
Lemgo. Ein Konzert ohne große Erwartungen zu besuchen, kann zum Wagnis werden. In Lemgo jedoch wurde dieses musikalische „Blind Date“ zu einem vollen Erfolg.
Rund 2.100 begeisterte Zuschauer füllten die Phoenix-Contact-Arena und ließen sich von „The Dark Tenor“ auf eine ebenso emotionale wie mitreißende Reise zwischen Klassik, Rock und Pop entführen. Viele Besucher nahmen für diesen besonderen Abend sogar eine weite Anreise nach Lippe in Kauf.
Hinter dem Künstlernamen „The Dark Tenor“ steht der Musiker Billy Andrews, der in Graz geboren wurde. Als ausgewiesener „Rock meets Klassik“-Künstler präsentierte er in Lemgo erstmals seine neue Show mit frischen und innovativen Konzepten auf der großen Bühne der Arena. Der Auftritt war Teil seiner „Symphonic Evolution Tour“, die insgesamt 25 Konzerte umfasst und in Lemgo ihren achten Stopp einlegte.
Bereits der erste Teil des mehr als zweistündigen Abends machte deutlich, wofür Billy Andrews steht. Seine tiefe Verbundenheit zur klassischen Musik zog sich wie ein roter Faden durch das Programm. In seiner Jugend sang er im Dresdner Kreuzchor und erlernte über rund 14 Jahre bei seiner Mutter das Geigenspiel.
Passend dazu rief er nach dem Intro selbstbewusst ins Publikum: „Klassik ist geil.“ Worte, die er musikalisch eindrucksvoll untermauerte: Werke von Mozart, Beethoven und Puccini erklangen in modernen, kraftvollen Klanggewändern und sorgten für große Begeisterung im Saal.
Doch auch Fans moderner Musik kamen voll auf ihre Kosten. Bei neu interpretierten Hits wie „Dance With Somebody“, „…Baby One More Time“, „Live Forever“ oder „You Raise Me Up“ hielten es viele Zuschauer nicht auf ihren Sitzen. Unterstützt wurde Andrews von einer energiegeladenen Band mit Schlagzeug, zwei Gitarristen und Keyboard.
Für einen besonderen akustischen Moment sorgte ein außergewöhnliches Instrument: Andrews hat aus Maisstärke ein 3D-gedrucktes Cello entwickelt. Dessen warmer, klassischer Klang kam besonders bei der Einleitung des Songs „Indestructible“, angelehnt an eine Suite von Bach, eindrucksvoll zur Geltung.
Auch visuell setzte die Show Akzente. Bühne und Innenraum wurden immer wieder in buntes Licht getaucht, während die Bühnenkulisse insgesamt in einem kontrastreichen Schwarz-Weiß-Mix gehalten war. Moderne Beats verstärkten die Dynamik des Abends und ließen die Vorfreude auf jeden weiteren Titel wachsen.
Immer wieder suchte Billy Andrews den direkten Kontakt zum Publikum. Mit Gesten, starker Bühnenpräsenz und seiner ausdrucksstarken Stimme transportierte er spürbare Emotionen. Beim Song „Invincible“ warf er große weiße Ballons in den Innenraum und sorgte damit für einen zusätzlichen emotionalen Höhepunkt.
Musikalisch streute er raffinierte klassische Zitate ein: Anklänge an Camille Saint-Saëns’ „Karneval der Tiere“ waren in „Closer to the Edge“ zu hören, während Mozarts „Alla Turca“ den Song „Hit to the Body“ einleitete.
Den unbestrittenen Höhepunkt des Abends bildete aber der Auftritt von Patricia Kelly. Die Sängerin der bekannten Kelly Family ist lediglich bei zwei Konzerten der Tour als Special Guest dabei, umso größer war die Freude in Lemgo. Mit dem Song „An Angel“ erinnerte sie an das legendäre Album „Over the Hump“.
Gemeinsam mit Andrews sang sie zudem „Angels“ und erhielt dafür langen und kräftigen Applaus. Die stimmlichen Qualitäten beider Künstler ergänzten sich kraftvoll und emotional. Bereits beim Soloauftritt von Patricia Kelly zeigten sich viele Zuschauer tief gerührt, im Publikum leuchteten zahlreiche Handylichter.
Mehr als 100.000 Menschen haben die Konzerte von „The Dark Tenor“ bereits erlebt, und auch in Lemgo sprang die Begeisterung schnell über. Nach drei Zugaben, darunter „Heideröslein“, verabschiedete sich der Künstler schließlich von seinem Publikum.
Den Abschluss bildete der Song „Ode“, den die Zuschauer textsicher und geschlossen mitsangen. Wer diesen Abend verpasst hat, kann sich bereits jetzt freuen: Am 8. April 2027 kehrt „The Dark Tenor“ um 20 Uhr mit neuer Tour und neuen Songs in die Phoenix-Contact-Arena zurück.




