Lemgoer Jugendamt: Beteiligung am Verfahren zur Qualitätsentwicklung im Kinderschutz

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Beim Auftakttreffen bekam das Lemgoer Jugendamt Besuch von Expertinnen und Experten des Deutschen Jugendinstituts, des Instituts für Soziale Arbeit e.V. und der Kinderschutz-Zentren. Foto: Alte Hansestadt Lemgo

Lemgo. Das Lemgoer Jugendamt hat sich als eines von 18 Jugendämtern erfolgreich für die Teilnahme an einem Pilotprojekt beworben. Ziel des Projekts ist die Entwicklung von Verfahren zur Sicherung und Weiterentwicklung von Qualitätsstandards im Kinderschutz. Die Prüfung dieser Prozesse ist Teil des Kinderschutzgesetzes des Landes NRW, das seit 2022 in Kraft ist. Der Zeitrahmen ist dabei ehrgeizig: Innerhalb von sechs Monaten muss das Projekt fertig werden.

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Zur Auftaktveranstaltung in Lemgo waren Gäste aus Hamburg und München angereist: Expertinnen und Experten des Deutschen Jugendinstituts, des Instituts für Soziale Arbeit e.V. und der Kinderschutz-Zentren begleiten das Projekt. Vom Lemgoer Jugendamt waren Vertreterinnen aus allen Bereichen des Jugendamts dabei, vom Allgemeinen Sozialen Dienst, welcher für den Kinderschutz im engeren Sinne zuständig ist, von der Amtsvormundschaft, dem Pflegekinderdienst, der Jugendhilfe im Strafverfahren, der Eingliederungshilfe und der Leitungsebene.

Das Lemgoer Jugendamt ist dabei Teil einer nur kleinen Runde. Für das Pilotprojekt wurden 18 Jugendämter ausgewählt. Sie sollen möglichst gut die Vielfalt der Jugendämter in NRW abdecken. Es sind größere und kleinere Jugendämter dabei, einige von Kommunen und andere von Kreisen, verteilt auf alle Landesteile. Von den 186 Jugendämtern in NRW sind 78 ähnlich groß wie das Lemgoer. Drei davon sind Teil des Pilotprojekts.

„Wir begrüßen die Einführung von standardisierten Verfahren zur Qualitätsentwicklung ganz ausdrücklich, denn sie geben uns Sicherheit und helfen uns, stetig besser zu werden. Das hilft in erster Linie den Kindern und Jugendlichen, die es zu schützen gilt, ebenso aber auch ihren Familien. Und sie geben auch uns Jugendämtern in unserer Arbeit Sicherheit, denn dabei übernehmen wir jeden Tag eine große Verantwortung“, erklärt Abteilungsleiterin Juliane Gaßmann. „Wir sind alle nur Menschen und wollen deswegen mögliche Fehlerquellen ausschließen, so gut wir es nur können.“

Ein halbes Jahr dauert das Projekt, in dem Beispielfälle und die Arbeitsbedingungen auf der strukturellen Ebene angeschaut und in die Bewertung miteinbezogen. Dabei geht es darum, die Umstände, die Entscheidungen beeinflussen können, und potenzielle Schwachstellen zu entdecken und Lösungen für einen besseren Umgang damit zu finden.

„Das ist ein straffer Zeitplan, aber genauso lange sollen die Verfahren nach der Pilotphase dann auch tatsächlich dauern. Deswegen testen wir das jetzt unter genau den Bedingungen, die später gelten werden. So fallen Probleme besser auf“, erklärt Juliane Gaßmann. „In Zukunft wird alle fünf Jahre eine unabhängige Stelle auf diese Weise das System durchleuchten, die Qualität der Kinderschutzverfahren der einzelnen Jugendämter überprüfen und Empfehlungen aussprechen. In der Zwischenzeit überprüfen und entwickeln wir unsere Verfahren intern weiter, so wie wir es bereits jetzt fortlaufend tun.“

Es wartet noch einiges an Arbeit auf die Expertinnen und Experten: Bis Juni wird mit jedem an dem Projekt beteiligten Jugendamt ein Bericht erstellt, der auch dem Jugendhilfeausschuss der jeweiligen Kommune vorgelegt wird. Damit wird das Ziel verfolgt, das im Landeskinderschutzgesetz verankert ist und von dem Projekt verfolgt wird: Die Optimierung der Arbeitsprozesse für den Kinderschutz und der vor Ort herrschenden Bedingungen. Im Zusammenwirken des Jugendhilfeausschusses und der Stadtverwaltung können dann an den Stellen, wo Möglichkeiten zur Verbesserung gefunden werden, notwendige Veränderungen geplant und eingeleitet werden. (lwz)