Anerkennung von Joey Kelly: Dennis Mattern (links) zeigt seine Weltrekordurkunde. Fotorechte: Dennis Mattern

Horn-Bad Meinberg/Leopoldstal/Duisburg. Gestern berichtete die LIPPISCHE WOCHENZEITUNG über den Weltrekordversuch von LWZ-Reporter Dennis Mattern. Insgesamt sollten dafür 42 Marathon-Läufer aus 42 Nationen gemeinsam durchs Ziel laufen und damit so viele Nationen wie bei keiner Laufveranstaltung jemals zuvor.


Die Entscheidung war gefallen, der Traum vom ersten Marathon zum Greifen nah, doch plötzlich stand alles auf der Kippe. Nach Verletzung, Zeitdruck und bürokratischen Hürden ging es für Dennis Mattern nicht mehr nur um die 42,195 Kilometer, sondern um die Frage: Wird er überhaupt an den Start gehen dürfen?

Schreiben des Außenministeriums

Doch gerade als die Tür mit dem Weltrekordversuch zuzugehen schien, öffnete sich eine neue Tür. Am selben Tag kam eine Antwort vom Konsulat aus Honiara. Demnach wurde Mattern gedankt für sein hohes Engagement mit dem Erfolg des Dokumentarfilms und der finanziellen Unterstützung beim aktuellen Museumsbau.

Eine gesponserte Staatsbürgerschaft würde zwar aktuell nicht ausgestellt werden, dennoch sei der Weltrekordversuch ein Ereignis von besonders hoher Bedeutung für das Land, hieß es. Dennis Mattern erhielt einen direkten Kontakt aus dem Ministerium und wandte sich mit seinem Anliegen dorthin.

Seine Anfrage ging bis ins Vorzimmer des Präsidenten und weiter zum Außenministerium. Den Mailverlauf ließ er aufgrund der Frist für den Nachweis seiner Staatsbürgerschaft an den Marathon-Veranstalter weiterleiten und dieser antwortete prompt: „Selbst wenn eine offizielle Wertung ausbleibt, lassen wir Sie allein aufgrund der Hintergrundgeschichte schon mitlaufen. Wir wünschen weiterhin viel Glück und drücken die Daumen, dass es mit der Staatsbürgerschaft noch irgendwie klappt.“

Damit war eine Woche vor dem Marathon für Dennis Mattern schon jetzt klar: Es geht nach Duisburg, so oder so – mit oder ohne Weltrekordversuch. Noch einmal eine letzte Trainingsrunde von Leopoldstal über die Externsteine zur Falkenburg und wieder zurück: 30 Kilometer und der Fuß hält.

Die Vorfreude stieg – doch würde die Teilnahme am Weltrekordversuch auch noch gelingen? Die Woche der Wahrheit verging wie im Fluge und tatsächlich, einen Tag vor dem Marathon erhielt er dann doch noch ein offizielles Schreiben vom Außenministerium.

Das direkt an die Veranstalter adressierte Dokument privilegierte ihn für eine Teilnahme am Weltrekordversuch unter salomonischer Flagge und empfahl darüber hinaus für ihn die Ausstellung einer dauerhaften zweiten Staatsbürgerschaft der Salomonen. Damit wurde das Engagement des Leopoldstalers von oberster Stelle aus dem Ministerium offiziell gewürdigt.

In der Regel benötigt man für eine salomonische Staatsbürgerschaft mindestens fünf Jahre Aufenthalt vor Antragstellung und je nach Insel zwischen 93.000 und 186.000 Euro Invest. Was für eine Anerkennung!

Das Schreiben hatte für Dennis Mattern noch eine weitere Besonderheit: Als er 2023 mit seiner Familie auf den Spuren der Riesen im salomonischen Dschungel war, schlug das große Wellen auf der Insel, die sogar bis zum Außenministerium reichten. Kurz vor der finalen Expedition zu den Höhlen im tiefen Dschungel im Herzen der Insel wurde Dennis Mattern verhört und musste klarstellen, dass er weder im Auftrag eines Staates arbeitet noch einem Geheimdienst untersteht.

