Als erste lippische Friseurin: Kolbarin Derbas stylt Models auf New York Fashion Week

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Friseurmeisterin Kolbarin Derbas (Mitte) vertrat den Kreis Lippe auf der New York Fashion Week. Fotorechte: Kolbarin Derbas

Bad Salzuflen/New York. Sie ist die erste Friseurin aus dem Kreis Lippe, die auf der New York Fashion Week arbeiten durfte: Kolbarin Derbas. Vom 8. bis zum 12. Februar stellte sie auf Einladung des Creative Directors der Fashion Week, Gary Baker, ihr Können in New York unter Beweis.

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Der LIPPISCHEN WOCHENZEITUNG berichtet die Stylistin von ihren Erlebnissen in der Metropole am Hudson River.

LIPPISCHE WOCHENZEITUNG (LWZ): Frau Derbas, wie sind Sie zu Ihrem Beruf gekommen?
Kolbarin Derbas: Ich lebe jetzt seit 33 Jahren in Deutschland und bin seit 27 Jahren im Beruf tätig. Zunächst habe ich zehn Jahre in Siegen gelebt, dort meine Lehre gemacht und auch zwei Jahre als Gesellin gearbeitet. Nach zwei Jahren in Detmold, bin ich schließlich nach Bad Salzuflen gegangen, wo ich seit nun 22 Jahren wohne und arbeite. Den Wunsch, Stylistin zu werden, hatte ich jedoch schon immer. Zu Schulzeiten habe ich unter anderem ein Praktikum bei einem Friseur absolviert – das hat mir so gut gefallen, dass ich dabeigeblieben bin. Seit drei Jahren bin ich nun mit meinem „Salon Deluxe“ in Bad Salzuflen selbstständig. Die gesamte Arbeit macht mir super viel Spaß, meine Stärken sehe ich aber auf jeden Fall in den verschiedenen Farbtechniken sowie dem Stylen.

 LWZ: Wie ist dazu gekommen, dass Sie auf der Fashion Week in New York arbeiten durften?
Derbas: Ich bin in einer Community, die sich „Grenzenlos“ nennt – auf einem Event der Friseur-Initiative hat diese bekannt gegeben, dass sie den Zuschlag bekommen hat, 34 Stylisten aus Deutschland zur Fashion Week nach New York zu schicken. Daraufhin habe ich mich beworben und riesiges Glück gehabt, ausgewählt worden zu sein – schließlich sind mehr als 1.000 Friseure Mitglied von „Grenzenlos“. Bevor es richtig losging, hatten wir eine zweitägige Schulung in Hannover, bei der uns Frisuren gezeigt wurden, uns aber auch beigebracht wurde, wie wir unter Stress und zum Beispiel auch bei Stromausfall arbeiten können – was dann in New York tatsächlich auch passiert ist.

LWZ: Sie hatten einen Stromausfall während der Show?
Derbas: Ja, wir waren gerade dabei, einen Dutt mit einer besonderen Struktur zu machen, die eine Hälfte war bereits lockig – dann ist der Strom ausgefallen. Wie wir es zuvor gelernt haben, haben wir direkt reagiert, sind kreativ geworden und haben uns gegenseitig unterstützt. Am Ende hat alles gut funktioniert, vor allem, weil wir Hand in Hand gearbeitet haben. Das „Team-Deutschland“ war wirklich mega!

LWZ: Wie kann man sich Ihren Arbeitsalltag vor Ort im „Big Apple“ vorstellen?
Derbas: Wir hatten keinen bestimmten Ablauf, sondern mussten immer flexibel sein. Meist wurde uns erst 20 bis 30 Minuten vorher Bescheid gegeben, wo wir arbeiten werden. Dann haben wir sofort den Rucksack gepackt und sind zu Fuß losgelaufen – so waren wir schneller als mit einem Uber. Oftmals sind wir um vier Uhr morgens angerufen worden und haben dann den ganzen Tag bei verschiedenen Shows gearbeitet. Freizeit hatte ich nur insgesamt vier Stunden – und das auch nur, weil ich sie mir genommen habe, um die Freiheitsstatue zu sehen.
Es war also sehr stressig, aber es war positiver Stress. Es hat so viel Spaß gemacht, mit mehr als 500 talentierten Leuten, darunter Stylisten, Models, Designer, Fotografen und Fernsehteams, in einem Raum zu sein und an einem gemeinsamen Projekt zu arbeiten. Ich weiß gar nicht genau, wie viele Shows wir gemacht haben, aber meist waren es drei bis vier Stück am Tag, bei denen wir jeweils bis zu neun Models gestylt haben. Wir waren so unter Zeitdruck, dass wir gar nicht zählen konnten, wie viele Models es wirklich waren und wir keine Fotos machen konnten. Alles musste so schnell gehen – Hauptsache, das Model war fertig.

LWZ: Können Sie sich vorstellen, in Zukunft nochmals in diesem Bereich zu arbeiten?
Derbas: Auf jeden Fall, ich würde es jederzeit wieder machen! Ich kann mir gut vorstellen, neben meinem Salon, immer mal wieder auf solchen Events zu arbeiten und die Models hinter der Bühne zu stylen. Das ist genau das, was mir Spaß bereitet. Vielleicht gibt es ja bald Überraschungen – das war erst der Anfang!


Das Interview führte Alina Knoerich.