
Lage. Die Sitzplätze in der Schattenzone des Weinfestes sind voll belegt. Nur ein paar Sonnenanbeter nehmen auch am solaren Spot im Zentrum des Marktplatzes an Bänken Platz, weil unter den Sonnenschirmen alles besetzt ist.
Tatsächlich ist das erste Lagenser Weinfest jetzt schon ein voller Erfolg. Alle Plätze unter den Sonnenschirmen sind belegt. Die Damen fächern sich mit der rechten Hand Frischluft zu, halten mit der linken das Weinglas. Dieses Bild fängt die Webcam überm Marktplatz Freitagabend gegen 18 Uhr ein und zeigt eine üppige Sitzplatzbelegung in der Schattenzone; nur ein paar unbeschirmte Bänke in der Area direkter Sonneneinstrahlung bleiben nahezu frei. Lediglich ein paar unerschrockene Gäste nehmen auch hier Platz, weil in der Schattenzone kein Sitzplatz mehr frei ist.
Vier Weinhändler aus Franken, der Nahe, Rheinhessen und der Mosel bringen edle Tropfen nach Lage. Damit niemand beim Schwenken des Weinglases spontan zur Rosine wird, hat das Stadtmarketing vorgesorgt. Es gibt Sonnenschirme, kostenlose Fächer und sogar kleine Abkühloasen mit Planschbecken. Wer also schon immer mal mit einem Riesling in der Hand die Füße ins Wasser halten wollte – jetzt ist die Gelegenheit.
Außerdem wurden die Öffnungszeiten kurzerhand ein Stück in die Abendstunden verlegt. Denn mittags hätte man den Wein als Glühwein trinken müssen, obwohl Weihnachten noch 182 Tage entfernt ist.
Das Unterhaltungsprogramm wird wie geplant durchgezogen. Nur der Sonntag bleibt jazzfrei. Vermutlich würden sich selbst die Saxophone unter der Hitze verbiegen. Ein »Fis« statt eines »F« würde auch abgebrühten Jazz-Fans zusätzliche Schweißperlen auf die Stirn treiben.
„Die Stadt rät den Veranstaltungsbesuchern, aber auch den »Sehleuten« am Rand, ausreichend zu trinken. Gemeint ist dabei nicht ausschließlich Wein. Wasser in PET-Flaschen ist ausdrücklich erlaubt – ein Satz, den man auf einem Weinfest auch nicht alle Tage liest. Wasser in den Wein zu schütten wirkt unkultiviert, mag aber als Maßnahme gegen einen zu früh einsetzenden Schwips bei tropischen Temperaturen nützlich sein.
Weitere Ratschläge der Stadt: »Kopfbedeckung tragen, Schatten aufsuchen und regelmäßig abkühlen.« Warum dann nicht lieber zu Hause bleiben? – Weil es da noch heißer ist und weil man etwas Cooles verpasst. Wer all das beherzigt, kann mit bestem Gewissen wieder zum Grauburgunder übergehen.
Bürgermeister Matthias Kalkreuter freut sich über unbeschwerte Stunden – die sind für ihn in jüngster Zeit ja eher rar gesät – und viele schöne Begegnungen. Und weil das Thermometer tatsächlich weit über 30 Grad klettert, dürfte zumindest eines sicher sein: Noch nie wurde in Lage so oft auf einen kühlen Weißwein angestoßen – aus rein medizinischen Gründen natürlich.






