Kreis Lippe/Kalletal. In den vergangenen Tagen konnten Leserinnen und Leser verschiedener lippischer Medien Berichte zum MVZ verfolgen, die weitgehend auf einer unveränderten Stellungnahme des Kalletaler Bürgermeisters Mario Hecker basierten. Eine kritische Einordnung oder weitergehende Recherche blieb dabei jedoch vielfach aus.
Die LIPPISCHE WOCHENZEITUNG (LWZ) verfolgt an dieser Stelle einen anderen Ansatz, der auf sorgfältiger Prüfung von Aussagen und Fakten, dem Einholen mehrerer Perspektiven und einer unabhängigen Berichterstattung beruht.
So ließ die LWZ die Zahlen des Jahresabschlusses des MVZ für 2025 analysieren und wies auf die zumindest prekäre Situation des MVZ zum Jahresende 2025 hin. Die Zahlen, die der Bürgermeister sowieso veröffentlichen muss, da es sich nicht nur um eine GmbH handelt, sondern noch dazu um eine hundertprozentige Tochter der Gemeinde, sind so nicht wegzudiskutieren, auch wenn er sagt, sie seien nicht valide. Keine der Redaktionen, die sein Statement abgedruckt hat, hinterfragte dies ansatzweise.
Ein dringender Bedarf für ein MVZ im Kalletal liegt nicht vor, da die Gemeinde drei niedergelassene Ärzte hat, gegen die der Bürgermeister mit Steuergeldern eine Konkurrenz aufgebaut hat. Dies geschah zudem mit einem fragwürdigen Beschluss, der mit einem bei der Abstimmung nicht zum Rat gehörenden Mitglied gefasst wurde und ohne rechtliche Folgen blieb. Von Beginn an wurde dort die Zusammenarbeit mit niedergelassenen Ärzten vermieden. Vielmehr wurden durch die Ansiedlung des MVZ die vorhandenen Praxen möglicherweise geschwächt.
Die ärztliche Versorgung ist nicht, wie der Bürgermeister immer wieder gerne beteuert, Aufgabe der Gemeinden und gehört deshalb auch nicht zur Daseinsversorgung. In Deutschland ist die ärztliche Versorgung so geregelt, dass die Kassenärztliche Vereinigung dafür zuständig ist.
Ein Vergleich mit den Ausgaben zum Freibad oder des Wasserversorgungsverbandes und anderer Beiträge ist deshalb nicht richtig. Diese Zuschüsse im Haushalt der Gemeinde hierfür gehören, wenn auch im Fall zum Beispiel des Freibades oder der Bücherei, die eher freiwillig sind, zur Daseinsversorgung einer Gemeinde.
Wenn, wie es die Zahlen des Abschlusses 2025, die der LWZ-Redaktion vorliegen, zeigen, das MVZ am Jahresende faktisch zahlungsunfähig war und nur das Darlehen über 300.000 Euro, das der Bürgermeister mit Hilfe eines Bürgerbegehrens durchsetzen konnte, die GmbH weiterarbeiten konnte, stellt sich nicht nur die Frage einer möglichen Konkursverschleppung, sondern auch, wie es weitergehen soll.
Wann kommt der nächste Nachschlag auf den Tisch des Rates und in welcher Höhe? Wie sieht die derzeitige finanzielle Situation der GmbH aus? Das sind Fragen, die die Kollegen hätten stellen können, denn der LWZ beantwortet der Bürgermeister Fragen zum MVZ seit dem vergangenen Jahr nicht mehr. Damals wollte er entsprechende Fragen nur schriftlich beantworten und erwiderte auf diese kurz mit: „Ich beantworte die Fragen nicht.”
Ein ähnliches Verhalten zeigte er auch, wenn die UKB oder die CDU Fragen nach der Wirtschaftlichkeit stellten. Seine nun geäußerten, angeblich deutlichen Worte zur Einflussnahme entbehren jeglicher Grundlage. Als Bürgermeister ist er verpflichtet, der Öffentlichkeit Auskunft zu geben.
Wenn Mario Hecker am Ende seines Statements davon spricht, dass es Gründungsgerüchte eines MVZ in Lemgo gäbe, so sei daran erinnert, dass er es war, der damals davon sprach, das Krankenhaus in Lemgo werde geschlossen, und damit das MVZ Kalletal begründete. Übrigens ist dies genauso falsch wie die Aussage in seinem vergangenen Wahl-Flyer, in dem er einen Zentralfriedhof für Nordlippe in der Nähe von Lemgo ankündigte.
Ob das MVZ Kalletal jemals einen Facharzt, egal ob Kinderarzt oder einer anderen Fachrichtung, bekommt, steht in den Sternen. Genauso wie der wirtschaftliche Fortbestand. Die zum damaligen Beschluss vorliegenden Zahlen von „Dostal & Partner“, die einen schnellen hohen fünf- bis sechsstelligen Gewinn mit dem MVZ versprachen, sind schon jetzt entzaubert.
Bleibt die Frage: Wann wird den Ratsmitgliedern des Kalletaler Rates die nächste sechsstellige Forderung zum weiteren Bestehen des MVZ vorgelegt? Die LWZ bleibt dran und kommt ihrem journalistischen Auftrag nach.





