Den Wikingern gegenübersitzen: Im Freilichtmuseum Oerlinghausen ist das möglich. Foto: AFM/Chris Wenzel

Oerlinghausen. Das Archäologische Freilichtmuseum (AFM) Oerlinghausen verwandelt sich am Samstag und Sonntag, 19. und 20. September, wieder in eine lebendige Bühne des Frühmittelalters. Bereits zum 31. Mal laden die traditionellen Wikingertage Besucher dazu ein, Geschichte nicht nur zu betrachten, sondern hautnah zu erleben.


Herzstück der Veranstaltung ist ein großer Wikingermarkt, auf dem zahlreiche renommierte Wikingerdarsteller aus ganz Europa das facettenreiche Leben der Menschen im Frühmittelalter präsentieren.

Auf dem Museumsgelände schlagen die Teilnehmer ihre Lager auf, handeln mit historischen Waren und führen verschiedene Handwerkstechniken vor. Besucher können dabei unter anderem Schmieden über die Schulter schauen, die aus glühendem Eisen Werkzeuge fertigen.

Die Lehmöfen des Museums werden für frühmittelalterliches Brotbacken hergerichtet.
Foto: AFM/Chris Wenzel

Ebenso werden das Feuermachen, textile Techniken wie das Färben von Stoffen sowie das anspruchsvolle Brettchenweben anschaulich erläutert. Ergänzt wird das Programm durch Modenschauen, die Kleidung verschiedener sozialer Schichten vorstellen und deren historische Hintergründe erklären.

Zu den Höhepunkten zählen die Kampf- und Waffenschauen. Dabei wird vermittelt, wie das frühmittelalterliche Militärwesen funktionierte und welche Aufgaben die unterschiedlichen Waffentypen erfüllten. Darüber hinaus zeigen die Darsteller, wie ein Zweikampf damals in der Praxis ausgesehen haben könnte. Auf eine Verherrlichung von Gewalt wird dabei bewusst verzichtet.

Als besonderer Walking-Act ist die Darstellung frühmittelalterlicher Falknerei auf dem Gelände unterwegs. Die Vorführungen machen deutlich, dass Falknerei ebenso wie andere höfische Tugenden auch in der Wikingerzeit bekannt war. Insgesamt zeichnet die Veranstaltung ein deutlich differenzierteres und kultivierteres Bild der Wikinger, als es vielfach durch populäre Filme vermittelt wird.

Neben den Vorführungen setzen die Veranstalter auf zahlreiche Mitmachangebote für Kinder und Erwachsene. So können sich Besucher im Bogenschießen versuchen oder beim historischen Brettspiel Hnefatafl gegen einen „echten“ Wikinger antreten. Darüber hinaus werden weitere Spiele der Wikingerzeit vorgestellt.

Dazu gehört auch Knattleikr, eine Art Wikingerfußball. Nach Überlieferungen aus den isländischen Sagas soll diese Form des Ballspiels gelegentlich sogar tödlich geendet haben. Gespielt wurde demnach über ganze Siedlungen und Eisflächen hinweg, während der Ball so beschaffen gewesen sein soll, dass er einen Gegner außer Gefecht setzen konnte.

Etwas weniger historisch, aber nicht minder beliebt, ist Kubb, das oft als „Wikingerschach“ bezeichnet wird, tatsächlich jedoch ein Wurfspiel ist. Zudem können Kinder und Erwachsene lernen, ihren Namen in Runenschrift zu schreiben, und das selbst gestaltete Namensschild mit nach Hause nehmen. Weitere Mitmachaktionen umfassen Knochenbearbeitung, Bandweben sowie den Bau eines eigenen kleinen Wikingerschiffes. Wer besonders mutig ist, kann außerdem Wikinger-Blutbrot kosten, das nach einem Fund aus Birka in Schweden im Lehmofen vor Ort gebacken wird.

Einen besonderen Stellenwert messen die Veranstalter der Atmosphäre bei. Die Oerlinghauser Wikingertage unterscheiden sich nach eigenen Angaben bewusst von vielen kommerziellen Mittelaltermärkten. Statt Klischees und Fantasy-Elementen steht eine museumsgerechte Darstellung historischer Lebenswelten im Mittelpunkt.

Besucher treffen daher nicht ausschließlich auf klassische Wikingerfiguren, sondern ebenso auf Slawen, Ostwestfalen, Kiewer Rus und mitunter sogar auf einen Sarazenen. Diese Vielfalt soll die historischen Verhältnisse möglichst realitätsnah widerspiegeln.

Ein weiteres Merkmal der Veranstaltung ist der Anspruch auf fachlich fundierte Vermittlung. Fragen an die Darstellerinnen und Darsteller werden auf Grundlage historischer Erkenntnisse beantwortet. Gerade darin sehen die Organisatoren den wesentlichen Unterschied zu rein kommerziellen Mittelalterveranstaltungen.

Zwar gehört Lippe nicht zu den Kernregionen der wikingischen Kultur, dennoch hinterließen die Nordmänner auch hier ihre Spuren. So ist überliefert, dass im Jahr 782 ein Däne namens Halfdan am Hoftag Karls des Großen in Bad Lippspringe teilnahm. Der Begriff „Wikinger“ dient dem Museum nach eigenen Angaben vor allem als zugänglicher Aufhänger, um Interesse am Frühmittelalter zu wecken.

Tatsächlich soll den Gästen ein umfassendes Bild Mitteleuropas dieser Epoche vermittelt werden. Die Veranstaltung richtet sich dabei bewusst an ein breites Publikum und nicht ausschließlich an historisch besonders Interessierte.

Der Wikingermarkt öffnet an beiden Veranstaltungstagen jeweils von 10 bis 18 Uhr. Der Eintritt für Erwachsene beträgt 10 Euro. Für Familien wird an diesem Wochenende eine Familienkarte zum Preis von 30 Euro angeboten.