
Lage-Waddenhausen. Mehr als 80 Menschen entledigen sich am Baggerloch an der Sylbacher Straße ihrer Kleidung, und das bei Temperaturen rund um den Gefrierpunkt. Sie alle fiebern daraufhin, in das Wasser zu steigen: kaum 0,4 Grad kalt und von einer dünnen Eisschicht überzogen.
Dort sind drei Mitglieder der Tauchergruppe der Lemgoer Feuerwehr noch damit beschäftigt, die Badestelle vom Eis zu befreien. Bis zu zehn Zentimeter dicke Schollen schieben sie zur Seite. Stück für Stück entsteht so eine rund 50 Quadratmeter große freie Fläche, gerade groß genug, damit die Mutigen später nur so weit ins Wasser gehen, wie sie noch stehen können. Am steilen Ufer drängen sich währenddessen noch einmal doppelt so viele Zuschauer, eingehüllt in warme Jacken und Mützen, um dem frostigen Spektakel beizuwohnen.
Eingeladen zur vierten Lippischen Kaltbade-Challenge hatte die Lippische Kaltbadevereinigung, ein loser Zusammenschluss von Menschen, denen es offensichtlich nicht kalt genug sein kann, um ins Wasser zu steigen. Diesmal waren wieder viele Neulinge dabei, die mit ins kalte Wasser steigen wollten.
Die Möglichkeit, dies an dieser Stelle zu tun, hatte Eigentümer Moritz von Eckardstein gegeben. Mit Hilfe der Lemgoer Taucher wurde das Eis auf dem Wasser zuvor aufgeschlagen. Am Rande stand der Wärmebus der Malteser, für den auch gespendet werden konnte.
Dann, Punkt 11 Uhr, ruft Arne Heger zum Start. Als er fragt, wer alles neu dabei sei, gehen zahlreiche Arme hoch. Heger steht mitten im Wasser, filmt und fordert die Badenden zu Jubelstürmen auf. Die Ersten vorneweg bleiben länger als zwölf Minuten im Wasser. Ihre Körper sind feuerrot.
Die meisten Neulinge verlassen das Wasser allerdings schon nach wenigen Augenblicken. „Es brennt und prickelt überall auf der Haut“, sagt eine der Teilnehmerinnen. Das Kalt- beziehungsweise Eisbaden ist in den vergangenen Jahren deutschlandweit zu einem regelrechten Trend geworden.
Mit Wigald Boning hat er einen prominenten Vertreter, der fast täglich seine Badestellen im Netz zeigt. Vermutlich von der Küste kommend, wo das Neujahrsanschwimmen Tradition ist, hat es sich langsam über ganz Deutschland verbreitet. Die, die es mitmachen, sind begeistert und schwören, dass es gut für die Gesundheit sei.
Die Kaltbadevereinigung in Lippe trifft sich jeden Sonntag um 9 Uhr an vier Stellen in Lippe. In Bad Salzuflen an der Bega und der Werre sind es laut Arne Heger etwa 20 Personen, in Lemgo an der Bega und am Knoblauchbach in Detmold je rund zehn Personen. „In unserer WhatsApp-Gruppe sind viele Kaltschwimmer im Kontakt“, so der ehemalige Moderator von Radio Lippe. Weitere Infos zum Verein gibt es auf Facebook und Instagram.
Am Sonntag konnten die Schwimmer das Lippische Eisbären-Abzeichen in Silber erwerben, im kommenden Jahr winkt das in Gold. Und weil Katschwimmer nicht nur stets etwas an den Füßen haben müssen, sondern auch eine warme Mütze tragen, gab es selbstredend viele selbstgestrickte Kopfbedeckungen zu bestaunen.




