Scooter-Fahrer, der mit 45 km/h erwischt wurde, ein Verfahren wegen Fahrens ohne Fahrerlaubnis eingeleitet. Getunte E-Scooter erfüllten einen Straftatbestand, sagten die Polizisten.
Da durch die höhere Geschwindigkeit der Versicherungsschutz erlischt, macht sich der Fahrer nach Paragraph sechs des Pflichtversicherungsgesetzes strafbar. Dabei droht eine Geldstrafe oder eine Freiheitsstrafe von bis zu einem Jahr. Für junge Leute kann es auch zu Konsequenzen bei der Erlangung des Führerscheins kommen.
Während der Kontrolle am Werreanger wurden auch Rad- und Scooter-Fahrer angehalten, die auf der falschen Seite fuhren. Auf sie kam jeweils ein Verwarngeld in Höhe von 20 Euro zu. Bei den jugendlichen Fahrern wurden beziehungsweise werden die Eltern informiert. Julia Breitestein sagte abschließend, dass die Kontrollen jetzt unregelmäßig weiter fortgesetzt würden.






