Liane Kreye (Rose), Torge Hoffmann (Richard), Myriam Heidemann (Claire) und Christian Rolfes (Etienne, von links) begeistern im Zusammenspiel und bieten einen perfekten Schlagabtausch um den großen Lottogewinn. Foto: Andreas Leber

Lemgo. Geld macht nicht glücklich, verdirbt den Charakter oder treibt Menschen sogar in den Wahnsinn: Um diese bekannten Thesen kreist die rabenschwarze Komödie „Nein zum Geld!“ der französischen Autorin Flavia Coste.


Bei der Premiere am 10. Oktober im Kulturbahnhof Lemgo präsentierte die freie Theatergruppe „Stattgespräch“ einen ebenso kurzweiligen wie pointierten Theaterabend voller Situationskomik und überraschender Wendungen.

Regisseur Frank Wiemann setzte in seiner Inszenierung auf die Stärke der Konversationskomödie. Ohne den Stoff zu überzeichnen, ließ er dessen groteske Grundidee wirkungsvoll zur Geltung kommen. Treffsichere Dialoge und die sichtbare Spielfreude des Ensembles sorgten dabei immer wieder für Lacher im Publikum.

Im Mittelpunkt steht Richard, der mit einem Lottoschein 162 Millionen Euro gewonnen hat. Doch statt den Jackpot einzulösen, lehnt er das Vermögen aus moralischen Gründen ab. Diese Entscheidung verkündet er bei einem gemeinsamen Essen mit seiner Frau Claire, seiner Mutter Rose und seinem Freund und Chef Etienne.

Er erklärt, Geld mache nicht glücklich und könne Menschen verderben. Deshalb wolle er auf den Gewinn verzichten. Die Situation eskaliert jedoch, als Claire den vermeintlich vernichteten Lottoschein am Kühlschrank entdeckt. Plötzlich fühlen sich alle Beteiligten um ihren Anteil am Millionenvermögen gebracht.

Was als amüsante Diskussion beginnt, entwickelt sich zu einem erbitterten Schlagabtausch aus Empörung, Eigennutz und Heuchelei. Gleichzeitig stellt das Stück die zentrale Frage, wie man selbst auf einen Gewinn in dieser Größenordnung reagieren würde.

Großen Anteil am Gelingen des Abends hatten die Darsteller. Torge Hoffmann verkörperte Richard mit stoischer Konsequenz und hielt unbeirrt an dessen moralischen Überzeugungen fest. Myriam Heidemann verlieh Claire Temperament und Nachdruck, während Liane Kreye als eigenwillig-liebenswerte Mutter Rose überzeugte, die sich aufgrund familiärer Umstände ebenfalls Ansprüche auf das Geld ausrechnet. Für viele komische Momente sorgte zudem Christian Rolfes als hoch verschuldeter Architekt Etienne, der im Lottogewinn die Lösung seiner finanziellen Probleme sieht.

Neben der erfolgreichen Premiere hatte der Abend noch eine besondere Bedeutung: Theaterleiter Frank Wiemann verabschiedete sich nach mehr als 30 Jahren an der „Stattgespräch“-Spitze und insgesamt rund 40 Jahren Theaterarbeit vom Publikum. Viele Besucher verbanden ihren minutenlangen Beifall mit der Hoffnung, dass sich eine Nachfolge für das Theaterprojekt findet und die erfolgreiche ehrenamtliche Arbeit fortgesetzt werden kann.