Da staunt die Wühlmaus, und der Igel wundert sich: Eine glatte Oberfläche sieht doch anders aus. Eben gepflastert, senken sich stellenweise Steine in die Erde ab. Montage & Glosse: Hajo Gärtner

Lage. Eine Million Euro, ein halbes Jahr Verspätung und Uneben­heiten in Serie: Der Parkplatz am Werreanger steht morgen offenbar vor einer peinlichen Wiedereröffnung. Von außen sieht er kurios aus. Das Pflaster liegt zwar, die Bauzäune könnten sofort verschwinden. Aber eine Kleinigkeit scheint noch nicht ganz geklärt: Ist das ei­gent­lich ein Parkplatz – oder eher ein Trainingsplatz für Motocross-Rennen?


Wer genauer hinschaut, entdeckt nämlich eine erstaunliche Vielfalt topografischer Besonderheiten. Hier eine Senkmulde, dort eine Bodenwelle, dazwischen ein paar Unebenheiten, die vermut­lich nicht zum künstlerischen Gesamtkonzept gehören. Die Haupt­rinne mäandert eher wie ein Fluss, als dass sie eine schnurgerade Furche durchs Steinparkett zöge. Man könnte meinen, die Pflasterkolonne habe sich bei der Arbeit gelegentlich von den natürlichen Gege­ben­heiten der Landschaft inspirieren lassen.

Eine Million Euro kostet das Parkvergnügen. Dafür darf man durchaus eine Meisterleistung der Pflasterkunst erwarten. Schließlich ist das hier kein historischer Dorfplatz, auf dem sich jahrhunderte­alte Bodenbewegungen Bahn brechen. Es geht um einen besonderen Parkplatz. Autos sollen dort nicht nur stehen, sondern auf Entdeckungs­reise gehen.

Besonders reizvoll ist der Blick in die Zukunft. Wenn sich bereits vor der Wiedereröffnung erste Setzmulden zeigen, darf man gespannt sein, wie sich das Kunstwerk entwickelt, sobald sich täglich tonnen­schwe­re Autos darüberwalzen. Vielleicht entsteht mit der Zeit ein ganz neues Landschaftsbild: der Werreanger als ausgewiesener Prüfparcours für Stoßdämpfer und Achsaufhängungen. Auch die übrigen Details lassen aufhorchen: Grüninseln, die schon jetzt eher als Wildkraut-Reservate durchgehen, beschädigte Kantsteine als interpretationsoffene Grenzmarkierungen und eine Linienführung, für die offenbar Einsteins Raumzeitkrümmung Pate gestanden hat.

Ursprünglich sollte der Parkplatz zu den Osterferien fertig sein. Eine gewagte Hypothese. Nun, ein halbes Jahr später, soll es am Montag doch endlich so weit sein. Die Geduld der Autofahrer ist damit mindestens ebenso strapaziert wie die Nerven derjenigen, die von einem Parkplatz ebene Flächen und und eine gerade Linienführung erwarten.

Uwe Detert (AfD), der einen Heizungsinstallationsbetrieb managt, findet deutliche Worte: »Wenn ich so arbeiten würde, könnte ich meinen Laden zumachen.« Eine notwendige Sanierung sei das eine, eine fachgerechte Ausführung und sorgfältige Kontrolle das andere. Und genau da sieht er die Stadt in der Pflicht.

Vielleicht sollten die Stadtoberen vor der Freigabe noch einmal mit einer Wasserwaage vorbeischauen. Oder gleich mit einem Geologen. Sicher ist sicher. Denn eine Sache wäre wirklich ärgerlich: Wenn der Parkplatz nach seiner millionenschweren Sanierung schon bald wieder sanierungsbedürftig wäre. Dann hätte man immerhin eines geschafft: aus einem Parkplatz ein echtes Dauerprojekt zu machen. Vielleicht ein Kunstwerk vom Rang der drei Plastik-Ziegen am Rethlager Bachtal.