
Horn-Bad Meinberg/Leopoldstal/Duisburg. Einmal im Leben einen Marathon laufen, das ist für viele Menschen ein Lebensziel. „Lauftreff“-Leiter und LWZ-Reporter Dennis Mattern aus Leopoldstal hat sich dieses Ziel Anfang Mai beim 43. Rhein-Ruhr-Marathon in Duisburg gesetzt, um dabei gleichzeitig für einen Weltrekordversuch mit Musiker Joey Kelly anzutreten. Eine außergewöhnliche Geschichte mit Höhen und Tiefen.
Alles begann mit einer Werbeanzeige Anfang April auf Facebook. Dennis Mattern verwaltete gerade die „Lauftreff“-Aktivitäten, als ihm der Algorithmus eine Werbeanzeige des Duisburger Marathon-Sponsors „Schauinsland-Reisen“ anbot. Darin wurden Bewerber für einen Weltrekordversuch mit Musiker Joey Kelly gesucht. Insgesamt sollten dafür 42 Marathon-Läufer aus 42 Nationen gemeinsam durchs Ziel laufen und damit so viele Nationen wie bei keiner Laufveranstaltung jemals zuvor.
Mattern war noch nie zuvor einen Marathon gelaufen und bereitete sich gerade auf seinen vierten Hermannslauf vor, dessen 31,1 Kilometer bisher seine längste Distanz gewesen waren. Doch der erste Marathon reizte ihn und so füllte er das Bewerbungsformular aus. „Ich malte mir ehrlich gesagt keine großen Chancen aus. Wer weiß, wie viele Bewerbungen darauf deutschlandweit eingingen“, erklärt Mattern.
Die erforderlichen Referenzen gab er mit der Organisation des jährlich stattfindenden Velmerstot-Volkslaufs und LippeTrails sowie als Gründungsmitglied von „LaufLandLippe“ an. Als im Bewerbungsformular einerseits nach der Nationalität und andererseits nach dem Land, welches man gerne repräsentieren möchte, gefragt wurde, entschied sich Dennis, für die Salomonen antreten zu wollen.
2023 war er mit seiner Familie für eine längere Zeit zu dem kleinen Inselstaat im Pazifikgürtel gereist, worüber der Dokumentarfilm „Der Ruf – Eine Reise ins Land der Riesen“ berichtet. Die Herzensverbindung zu den Einheimischen auf der Hauptinsel Guadalcanal ist bis heute geblieben und aktuell wird dort ein Museumsprojekt vom Leopoldstaler Verein Wandelnde Gedichte n.e.V. finanziell unterstützt.
Auch diese Referenzen für das zu repräsentierende Land wurden von Dennis Mattern angegeben – dann schickte er die Bewerbung ab. Doch würde er ohne salomonische Staatsbürgerschaft überhaupt offiziell vom Weltrekordinstitut zugelassen und gewertet werden dürfen? „Wo ein Wille ist, da ist auch ein Weg“, sagte er sich und setzte im Anschluss ein Schreiben mit einer Anfrage für eine gesponserte Staatsbürgerschaft an das Konsulat in der Hauptstadt Honiara auf. Ausgang zu diesem Zeitpunkt: ungewiss.
Höhen und Tiefen – der Weg zum Weltrekord
Circa zwei Wochen nach der Bewerbung kam die frohe Botschaft des Hauptsponsors: „Ihre Bewerbung für den Weltrekordversuch wurde positiv bewertet. Bitte reichen Sie uns noch einen Nachweis für Ihre Staatsbürgerschaft ein. Wir werden im Anschluss alles an den Veranstalter weiterleiten.“ Mattern reichte seinen Reisepass ein und bekam eine positive Rückmeldung. Er kontaktierte daraufhin seinen ehemaligen Gastgeber Alistair Pae auf den Salomonen und berichtete von der Aktion für dessen Land. Dieser war sofort begeistert, dass sein kleines Heimatland mit aktuell 750.000 Einwohnern an einem offiziellen Weltrekordversuch teilnehmen würde.
Mit der Zusage waren es für Mattern noch drei Wochen bis zu seinem ersten Marathon und bislang war er durch die jährliche Laufvorbereitung von „LaufLandLippe“ im Frühjahr gerade mal für einen Halbmarathon trainiert. Es blieb also nicht mehr viel Zeit für die bisher längste Strecke seines Lebens. Noch am selben Tag der Zusage schlüpfte er motiviert in seine Laufschuhe und dann passierte es: Er verstauchte sich bei einem Sturz im Wald das Fußgelenk. „Da ging nichts mehr. Mein erster Gedanke war dazu: „Das war’s dann wohl mit dem Weltrekordversuch.“ Am folgenden Tag humpelte er niedergeschlagen zur Arbeit.
Dann kam Post von den Salomonen. Sein Gastgeber hatte die frohe Botschaft kundgetan und diese verbreitete sich nun wie ein Lauffeuer auf der Hauptinsel. Die Menschen waren sichtlich stolz und ließen über Alistair Pae Fotos und Botschaften voller Dankbarkeit, Freude und Zuspruch ausrichten. Auch aus dem „Lauftreff“ kamen einige Empfehlungen für eine schnelle Genesung.
Das motivierte Mattern wieder und nach einer schonenden Woche mit viel Pferdesalbe und Arnica wagte er zwei Wochen vor dem Marathon wieder eine Runde über zehn Kilometer. Obwohl sich der Fuß noch meldete, wurde es insgesamt besser und er nahm das Training langsam wieder auf.
„Es wird schon irgendwie klappen, so eine Chance bekomme ich kein zweites Mal.“, richtete er sich neu aus. Wieder positiv gestimmt schaute Mattern nach vorne auf sein Ziel. Doch dann kam die nächste Herausforderung auf ihn zu. Nach der Zusage vom Hauptsponsor machte nun der Veranstalter in einer E-Mail klar: „Der Reisepass mit einem längeren Aufenthalt in einem Land reicht nicht aus. Ohne Staatsbürgerschaft keine offizielle Wertung. Das Weltrekordinstitut ist da sehr streng.“ Dennis Mattern hatte zu diesem Zeitpunkt keine salomonische Staatsbürgerschaft und nun war der Reisepass nicht ausreichend. Er bekam drei Tage Zeit, die Staatsbürgerschaft nachzuweisen, andernfalls würde er nicht teilnehmen dürfen.



