Bevölkerungsschutz, Hilfsorganisationen und Feuerwehr üben den Ernstfall in unterschiedlichen Szenarien. Mit „Arminius 2025“ hat Ende August die größte Übung des Katastrophenschutzes in Lippe überhaupt stattgefunden. Über 650 Teilnehmer aus ganz OWL waren nach einem simulierten Massenanfall von Verletzten am Kreishaus im Einsatz, Bundes- und Landeskonzepte des Zivil- und Katastrophenschutzes wurden intensiv geübt. Archivfotos: Jörn Fries

Kreis Lippe/Lemgo. 365 Tage im Jahr, 24 Stunden am Tag – während andere schlafen, Netflix schauen oder überlegen, ob sie wirklich noch ein Stück Pizza brauchen, sitzt das Team der Feuerschutz- und Rettungsleitstelle des Kreises Lippe hellwach am Telefon. Auch 2025 galt dort: Pause ist was für andere.


Untergebracht am Feuerwehrausbildungszentrum in Lemgo, ist die Leitstelle so etwas wie das Nervenzentrum des Kreises. Hier laufen alle Fäden zusammen – Feuerwehr, Rettungsdienst, Blaulicht, Sirenen und gelegentlich auch die Frage: „Brennt es wirklich oder spielt nur der Toaster verrückt?“

Beim Pressegespräch am 13. Januar präsentieren Sabine Beine, Sascha Medina und Achim Reineke die Bilanz des Jahres 2025 – und die hat es in sich: 101.471 Einsätze wurden koordiniert. Das sind 215 mehr als im Vorjahr und ungefähr 101.471 Gründe, warum dort niemand Langeweile kennt.

61.213 Mal klingelte die „112“, insgesamt führten die Disponenten 171.574 Gespräche – im Schnitt 470 pro Tag. Kurz gesagt: Dauertelefonieren auf Profi-Niveau. In 42.156 Fällen ging es um echte Notfälle, 7.266 Mal wurde zusätzlich ein Notarzt alarmiert. Multitasking ist hier keine fortgeschrittene Fähigkeit, sondern Grundvoraussetzung.

Auch technisch wurde aufgerüstet: Der Telenotarzt war 828 Mal im Einsatz – mehr als doppelt so oft wie im Jahr zuvor. Der Rettungshubschrauber hob 199 Mal ab (man munkelt, er kennt Lippe inzwischen besser als Google Maps). Dazu kamen 12.576 Krankentransporte – rollende Hilfe rund um die Uhr.

Bei der Feuerwehr war es 2025 etwas ruhiger: 4.005 Einsätze, davon 1.094 Brände und 2.911 Hilfeleistungen – von Ölspuren über Sturmschäden bis hin zu Tierrettungen, bei denen vermutlich nicht jedes gerettete Tier „Danke“ gesagt hat.

Die Katretter-App bewies ebenfalls, dass schnelle Hilfe manchmal schneller ist als der Rettungswagen: 900 Alarmierungen, 603 Einsätze und 134 Helfer, die noch vor dem Rettungsdienst vor Ort waren. Superhelden – nur ohne Umhang.

„Hinter diesen Zahlen stehen Verantwortung, Engagement und viele Menschen, die ihren Job ernst nehmen“, betont Sascha Medina. Und weil Stillstand keine Option ist, gab es 2025 gleich mehrere Neuerungen: neue Fahrzeuge, ein Abrollbehälter „Sanität“ für lange Einsätze und frisch übernommene Rettungswachen. Außerdem wurde die Notarztmanagement gGmbH gegründet – klingt trocken, sorgt aber für bessere Koordination der Versorgung.

Auch gelernt wurde fleißig: 148 Brandsimulationen, über 750 geschulte Einsatzkräfte und die Großübung „Arminius 2025“ mit 650 Teilnehmern. Wer hier mitmacht, weiß spätestens danach, wo der Feuerlöscher hängt.

Und 2026? Wird nicht weniger spannend: Neue Rettungswachen, ein Neubau in Detmold und die nächste Großübung „Sophos 2026“ stehen an.

Fazit: Während Lippe schläft, arbeitet die Leitstelle weiter. Und wenn irgendwo etwas passiert, ist eines sicher: Am anderen Ende der Leitung sitzt jemand, der sagt:
„Bleiben Sie ruhig – wir kümmern uns.“

Das effektivste „Gerät“ des Rettungsdienstes: Der Hubschrauber bringt Unfallopfer in Minutenschnelle ins Krankenhaus, denn manchmal entscheiden Minuten über Leben und Tod.