Aus einer Ansichtskartenserie mit Innenaufnahmen des 1961 neu eingerichteten Heimatmuseums. Fotorechte: Alte Hansestadt Lemgo

Lemgo. Der traditionell beliebte Kalender des Museums Hexenbürgermeisterhaus für das Jahr 2027 ist erschienen. Passend zur aktuellen Sonderausstellung „100 Jahre – 1.000 Fragen – gemeinsam antworten“ widmet sich die neue Ausgabe der eigenen Geschichte des Hauses. Nach dem kürzlich begangenen 100-jährigen Jubiläum als Museum rückt damit die Entwicklung der Einrichtung selbst in den Mittelpunkt.


Der Kalender greift zahlreiche Inhalte der Sonderausstellung auf und hält wichtige Stationen der Museumsgeschichte fest. Dabei wird deutlich, dass die Entstehung des Museums eng mit einem Konflikt zu Beginn des 20. Jahrhunderts verbunden ist.

Stadtarchiv Lemgo, Fotoarchiv Ohle (Depositum Alt Lemgo Mische), 1926.

So erinnert der Kalender daran, dass die Eigentümerfamilie des Hexenbürgermeisterhauses in den Jahren 1910 und 1911 plante, die prächtige Weserrenaissance-Fassade des Gebäudes abzubauen und gewinnbringend zu verkaufen. Öffentliche Proteste verhinderten dieses Vorhaben. In der Folge kaufte die Stadt Lemgo das Haus und entschied sich, dort ein Museum einzurichten. Bis zur tatsächlichen Umsetzung dieses Plans sollten allerdings noch mehr als 14 Jahre vergehen.

Auch weniger ruhmreiche Kapitel der Museumsgeschichte werden thematisiert. Nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten im Jahr 1933 nutzten die damaligen Museumsverantwortlichen um den Heimatforscher Karl Meier die veränderten politischen Rahmenbedingungen, um das Museum im Sinne nationalsozialistischer Propaganda zu erweitern.

HBH, Fassade um 1930.

Während ein Ausstellungsraum Engelbert Kaempfer als deutschen Helden inszenierte, wurde der Keller des Hauses zum sogenannten „Folterkeller“ umgedeutet. Historisch belegbar war diese Darstellung jedoch nicht. Die Inszenierung der Hexenverfolgung diente vielmehr als bewusst geschaffener Gegenpol zur heroischen Darstellung Kaempfers.

Der angebliche Folterkeller und die Vermittlung der Hexenverfolgung blieben auch in den folgenden Jahrzehnten zentrale Themen des Museums. Bis in die 1980er Jahre hinein wurde das Thema teilweise als Marketinginstrument genutzt. Erst in den 1990er Jahren setzte ein Wandel ein. Seitdem wird Besuchern vermittelt, dass sich im Hexenbürgermeisterhaus niemals ein authentischer Folterkeller befunden hat.

Diese sachliche Auseinandersetzung mit der eigenen Geschichte spielte auch bei der Neugestaltung der Dauerausstellung im Jahr 2007 eine wichtige Rolle. Vorausgegangen war eine umfassende Restaurierung des Gebäudes zwischen 1999 und 2004, die eine zeitweilige Schließung des Museums erforderlich machte.

Der Museumskalender 2027 ist neben dem Museumsshop unter anderem in der Buchhandlung Pegasus erhältlich. Der Preis beträgt 12 Euro. Die Auflage ist nach Angaben des Museums begrenzt.