„In Lippe bin ich die Kerstin“ – Bundestagsabgeordnete Kerstin Vieregge im LWZ-Interview

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Die lippische Bundestagsabgeordnete Kerstin Vieregge. Foto: Noemi Wiebe

Kreis Lippe. Wie sehr sich der Krieg auf ihre Arbeit auswirkt, damit hat die lippische Bundestagsabgeordnete Kerstin Vieregge, die auch Mitglied im Verteidigungsausschuss ist, nicht gerechnet. Was sie dort erlebt und warum sie sich immer freut, nach Lippe zurückzukommen, erzählt sie exklusiv im Gespräch mit der LIPPISCHEN WOCHENZEITUNG. 

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LWZ:  Frau Vieregge, was hat sich so aus Ihrer Sicht als Bundestagsabgeordnete in Lippe getan und wo lagen für Sie die Bezüge zwischen Berlin und Lippe? Was wurde in Berlin besprochen, was in Lippe vor sich ging? Was ist passiert in der ganzen Zeit?
Kerstin Vieregge (schmunzelt): Das ist aber gleich eine umfassende Frage. Also im Endeffekt muss man sagen, dass meine Zeitausrichtung in der Tat mit dem Stichwort ‚Zeitenwende‘ verbunden ist. Gerade als Mitglied des Verteidigungsausschusses hat sich seitdem in der gesamten Tätigkeit und Arbeit einiges verändert. Das hat jetzt nicht unbedingt in erster Linie etwas mit Lippe zu tun, viel eher mit der gesamtgesellschaftlichen Zielsetzung und der Frage: Wo wollen wir als Gesellschaft hin?
Für mich ist klar, dass der Schutz des Landes vor äußeren Bedrohungen eine originäre Aufgabe des Staates und ein Kernanliegen jedes Bürgers darstellt. In der derzeitigen geopolitischen Lage geht kein Weg daran vorbei, die Bundeswehr so zu ertüchtigen, dass sie im Ernstfall unsere Freiheit und die unserer Verbündeten verteidigen kann.

LWZ: Sie haben gerade einen aktuellen Punkt angesprochen. Wie verlief die Diskussion, wenn es um den Krieg in der Ukraine ging und was die Panzerlieferung angeht? Wie haben Sie das erlebt?
Vieregge: Es gibt eine hohe Zahl absoluter Befürworter, zu denen ich auch gehöre.
Der Bundeskanzler hat gegen den Willen seiner Koalitionspartner – und die Forderungen der Unions-Fraktion – die Lieferung von Kampfpanzern monatelang hinausgezögert. Es ist gut, dass Herr Scholz seine Bremsklotz-Phase zumindest in dieser Frage überwunden hat, dennoch kam diese Entscheidung viel zu spät. Wir müssen nun hoffen, dass die Ukraine die erwartete Frühjahrsoffensive der russischen Streitkräfte trotz der verspäteten Lieferung dennoch abwehren kann.
Es gibt kaum jemanden in Deutschland, der sich nicht den Frieden zurückwünscht. Alle wünschen sich, dass dieser Krieg niemals passiert wäre. Aber wir müssen uns der Realität stellen, dass Russland derzeit keinerlei Interesse an einer diplomatischen Lösung dieses Konfliktes hat.

LWZ: Können Sie das noch weiter erläutern?
Vieregge: Ich selbst bin Mitglied der Parlamentarischen Versammlung der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE). Vor zwei Wochen hatten wir eine Tagung in Wien, bei der tatsächlich auch die russische Delegation zugelassen war. Von ihren Mitgliedern mussten wir uns von morgens bis abends als Neonazis beschimpfen lassen. Uns wurde gesagt, dass wir den Russen hätten danken sollen für jeden Tag, an dem sie die Ukraine von der bösen Macht des Westens befreien. Wenn Sie solche Sätze hören, dann wissen Sie nicht mehr, wohin mit Ihren Gefühlen. Und darum wollen wir alle, dass der Krieg sofort beendet wird. Aber mit diesem Aggressor ist dies derzeit nicht möglich.


Das komplette Interview ist am kommenden Samstag, 18. März, in der Print-Ausgabe und im ePaper zu lesen.

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