
Lage. Die Kuh ist vom Eis, aber sie schwingt ihre Hufe nun auf morastigem Boden: kein fester, solider Untergrund. Mit Verbindlichkeiten in Höhe von mehr als 200 Millionen Euro und einem Haushaltsloch (Jahresfehlbetrag) von 11 Millionen € gehört die Zuckerstadt zu den Städten und Gemeinden, die zu den höchstverschuldeten Kommunen der Region OWL zählen.
Damit ist Lage in die gefürchtete »Haushaltssicherung« gerutscht. Jeder Ausgaben-Euro muss mehrmals hin und her gewendet werden, bevor die Stadt ihn guten Gewissens ausgeben kann. »Die Haushaltssicherung ist kein normaler Zustand«, sagte CDU-Fraktionschef Frederik Topp. »Sie ist Ausdruck einer Entwicklung, die wir nicht schönreden dürfen. Sie bedeutet, dass unsere finanziellen Spielräume massiv eingeschränkt sind. Sie bedeutet, dass wir uns vieles nicht mehr leisten können, was vielleicht wünschenswert wäre.«
Die Stadt muss zwischen »must have« und »nice to have« streng unterscheiden. Tolle visionäre Zukunftsprojekte lassen sich vorerst nicht realisieren, gespart werden muss – an allen Ecken und Kanten. Deshalb war zu befürchten, dass der Rasenmäher aus der Garage geholt wird und die Blumen auf der kulturellen und sozialen Wiese rücksichtslos köpft, um den Rasen flach zu halten. Das ist aber nicht passiert.
»Ich bin froh, dass der Sektor Kultur verschont geblieben ist«, resümiert Michael Biermann von den Grünen im Gespräch mit der LWZ. Der im Haushalt 2026 zum Ausdruck kommende »Bestandschutz« signalisiere die Wertschätzung, die zum Beispiel der Stadtbücherei und Musikschule entgegengebracht werde. Als Vorsitzender des Fördervereins Stadtbücherei musste er Einschläge befürchten, die aber ausgeblieben sind.
Nicht zufrieden zeigte sich die AfD mit dem Zahlenwerk aus dem Hause Aust. Nach ihrem Geschmack stecken darin immer noch zu viel Verschwendung und Ausgaben, die Lage sich nicht leisten könne. Sauer stößt den Alternativen auch die Finanzierung über Steuererhöhungen auf. Wer dauerhaft über seine Verhältnisse lebt, fahre am Ende seine Wirtschaft komplett vor die Wand.
FDP und die Linke mochten sich aus unterschiedlichen Gründen nicht für und auch nicht gegen den vorgelegten Haushaltsplan von Uwe Aust entscheiden. Doch ihre Stimmen fallen kaum ins Gewicht: Mit den Stimmen von »Aufbruch C«, CDU, Grünen und SPD wird der Haushalt auf breiter Front getragen. Für Bürgermeister Matthias Kalkreuter endet damit eine lange Zitterpartie glücklich: Denn der Haushalt 2026 hätte schon zum Ende des vergangenen Jahres sicher eingetütet werden sollen. Nicht auszuschließen, dass sich die Hängepartie für den Haushalt 2027 wiederholt.




