Kreis Lippe/Geldern. Auch wenn Trinkwasser als internationales Menschenrecht gilt, so trifft das auf Regionen, die von Armut oder politischer Instabilität betroffen sind, eher nicht zu. Weltweit hat rund ein Drittel der Menschheit keinen Zugang zu sauberem Trinkwasser. Am 22. März ist „Weltwassertag“. Dieses Jahr heißt das Motto „Wasser und Geschlecht – wo das Wasser fließt, wächst Gleichberechtigung“.
Damit schlägt das Thema Wasser eine Brücke zu den Frauenrechten, denn die schwächsten Glieder einer Kette haben vielerorts das Nachsehen. So verbringen zum Beispiel weltweit Frauen und Kinder täglich viele Stunden damit, Wasser heranzuschaffen – Zeit, die für die Schule, Arbeit oder die Familie fehlt.
Ein Grund, warum bei Mädchen oftmals das Recht auf Bildung unter den Tisch fällt. Das ist in deutschen Landen anders: Dort besteht für alle Kinder Schulpflicht und es ist selbstverständlich, den Wasserhahn aufzudrehen und sauberes Trinkwasser zu erhalten. Doch angesichts der Klimakrise sind immer mehr Wohlstandsländer von Wasserknappheit betroffen. Deutschland verliert jährlich circa 3,4 Billionen (!) Liter Wasser.
Hinzu kommt, dass durch zu hohe Schadstoffbelastungen des Grundwassers die Trinkwasseraufbereitung technisch aufwändiger und damit teurer wird – laut Umweltbundesamt droht ein Preisanstieg um bis zu 45 Prozent in betroffenen Regionen.
Das sind hauptsächlich Gebiete mit viel industrieller Landwirtschaft und Massentierhaltung. Die gemeinnützige Umwelt- und Naturschutzorganisation VSR-Gewässerschutz (ursprünglich „Verein zum Schutze des Rheins und seiner Nebenflüsse e. V.“) untersucht mittlerweile deutschlandweit das Wasser, ob Brunnen-, Grundwasser oder Gewässer.
Zur Analyse für den Kreis Lippe in den Jahren von 2019 bis 2024 sagt Harald Gülzow: „Neun Prozent der Brunnenwasserproben im Kreis Lippe überschreiten den Grenzwert der Nitratrichtlinie von 50 Milligramm pro Liter Nitrat. In Lage überschritt 2024 sogar jeder fünfte privat genutzte Brunnen diesen Grenzwert und ist als Quelle für Trinkwasser nicht mehr geeignet. Bei den bakteriologischen Untersuchungen liegen die Werte noch höher. Was das Brunnenwasser betrifft, so haben wir schon festgestellt, daß sich durch die Beratung der Bürger etwas bewegt. Wir sind fast das ganze Jahr hindurch mit unseren Labormobilen unterwegs. In den Fahrzeugen befinden sich komplett eingerichtete Labore für die Wasseranalysen und die Auswertung. Die Labormobile bringen uns direkt zu den Bürgern, die sich bei uns über den Zustand der Grund- und Oberflächengewässer informieren und ihre Brunnenwasserproben bei uns analysieren lassen möchten. Immer mehr Menschen erkennen, wie wichtig Gewässerschutz ist.“
Auch dieses Jahr ist das Team des VSR wieder im Kreis Lippe unterwegs; der genaue Termin steht allerdings noch nicht fest. Was die Nitratbelastung betrifft, so geht diese auf das Konto der intensiven, konventionellen Landwirtschaft und Massentierhaltung.
Dort habe der Bürger nur indirekt Möglichkeiten, darauf zu reagieren, so Gülzow: „Man kann sein Kaufverhalten dahingehend ausrichten, regionale Lebensmittel zu wählen, nachdem man zuvor direkt mit den Landwirten in Kontakt getreten ist, um Informationen zur Herstellung zu erhalten. Der Discounter hingegen ist in der Regel ein Abnehmer für Masse und weniger für ökologische Qualität.“
Nitrateinträge aus der Landwirtschaft sorgen für weniger Sauerstoff in den Gewässern. In unseren Flüssen gibt es zu viele Nährstoffe wie Nitrat und Phosphat. Auch deswegen befindet sich kaum ein Gewässer in Deutschland in einem ökologisch guten Zustand.
Der VSR favorisiert zum Schutze des Wassers eine andere Landwirtschaftsform, erläutert Dipl.-Physiker Harald Gülzow: „Agroforst ist eine Kombination von Gehölzen und Ackerfrüchten. Feldgehölze gehen tiefer in den Untergrund hinein und wenn der Landwirt vom Wetter überrascht wird und dann doch mehr Dünger in den Untergrund verlagert wird, dann können Gehölze dieses auffangen und noch zum Wachstum benutzen. So können Bäume das Grundwasser schützen. Agroforst muß natürlich individuell gut geplant werden, damit es in das jeweilige Hofkonzept passt.“
Das Anlegen von Baumstreifen auf den Feldern führt nachweislich zu einer erheblichen Senkung der Nitratbelastung, ohne den Ertrag auf dem Acker zu verringern. Im Kreis Lippe dominieren Felder ohne Bäume.
Das war nicht immer so. Erst im Zuge der Intensivierung der Landwirtschaft verschwanden die Bäume. Dabei sind die Gehölze in mehrfacher Hinsicht hilfreich, so auch im Herbst, wenn sie ihre Blätter verlieren, denn dann wird bei den Baumstreifen verstärkt Humus aufgebaut, der Nährstoffe sowie Wasser sehr gut im Boden halten kann. Im Zuge des Klimawandels werden die Sommer immer heißer.
Die Böden erwärmen sich und immer mehr Wasser wird verdunstet und die Feuchtigkeit geht den Pflanzen zum Wachstum verloren. In Agroforstsystemen sieht das anders aus. Durch die Schatten der Bäume wird die Temperatur des Bodens nicht so stark erhöht, sodass weniger Wasser verdunstet und weniger bewässert werden muss.
Damals schien man mehr von der Natur, ihren Kreisläufen und Zusammenhängen verstanden zu haben – genau da sollte es wieder hingehen, wenn wir die kommenden Katastrophen des Klimawandels verhindern wollen.





