In der Politik zoffen sie sich gerade mächtig um den Haushaltsplan 2026. Fußball erlaubt keinen Streit: Da gibts nur friedlichen Wettbewerb um die besten Torchancen. Die Harmonie reicht so weit, dass Kommunalpolitiker Andreas Epp („Aufbruch C“, vordere Reihe auf den Knien, ungefähr Mitte) und Verwaltungschef Matthias Kalkreuter (hintere Reihe, aufrecht stehend, exakte Mitte) das gleiche Trikot tragen. Kein Wunder: Spielt der Bürgermeister doch im Team der Politiker mit. Foto: Stadt Lage

Lage. Nach gefühlten 17 Legislaturperioden (tatsächlich knapp 4 Jahre) war es so weit: Einweihung des neuen Multifunktions­gebäudes am Kunstrasenplatz Werreanger. Aber nicht mit ermüdenden Reden, sondern einer belebenden Lederlappen-Schlacht zwischen Politik und Verwaltung.


Wer angesichts des aktuellen politischen Haushalts-Krieges zwischen Politik und Verwaltung wenigstens eine Rasen­rempelei erwartet hatte oder schmerzhafte Blutgrätschen sehen wollte und gar auf ein Grünstreifen-Gemetzel hoffte, sah sich getäuscht: friedlich, schiedlich, fair ging’s zu bei einer Kickerei der freundlichen Art. Schließlich spielte der Bürgermeister im Politiker-Team mit und verlor prompt: ein raffinierter Sieg des Verwaltungschefs.

Mit dabei also: Vertreter von Rat und Verwaltung, der örtlichen Fußballvereine sowie des Fußball- und Leichtathletik-Verbandes Westfalen – also genau die Mischung, bei der man nie weiß, ob gleich ein Spiel angepfiffen oder ein Antrag gestellt wird.

Das Gebäude selbst kann sich sehen lassen: zwei Etagen, massiv gebaut (wie so manche politische Argumentation), angeschlossen ans Nah- und Fernwärmenetz der Stadtwerke und ausgestattet mit allem, was das Fußballherz begehrt. Vier Umkleiden, zwei für Schiedsrichter (damit die sich in Ruhe überlegen können, für wen sie heute pfeifen), ein Multi­funk­tionsraum mit Balkon – perfekt, um Spiele zu beobachten oder tiefgründige Gespräche über Abseitsentscheidungen zu füh­ren. Sogar die Zuschauer-WCs barrierefrei – was spätestens nach der dritten Bratwurst ein echter Standortvorteil ist.

Finanziell wurde ebenfalls nicht gekleckert: Dank Fördermitteln von stolzen 775.900 Euro musste die Stadt „nur die Hälfte“ (774.100 Euro) selbst beisteuern – ein klassischer Fall von „fast geschenkt“. Besonderen Dank spendierte Bürgermeister Matthias Kalkreuter dem Thomas Krüger vom Gebäude­management, der das Projekt von Anfang an begleitet hat – vermutlich mit mehr Geduld als ein Schiedsrichter nach der fünften gelben Karte.

Und dann wurde es sportlich in der wohl brisantesten Paarung, seit es Kunstrasen gibt: Politik gegen Verwaltung! Auf dem Platz traf also Antrag auf Aktenlage, Vision auf Vorschriften-Voodoo.

Nach zweimal zehn Minuten stand es 1 : 1 – ein Ergebnis, das beide Seiten sofort und routiniert als eigenen vollen Erfolg verkauften. Doch im Neunmeterschießen („Warum nicht elf Meter?“ – „Man muss doch die Kirche im Dorf lassen“) zeigte die Verwaltung ihre ganze Routine: präzise, strukturiert und ohne unnötige Umschweife entschied das Bürgermeisterteam – ohne Bürgermeister, der spielte ja beim Gegner mit – das Spiel für sich. Raffiniert: Indem er auf die Seite der Politik wechselt, gewinnt Matthias Kalkreuter das Spiel als Verwaltungschef. Die Doppelfunktion macht’s möglich. Man munkelt, die Politik habe noch einen Änderungsantrag zum Neunmeterschießen einbringen wollen, kam damit aber etwas zu spät.

Der Nachmittag endete – wie es sich gehört – mit der dritten Halbzeit: Bratwurst, Kaltgetränke und der einhelligen Erkennt­nis, dass dieses Ereignis eigentlich nach einer Wiederholung schreit. Und so wurde bereits die nächste Idee geboren: eine offizielle Einweihungsparty mit Revanche-Spiel – Politik gegen Verwaltung, Runde zwei! Diesmal vielleicht mit Verlängerung, VAR und einem Vermittlungsausschuss für strittige, inter­pretationsbedürftige Situationen wie Abseits, Ecke und Einwurf.

Merke:

(1) Die Verwaltung agiert ohne Kopf, also gewissermaßen kopflos, am stärksten.
(2) Der Bürgermeister gewinnt, wenn er im Wettkampf zwischen Politik und Verwaltung die Seiten wechselt. Als Verwaltungschef kann er auf beiden Seiten spielen.