
Lage. Die Kuh scheint vom Eis gezogen zu sein. Obwohl es lange so aussah, als gäbe es keine Lösung für das «Kita Maßbruch»-Problem. Eine Sanierung des verschimmelten Kindergartens an der Freiligrathstraße erschien mit geschätztem 3 Millionen Euro-Aufwand indiskutabel. Die Verwaltung legt ein alternatives «Investoren-Modell» vor, das die Finanzierung eines Neubaus mit einem Mietmodell vorsieht. Pferdefuß: Die Stadt müsste einen Mietkostenzuschuss von 8 Euro pro Quadratmeter leisten. Bei einer Gebäudefläche von rund 820 Quadratmetern macht das rund 80.000 Euro pro Jahr.
Lange Zeit hat die Ratsmehrheit gemurrt: «Warum sind wir nicht früher über die desolate Lage am Ende der Freiligrathstraße informiert worden?» Eine Rolle spielte auch das Argument: «Warum sollen wir in ein Gebäude investieren, das uns am Ende gar nicht gehört?“ Bürgmeister Matthias Kalkreuter macht das Problem klar: Wenn das Investorenmodell nicht angenommen wird, sitzt die Stadt wegen einer höheren gesetzlichen Verpflichtung vor dem Problem, 120 Kita-Kinder irgendwie unterbringen zu müssen. Die Kita Maßbruch ist schließlich die größte Kita-Einrichtung der Stadt.
Obwohl dieses Argument bei der Ratsmehrheit von AfD, Aufbruch C, FDP und CDU anfänglich nicht zu verfangen schien, hat sich der Wind gedreht. In der jüngsten Sitzung des Jugendhilfe-Ausschusses zeigte sich überraschend eine breite Mehrheit für das Investoren-Modell. Marcel Braun, Pressesprecher der CDU-Fraktion, wies die Richtung: «Im Jugendhilfeausschuss geht es doch weniger um die Finanzen als darum, ein Statement für den Neubau zu setzen.»
Mit diesem Statement ist die Kuh vom Eis. Denn ein Neubau im Rahmen einer städtischen Trägerschaft wäre – das hat die Verwaltung vorgerechnet – rund 80.000 Euro teurer, als dem kirchlichen Träger mit dem Mietzuschuss nach dem Investoren-Modell unter die Arme zu greifen. Die Entscheiung fällt nun in der Ratssitzung am 26. März. Doch die Jugendhilfeausschuss-Empfehlung kann als Wegweiser für das Licht am Ende des Tunnels angesehen werden.
Kommentar
Das Zahlenwerk der Verwaltung überzeugt. Wenn nahezu alle Fraktionen im Rat davon überzeugt sind, dass ein Neubau der Kita Maßbruch schlicht notwendig ist, weil die Sanierung nach Recherchen des Trägers »Diakonie + Kirche« zu teuer käme und wirtschaftlich nicht darstellbar sei (das beauftragte Architekturbüro schätzt: mehr als drei Millionen Euro), bleibt nur noch die Frage der Finanzierung.
»Das ist Sache des Trägers, also der Stiftung Eben-Ezer und der Kita-Besitzerin Kirche«: Ein schlagkräftiges Argument, das auf der Hand liegt. Und auch der Vorwurf: »Warum haben die ihre Kita denn so herunterkommen lassen, dass sie nicht mehr saniert werden kann?« trifft ins Schwarze.
Sei’s drum: Diese sozialen Einrichtungen allein können jetzt die Kosten nicht mehr stemmen: Sollen die Kita-Gebühren denn ins Unermessliche steigen? Also ist Lage nun tatsächlich gefordert, der Kirche unter die Arme zu greifen, denn sonst müsste die Stadt in die Bresche springen, wenn Diakonie und Kirche aufstecken. Zusätzlich müsste Lage rund 120 Kinder, die zurzeit dort betreut werden, mit frühkindlicher Erziehung und Bildung versorgen.
Macht die Stadt den »Früherzieher auf dem Maßbruch«, indem sie die Kita übernimmt, stellt sich doch die Frage, ob sie dazu besser geeignet wäre als der bisherige Träger. Ich meine: Diakonie und Kirche sind am sozialen Auftrag näher dran als die Stadt. Die Sorge um Kinder und Mütter dürfte ein elementarer Baustein der »christlichen Nächstenliebe« sein.
Dazu kommt der wirtschaftliche Aspekt: Das sogenannte »Investoren-Modell« ist um rund 80.000 Euro billiger zu haben als der Neubau durch eine städtische Kita-Übernahme. Also erscheint es allein schon aus Sicht wirtschaftlicher Vernunft – Lage muss in der »Haushaltssicherung« sparen, wo es nur eben geht – überzeugend, das »Investorenmodell« umzusetzen. Die Idee, mit der entsprechenden Monatsmiete den Neubau zu finanzieren statt rund drei Millionen Euro sofort auf den Tisch blättern zu müssen, erscheint mir geradezu genial. Natürlich wäre die Finanzierung mit entsprechenden Krediten möglich; aber dies ginge nicht ohne veritable Zinszahlungen.
Unterm Strich: aufgepasst, Sparfüchse. Macht jetzt keinen Fehler, indem ihr euch auf Kredite einlasst, die der Stadt in Zukunft Jahr für Jahr die Luft abschnüren. Und lasst gute soziale Einrichtungen nicht im Regen stehen.




