
Kreis Lippe. Ausschlaggebend für diesen Artikel war ein Ereignis auf einer privaten Geburtstagsfeier. Einer der Gäste erlitt plötzlich einen schweren Allergieschock und wurde bewusstlos. Noch bevor der sofort alarmierte Rettungswagen und der Notarzt vor Ort waren, traten zwei sogenannte „Katretter“ auf den Plan und kümmerten sich um den Patienten.
Der Sachbereichsleiter des Bevölkerungsschutzes in Lippe, Christian Osthus, und die Projektverantwortliche Ramona Stademann erklären nun, wenige Tage vor der bundesweiten „Woche der Wiederbelebung“ (21. bis 27. September), das System, das es seit dem Jahr 2022 in Lippe gibt und immer weiter ausgebaut wird.
„Time ist Brain. Beim plötzlichen Herz-Kreislauf-Stillstand oder bei Bewusstlosigkeit ist eine schnelle, professionelle medizinische Hilfe oft lebensentscheidend für den in Not geratenen Menschen. Über ein zusätzliches smartphonebasiertes Alarmierungssystem kann die Rettungsleitstelle des Kreises Lippe zeitgleich zu den Rettungskräften einen sich möglicherweise zufällig in unmittelbarer Einsatznähe befindlichen, medizinisch qualifizierten Ersthelfer aufspüren und hinzualarmieren. Dieser Ersthelfer kann zum Beispiel eine Krankenschwester, ein Pfleger, ein Rettungssanitäter, ein Notfallsanitäter, aber auch ein Arzt sein, der unmittelbar qualifizierte Wiederbelebungsmaßnahmen bis zum Eintreffen des Rettungsdienstes einleiten kann. Diese wenigen Minuten können die entscheidenden Minuten für das Überleben des Patienten sein“, erläutert Christian Osthus das „Katretter“-System.
„In schweren Fällen ist die schnelle Reanimation lebenswichtig. Deshalb ist unser System neben den guten normalen Rettungseinsätzen so effektiv. 827 ehrenamtliche Aktive gibt es bereits in Lippe. Sie alle haben Erfahrung und ihre Fähigkeiten für ihren Einsatz nachgewiesen und sind oft auch Mitglieder des Rettungsdienstes oder von Hilfsorganen. Im Jahr 2025 gab es 693 Einsätze für die ‚Katretter‘. 387-mal ging es um bewusstlose Personen, 184-mal ging es um Reanimationen und 84-mal konnten Reanimationen frühzeitig durch ‚Katretter‘ eingeleitet werden“, ergänzt Ramona Stademann.
In der Woche der Wiederbelebung gibt es am Samstag, 26. September, einen Aktionstag des Bevölkerungsschutzes in Detmold. An diesem Tag können interessierte Bürger nicht nur die Reanimation an einer Puppe üben, sondern auch lernen, ihre Hemmschwelle zur richtigen Herzmassage zu überwinden.
„Wir wollen Aufmerksamkeit für die schnelle Hilfe und Reanimation schaffen, die Menschen überzeugen und die gute und schnelle Zusammenarbeit zwischen Bevölkerungsschutz, Klinikum und Ärzten aufzeigen“, so Christian Osthus. Und Ramona Standermann fügt hinzu: „Das DRK Detmold bietet neben den Erste-Hilfe-Kursen auch Kurse für ‚Katretter‘ an. Wer Interesse hat, kann auch beim Kreis Lippe Informationen bekommen. Allerdings muss vor dem möglichen Einsatz eine Qualifikation nachgewiesen werden.“
Der Kreis Lippe kooperiert bereits mit den „Katrettern“ mit den Kreisen Höxter, Paderborn und Herford. So können diese über die App „Katretter“ auch kreisübergreifend erfasst und eingesetzt werden. Im Gespräch sei man zudem mit der Stadt Bielefeld und dem Kreis Gütersloh, um auch dort eine Schnittstelle einzurichten, so Ramona Stadermann.
Übrigens: Dem Partygast konnte noch notärztlicher Versorgung und kurzem Aufenthalt im Klinikum Detmold geholfen werden. Er wurde noch in der Nacht wieder entlassen.






