Kreis Lippe/Detmold. Der Wettbewerbsdruck chinesischer Unternehmen nimmt aus Sicht der nordrhein-westfälischen Wirtschaft spürbar zu. Gleichzeitig sprechen sich die Betriebe für eine gemeinsame europäische China-Politik aus, die fairen Wettbewerb sicherstellt und strategische Abhängigkeiten verringert. Das geht aus der NRW-Auswertung einer aktuellen bundesweiten Umfrage der Industrie- und Handelskammern hervor, an der sich auch Unternehmen aus Lippe beteiligt haben.
China bleibt für die regionale Wirtschaft ein bedeutender Handelspartner. Nach Angaben der Industrie- und Handelskammer (IHK) Lippe zu Detmold unterhalten rund 120 Unternehmen in Lippe Geschäftsbeziehungen zur Volksrepublik China. Etwa 100 dieser Betriebe sind im Import- und Exportgeschäft aktiv.
Deutlich steigender Wettbewerbsdruck
In Nordrhein-Westfalen berichten 76 Prozent der befragten Unternehmen von einer zunehmenden Konkurrenz durch chinesische Anbieter. Unter den Unternehmen, die selbst Waren nach China exportieren, liegt dieser Anteil sogar bei rund 90 Prozent.
„Der steigende Wettbewerbsdruck aus China trifft auf schwierige Standortbedingungen in Deutschland. Deshalb müssen wir für unsere Unternehmen faire Wettbewerbsbedingungen schaffen und zugleich den Wirtschaftsstandort Deutschland stärken“, erklärt Matthias Carl, Geschäftsführer der IHK Lippe zu Detmold.
Nach den Ergebnissen der Umfrage sehen die Unternehmen vor allem Handlungsbedarf beim Abbau von Bürokratie, bei schnelleren Genehmigungs- und Planungsverfahren sowie bei wettbewerbsfähigen Energie- und Arbeitskosten.
Innovation statt Rückzug
Trotz des wachsenden Wettbewerbs ziehen die meisten Unternehmen einen Rückzug aus besonders umkämpften Geschäftsfeldern nicht in Betracht. Bundesweit lehnen 88 Prozent der befragten Betriebe diesen Schritt ab.
Stattdessen setzen die Unternehmen auf eine aktive Anpassungsstrategie. 60 Prozent investieren verstärkt in Produktinnovationen, während 50 Prozent auf Kostensenkungen setzen. Zudem bemühen sich 39 Prozent um die Erschließung neuer Absatzmärkte, um ihre Marktposition gegenüber chinesischen Wettbewerbern zu stärken. In Nordrhein-Westfalen zeigen sich ähnliche Tendenzen.
Mehrheit fordert abgestimmtes Handeln Europas
Die Befragung macht zugleich deutlich, dass die Wirtschaft ein geschlossenes Vorgehen Europas gegenüber China befürwortet. 73 Prozent der Unternehmen in Nordrhein-Westfalen halten eine koordinierte außenwirtschaftspolitische Strategie der Europäischen Union für wichtig.
64 Prozent sprechen sich für Maßnahmen aus, die strategische Abhängigkeiten von China reduzieren. Mehr als die Hälfte der Befragten bewertet darüber hinaus einen stärkeren Schutz kritischer Infrastruktur als notwendig.
Für Matthias Carl ist dabei eine ausgewogene Herangehensweise entscheidend. „China bleibt für viele Unternehmen ein wichtiger Absatz-, Beschaffungs- und Innovationsmarkt“, betont er. Die Devise müsse daher lauten: „Kooperation, wo möglich, und Durchsetzungsfähigkeit, wo notwendig.“
Unterstützung für Schutzmaßnahmen
Auch bei möglichen handelspolitischen Instrumenten zeigt sich eine differenzierte Haltung. So würden 59 Prozent der befragten Unternehmen in Nordrhein-Westfalen Maßnahmen gegen Wettbewerbsverzerrungen unterstützen, selbst wenn das eigene Unternehmen dadurch Nachteile in Kauf nehmen müsste.
38 Prozent der Befragten würden Einschränkungen beim Zugang zum europäischen Binnenmarkt begrüßen. Knapp ein Drittel spricht sich für stärkere Handelsschutzmaßnahmen aus. Rund ein Viertel befürwortet dagegen vor allem den Abbau von Handels- und Investitionshemmnissen.
Nach Einschätzung von Carl schließen sich diese Ansätze nicht gegenseitig aus. Ziel müsse es vielmehr sein, europäische Interessen zu schützen und gleichzeitig den Zugang zu internationalen Märkten zu verbessern.
Hintergrund
Die Ergebnisse basieren auf einer Umfrage der Deutschen Industrie- und Handelskammer (DIHK) sowie der Industrie- und Handelskammern. An der Befragung, die zwischen dem 20. Juli und dem 10. August 2026 durchgeführt wurde, beteiligten sich bundesweit 1.325 Unternehmen, darunter 248 Betriebe aus Nordrhein-Westfalen.






