Karambolagen, die nicht wehtun, sondern Spaß machen und zum Lachen zwingen: Der Autoscooter gehört zur Kirmes wie die Butter zum Brot. Fotos: Gärtner

Lage. Der Frühjahrsmarkt ist jedes Jahr das untrügliche Zeichen dafür, dass der Winter endgültig vorbei ist,  oder zumindest kurz Pause macht, damit alle einmal Bratwurst essen können. Reden wir nicht vom verregneten Samstag und lieber vom regenfreien, sonnenbeschienenen und gut gelaunten Sonntag.


Auch er gehört zur Kirmes zwingend dazu: Der Mann mit den bunten Ballons.

Schon von weitem riecht man die Mischung aus gebrannten Mandeln, Bratfett und Zuckerwatte. Ein Duft, der sofort zwei Dinge auslöst: Hunger und den festen Vorsatz, „nur kurz zu gucken“. Dieser Vorsatz hält erfahrungsgemäß ungefähr so lange wie eine Runde im Autoscooter.

Zwischen den Buden schlendern Familien, Jugendliche und Menschen, die eigentlich nur „zufällig vorbeikommen“, dann aber plötzlich mit einer Tüte Mandeln, einem Luftballon und einem halben Meter Lakritzschnecken unterwegs sind. Man weiß selbst nicht genau, wie es passiert ist: Der Frühjahrsmarkt hat da seine eigenen Gesetze.

Doch in diesem Jahr gab es auf dem Marktplatz noch eine ganz andere Attraktion: eine kleine Leistungsschau der Ordnungskräfte. Polizei, Feuerwehr Lage und sogar die Bundeswehr hatten sich dort zu einem freundlichen Stelldichein versammelt. Mit ihrem großen, eindrucksvollen Equipment. Das Publikum zeigte reges Interesse – schließlich hat man nicht jeden Tag Gelegenheit, Einsatzfahrzeuge aus nächster Nähe zu betrachten, Fragen zu stellen oder einmal neugierig in die Ausrüstungskisten zu schauen oder gar ins Cockpit zu steigen.

Besonders spektakulär wird es bei der Vorführung der Feuerwehr. Dort ist ein Elektroauto demonstrativ komplett in Plastikfolie eingepackt. Nein, nicht weil es sich um ein besonders empfindliches Modell handelt oder weil es als Geschenk für den Bürgermeister gedacht ist, sondern um zu zeigen, wie ein E-Auto, das möglicherweise in Brand geraten ist, fachgerecht gesichert und abtransportiert wird. Während die Einsatzkräfte routiniert Plastik um das Fahrzeug ziehen und festgurten, steht das Publikum staunend daneben – irgendwo zwischen „Aha, so funktioniert das also“ und „Gut zu wissen, dass Profis sich darum kümmern“.

Auch das Deutsches Rotes Kreuz ist vor Ort und hat seinen Blutspende-Wagen aufgebaut. Dort geht es deutlich ruhiger zu als am Autoscooter, aber nicht weniger bedeutungsvoll. Während draußen Zuckerwatte verteilt wird, spenden drinnen einige Besucher ganz nebenbei ein bisschen von dem, was wirklich zählt: Blut für Menschen, die es dringend brauchen.

Und so zeigt der Frühjahrsmarkt einmal mehr, dass er mehr ist als nur Karussellmusik, Bratwurst und Mandeln. Er ist auch ein Ort, an dem man halb Lage trifft, ins Gespräch kommt und ganz nebenbei noch etwas über Feuerwehrtechnik, Rettungsarbeit oder das Innenleben eines Einsatzfahrzeugs lernt.

Der verkaufsoffene Sonntag rundet das Markttreiben schließlich perfekt ab. Während am Drawen Hof die Karussells kreisen und Mandeln zwischen den Zähnen knacken, öffnen auch die Geschäfte ihre Türen. Seh- und Geh-Leute geben sich dabei buchstäblich die Klinke in die Hand. Wer eigentlich nur ein bisschen bummeln wollte, findet sich plötzlich zwischen gut gefüllten Regalen, neugierigen Blicken und dem einen oder anderen spontanen Einkauf wieder. Die Läden sind so voller Leben, dass auch die Kauf-Leute sichtbar ihren Spaß daran haben – schließlich ist nichts schöner für Händler, als wenn die Kundschaft nicht nur schaut, sondern auch zugreift. In der Rossmann-Filiale etwa herrscht ein fröhliches Gewusel: Hier noch schnell Shampoo, dort ein Lippenbalsam, und am Ende wandern doch noch ein paar Dinge mehr in den Einkaufskorb als ursprünglich geplant. So gehört sich das für einen gelungenen verkaufsoffenen Frühjahrsmarkt-Sonntag.

Das Deutsche Rote Kreuz nutzt den Trubel und die Stimmung der Kirmes, um ihre Blutspende-Aktion effektivoll zu platzieren.