Friedrich Luchterhandt (Künstlerischer Betriebsdirektor), Andreas Kuntze (Intendant, von links) präsentieren das Programm der Nordwestdeutschen Philharmonie für die Saison 2026/27. Foto: Nordwestdeutsche Philharmonie

Kreis Lippe/Herford. Mit 125 Konzerten, zwei Uraufführungen, einer ersten Portugal-Tournee und einem starken Fokus auf Musikvermittlung präsentierte die Nordwestdeutsche Philharmonie am 9. Juli ihre Saison 2026/27. Intendant Andreas Kuntze stellte gemeinsam mit Musikvermittler Johannes Hofmann die Planungen für die kommende Spielzeit vor.


Die Konzertsaison wird demnach erneut von einem breit gefächerten Repertoire geprägt sein. Das Herforder Abonnementprogramm bietet weiterhin eine stilistisch große Bandbreite. Zu den besonderen Höhepunkten zählt die Aufführung der „Sinfonie Nr. 1 b-Moll“ von William Walton, die im März 2027 auf Wunsch von Chefdirigent Jonathan Bloxham auf dem Programm steht.

Über den Einfluss des Chefdirigenten auf die Programmgestaltung berichtete Kuntze mit einem Augenzwinkern: „Bloxham wird nichts verordnet, sondern es wird gemeinsam entschieden.“ So gehe auch die Aufnahme von Hector Berlioz’ berühmter „Symphonie fantastique“ auf einen Wunsch des Chefdirigenten zurück. Insgesamt wird Bloxham vier der zehn Abonnementserien der Saison dirigieren.

Bereits im Oktober wartet die erste von zwei Uraufführungen auf das Publikum. Dann erklingt die „Lost Time Symphony“ des italienischen Komponisten Giovanni Allevi erstmals. Eine weitere Uraufführung folgt in der November-Aboserie mit dem neuen Cellokonzert von Nuno Côrte-Real.

Mit diesem Werk wird die Nordwestdeutsche Philharmonie Ende Oktober zudem erstmals eine Tournee nach Portugal unternehmen. Auch überregional bleibt das Orchester präsent. Weitere Gastspiele führen unter anderem in die Kölner Philharmonie, die Tonhalle Düsseldorf sowie an mehrere Spielorte in den Niederlanden, darunter Amsterdam und Haarlem.

Zum Auftakt der Saison wagt sich die Nordwestdeutsche Philharmonie an ein besonderes Projekt. Im Stadttheater Minden wird mit Richard Wagners „Die Meistersinger von Nürnberg“ ab dem 11. September jene Wagner-Oper aufgeführt, die das Orchester bislang noch nicht gespielt hat. „Räumlich eine Herausforderung, aber die atriumartige Situation kennt unser Orchester bestens“, erklärte Kuntze.

Besonderen Wert legt die Nordwestdeutsche Philharmonie weiterhin auf Vielfalt, auch am Dirigentenpult. In der kommenden Saison kehren unter anderem die Dirigentinnen Chloé Dufresne und Izabele Jankauskaitė zurück. Letztere hatte erst im Frühjahr bei einer Konzertserie sowohl beim Publikum als auch innerhalb des Orchesters großen Zuspruch erfahren. Kuntze betonte in diesem Zusammenhang: „Mehr Frauen als Dirigentinnen.“

Ein weiterer Schwerpunkt bleibt die Musikvermittlung. Johannes Hofmann stellte die umfangreichen Angebote für Kinder und Jugendliche vor. „Wir spielen in der Saison 2026/27 insgesamt 24 Konzerte für rund 12.000 Kinder. Hinzu kommen zwölf Konzerte für junge Leute, bei denen wir etwa 5.500 Schülerinnen und Schüler der fünften und sechsten Klassen im Publikum haben werden“, sagte Hofmann.

Als wichtiges Beteiligungsprojekt wird auch „Philharmonic Open“ fortgeführt. Diesmal steht für die Streicher Ludwig van Beethovens „6. Sinfonie“ auf dem Programm. Das Repertoire für die Bläser soll noch bekanntgegeben werden. Rund 200 Teilnehmer werden an mehreren Samstagen gemeinsam mit Musikern des Orchesters proben.

Im Beethoven-Jubiläumsjahr 2027 steht zudem das Pfingst-Festival in Bad Salzuflen unter dem Motto „Begegnung mit Beethoven“. Kuntze unterstrich dabei den grundsätzlichen Auftrag des Orchesters: eine möglichst breite Darstellung des sinfonischen Repertoires. Ergänzt wird die Saison durch Gesprächskonzerte, Kammermusikabende sowie die Reihe „Marta Philharmonisch“.

Im November wird Johannes Klumpp Joseph Haydns „Sinfonie Nr. 94 G-Dur“ nicht nur dirigieren, sondern dem Publikum auch erläutern und mit dem Orchester erarbeiten. Bereits zum Saisonauftakt am 30. September lädt Jonathan Bloxham zu einem besonderen „360-Grad-Klang-Erlebnis“ ein. Dabei nimmt das Publikum mitten im Orchester Platz und erlebt den Klangkörper aus einer völlig neuen Perspektive.

Der Vorverkauf für die Abonnements ist bereits angelaufen. Der Verkauf aller Einzeltickets beginnt nach den Sommerferien am 1. September.