Einblicke in die neue Sonderausstellung im Lippischen Landesmuseum. Fotomontage: Andreas Leber

Detmold. Mammuts in Essen, Dinosaurier in Münster und Meeressäuger in Detmold: Die Paläontologische Landesausstellung NRW macht an drei Standorten die längst vergangenen Lebenswelten des heutigen Nordrhein-Westfalens wieder lebendig. Unter dem gemeinsamen Titel „überLeben“ können Besucher tief in die Erdgeschichte eintauchen und erfahren, wie grundlegend sich Landschaft, Tier- und Pflanzenwelt über Millionen von Jahren verändert haben.


Der Auftakt der Landesausstellung erfolgte im April dieses Jahres. Bis September 2027 werden an den drei Standorten unterschiedliche erdgeschichtliche Epochen beleuchtet. Im Mittelpunkt steht dabei immer wieder das „überLeben“: von Pflanzen und Tieren und später auch des Menschen, vom Erdaltertum bis in die Erdneuzeit.

Das Lippische Landesmuseum widmet sich ab diesem Samstag, 26. September, unter dem Titel „Walheimat Urmeer“ einer Zeit, in der Nordrhein-Westfalen zwar bereits von Wäldern und Flüssen geprägt war, Städte jedoch noch längst nicht existierten. Stattdessen bedeckte ein warmes Flachmeer weite Teile des heutigen Landes. Eine Karte gleich zu Beginn der Ausstellung verdeutlicht, dass auch Detmold damals sehr nah am Meer lag.

Wale, Seekühe und Haie vor der Haustür

In diesem Urmeer lebten Wale, Seekühe, Haie, Fische und zahlreiche wirbellose Tiere. Seegraswiesen bildeten die Nahrungsgrundlage der Seekühe, während Korallen wertvolle Lebensräume schufen. An den Küsten wuchsen Palmen, Lorbeer- und Zimtbäume. Ausgedehnte Sümpfe und dichte subtropische Wälder bestimmten ebenfalls das Landschaftsbild.

Die Ausstellung verbindet Fossilien mit Lebensrekonstruktionen und neuesten wissenschaftlichen Erkenntnissen. Zu sehen sind unter anderem spektakuläre Pflanzenfossilien. Ein besonderes Exponat ist die große Scheibe eines fossilen Baumstammes eines Zypressengewächses. Sie ist rund 14 Millionen Jahre alt. Der vollständig gefundene Stamm erreichte eine Länge von 9,5 Metern, einen Durchmesser von 80 Zentimetern und ein Gewicht von 4,5 Tonnen.

Nach dem Ende der Dinosaurier begann das Zeitalter der Säugetiere. Diese passten sich immer wieder an neue Lebensbedingungen an. Einige von ihnen wagten schließlich einen bemerkenswerten evolutionären Schritt zurück ins Wasser: Aus kleinen, an Land lebenden Huftieren entwickelten sich im Laufe von Millionen Jahren die Wale. Auch Seekühe und Robben fanden ihren Weg zurück ins Meer.

Wie diese Entwicklung ausgesehen haben könnte, veranschaulichen eindrucksvolle Skelettmontagen. In Detmold begegnen Besucher unter anderem dem „Pakicetus“, dem ersten Wal, der in der Region des heutigen nördlichen Pakistans lebte und äußerlich an eine Art Hund erinnerte.

Zwei größere Skelettmontagen schweben unter der Decke des großen Ausstellungsbereiches. Zu sehen sind der „Maiacetus“, ein Wal, der noch an Land gebar, sowie „Dorudon“, der erste vollständig aquatische Wal. Die Funde beziehungsweise Darstellungen führen dabei in die Regionen des heutigen Pakistans und Ägyptens.

Das besondere Highlight wartet jedoch im Zentrum der Ausstellung. Dort wird in einer mehrere Tonnen schweren Vitrine, die dieser Tage angeliefert wurde, der rund 6,5 Meter lange „Kervenheimer Wal“ präsentiert. Er gilt als eines der bedeutendsten Walfossilien Nordrhein-Westfalens.

Das rund zehn Millionen Jahre alte Fossil wurde im September 1987 entdeckt. Besonders bemerkenswert sind die Begleitfunde: Rund um das Skelett wurden etwa 200 Haizähne entdeckt. Bissspuren deuten darauf hin, dass der Wal nach seinem Tod vermutlich zum Teil von Haien gefressen wurde.

Ausstellung für die ganze Familie

„Walheimat Urmeer“ soll jedoch nicht allein eine Schau spektakulärer Fossilien sein. Führungen und ein abwechslungsreiches Begleitprogramm richten sich an die ganze Familie. Ergänzend entsteht derzeit ein umfangreicher Ausstellungskatalog mit zahlreichen Fotos und Grafiken, der sich noch im Druck befindet.

Die Ausstellung will zum Staunen und Entdecken anregen, schlägt zugleich aber den Bogen bis in die Gegenwart. Denn Wale spielen auch heute eine wichtige Rolle. Als Schlüsselarten der Ozeane tragen sie dazu bei, Meeresökosysteme im Gleichgewicht zu halten.