Hildegard Kotzur-Finkeldey nimmt die Glückwünsche zu ihrem 100. Geburtstag entgegen. Foto: Stift zu Wüsten

Bad Salzuflen. Es gibt Geburtstage, die feiert man. Und es gibt Geburtstage, die bewegen. Der 100. Geburtstag von Hildegard Kotzur-Finkeldey im Betreuten Wohnen des Stifts zu Wüsten in Bad Salzuflen gehört zweifellos zur zweiten Kategorie, nicht nur wegen der stolzen Zahl, sondern wegen einer Haltung, die aktueller kaum sein könnte.


Denn während Blumensträuße überreicht, Hände geschüttelt und Glückwünsche ausgesprochen wurden, unter anderem von Christoph Fritsche, dem Vorstand der Einrichtung, sowie der stellvertretenden Bürgermeisterin der Stadt Bad Salzuflen, nutzte die Jubilarin den Moment für etwas, das ihr ebenso wichtig ist wie das Feiern selbst: Aufmerksamkeit für ein Problem schaffen, das viele betrifft.

Mit wachem Blick und klaren Worten sprach die 100-Jährige ein Thema an, das buchstäblich vor der Haustür liegt: ein Bürgersteig an der Wüstener Straße, der keiner ist. Unebenheiten, fehlende Abgrenzungen zur Straße, gefährliche Situationen durch vorbeifahrende Lkw, deren Luftzug ins Wanken bringt.

Besonders im Winter, wenn Eis und Schnee den Unterschied zwischen Fahrbahn und Gehweg verschwimmen lassen, wird der Weg zur Herausforderung. „Das ist nicht nur für mich gefährlich“, machte sie der anwesenden Stellvertretung des Bürgermeisters deutlich, „das betrifft uns alle.“ Ein Satz, der hängen bleibt, weil er zeigt, dass Mitdenken und Verantwortungsgefühl kein Alter kennen.

Doch wer nun denkt, dieser Geburtstag sei von Sorgen geprägt gewesen, irrt. Ganz im Gegenteil: Hildegard Kotzur-Finkeldey ist ein Mensch, der das Leben feiert, nicht laut, sondern echt.

Ihre Lebensphilosophie ist so einfach wie kraftvoll: „Man muss dankbar und zufrieden sein. Ich bin froh, da zu sein“, sagt sie und lächelt dabei mit einer Wärme, die ansteckt. Ihr Glück misst sich nicht in großen Ereignissen, sondern in kleinen, echten Momenten: „Eine Pommes teilen. Ein Mettbrötchen in der Stadt essen. Das ist Leben.“ Vielleicht liegt genau darin ihre Stärke: Missstände klar benennen und gleichzeitig nie den Blick für das Schöne verlieren.