Erst nach dem klärenden Gespräch kam die Freigabe zur Weiterreise für seine Familie. Nun, drei Jahre später stellte ihm dasselbe Ministerium unterstützend ein offizielles Schreiben aus und machte die Teilnahme für den Weltrekordversuch mit Wertung am Folgetag in Duisburg möglich.

Der erste Marathon

Aufgeregt ging es nach all den Höhen und Tiefen der Vorwochen für Dennis gemeinsam mit der internationalen Gruppe am frühen Morgen des 10. Mai auf die Startbahn vor dem Duisburger Fußballstation.

Die Veranstaltung verzeichnete in diesem Jahr mit 9.500 Teilnehmern einen neuen Teilnehmerrekord. Der bekannte Musiker und Extremsportler Joey Kelly gab zunächst ein Interview, dann wurde er zu der Weltrekordgruppe gelotst.

Es fiel der Startschuss und mit einheitlichen Laufshirts ging es gemeinsam unter großem Jubel los. „Es war ein tolles Gefühl, unter diesen Umständen meinen ersten Marathon zu starten“, berichtet Mattern.

Bei gutem Wetter waren die Straßen gefüllt mit Zuschauern. Hier und da heizten Trommler den Teilnehmern musikalisch ein. Innerhalb der internationalen Gruppe war die Stimmung ebenfalls klasse: „Insbesondere die Läuferin mit senegalischen Wurzeln brachte mit ihrer afrikanischen Mentalität immer wieder neues Feuer und Humor rein. Wir hatten eine Menge Spaß.“

Es ging durch Stadtgassen, das Hafenviertel, am Fluss entlang und über Brücken: Der Duisburger Marathon ist bekannt für seine schöne Strecke. Doch bei Kilometer 30 bekam Dennis plötzlich untypische Kniebeschwerden und biss auf die Zähne, denn der Asphalt war härter als die weichen Waldstrecken aus seiner Heimat.

Die Kilometer mit den Knieschmerzen waren eine mentale Herausforderung für ihn. Doch von geschafftem Kilometer zu Kilometer wurde es interessanterweise immer besser und die Euphorie nahm wieder Oberhand. Sein Fuß bereitete ihm keine Probleme mehr. Bei Kilometer 40 sammelten sich alle Läufer noch einmal, denn es war Auflage des Weltrekordinstituts, dass alle 42 Läufer gemeinsam als Gruppe ins Ziel einlaufen mussten.

Für die letzten zwei Kilometer hatte Dennis Mattern sich dazu etwas Besonderes überlegt. Er legte als Verbundenheit zu den Salomonen zwei Muschelketten um, die er von zwei Stammesoberhäuptern im Dschungel geschenkt bekommen hatte. Eine besondere Ehre, denn diese wurden nur von den „Chiefs“ getragen.

Dann kam für ihn der emotionalste Moment der ganzen Strecke: „Der Marathon endet im Duisburger Fußballstadion. Als ich über die Außenecke durch ein Tor unten ins Stadion einlief und die vielen Menschen auf der Tribüne sah, die uns für den Weltrekord anfeuerten, kamen mir vor Freude die Tränen. Ich wusste, dass ich diesen Moment nie vergessen werde!“

Mit einer letzten Runde durch das Stadion liefen sie nach ungefähr viereinhalb Stunden alle gemeinsam ins Ziel. Dort warteten das Fernsehen und die Presse. Alle sammelten sich vor einer großen Bühne auf dem Fußballfeld, denn nun wurde mit Spannung das Ergebnis erwartet.

Eine Frau vom Weltrekordinstitut verkündete offiziell den neuen Weltrekord. Jetzt gab es kein Halten mehr. Großer Jubel, Freudentänze, Fernsehinterviews, ein Spendenscheck in Höhe von 25.000 Euro für Kinder in Not beim RTL-Spendenmarathon und eine echte Weltrekordurkunde machten diesen Tag unvergesslich.

Nun haben Leopoldstal und die lippische Laufszene einen echten Weltrekordhalter in den eigenen Reihen. Nach Bekanntgabe des Weltrekords durch die deutsche Presse und das Fernsehen kamen außerdem Glückwünsche und eine Presseanfrage von den Salomonen. Die Einheimischen sind stolz auf Dennis Mattern, der nun den aktuell einzigen Weltrekord für den kleinen Inselstaat im Pazifik hält.