
Kreis Lippe/Houston. „Klein, aber oho“, das könnte das Motto des WM-Debütanten Curaçao sein. Mit circa 160.000 Einwohnern und einer Fläche von 444 Quadratkilometern ist die nördlich von Venezuela liegende Insel das kleinste Land, das jemals die Qualifikation für eine Weltmeisterschaft geschafft hat, und das überzeugend.
Ohne eine einzige Niederlage in der WM-Quali von Nord-, Zentralamerika und der Karibik setzte sich Curaçao durch und landete in der entscheidenden Phase, unter anderem durch ein 0:0 in Kingston (Jamaika) am letzten Spieltag der Concacaf-Qualifikation (der Qualifikation der Nord-, zentralamerikanischen und karibischen Fußball-Konföderation), einen Punkt vor Jamaika.
Während der Qualifikation erzielten sie in zehn Spielen 28 Tore und mussten lediglich drei Gegentore hinnehmen. Damit durfte sich die Mannschaft über die beste Bilanz aller Concacaf-Teams freuen. Mit dieser Leistung sicherte sich Curaçao den ersten Einzug in eine WM-Endrunde in der Geschichte.
2014 nahm die Insel zum ersten Mal an einer Qualifikation für eine WM teil und machte sich, auch aufgrund vieler niederländischer Spieler mit Wurzeln in der Karibik, schnell einen Namen. In der WM-Qualifikation 2015 gelang ihnen gegen Montserrat nach Hin- und Rückspiel ihr erster Erfolg. 2019 spielte Curaçao zudem ihren ersten Gold Cup, bei dem sie sogar ins Viertelfinale einzogen. 2022 verpassten sie nur knapp die WM-Endrunde in Katar, als sie sich in der vorletzten Qualifikationsrunde nach zwei Spielen Panama mit 1:2 geschlagen geben mussten.
Ihren bisher größten Erfolg feierte die Nationalmannschaft von Curaçao mit dem Gewinn der Karibikmeisterschaft im Jahr 2017. Nun will sie sich auf der ganz großen Bühne beweisen. Jemand, der international bereits viel Erfahrung sammeln konnte, ist Curaçaos Nationaltrainer Dick Advocaat.
Der Niederländer coachte nicht nur Bundesligist Borussia Mönchengladbach in der Saison 2004/2005, sondern brachte auch die Nationalmannschaft der Niederlande ins Viertelfinale der WM 1994 und trainierte zudem unter anderem die Nationalteams der Republik Korea und Belgiens. Aus persönlichen Gründen gab der 78-Jährige sein Traineramt im Februar 2026 ab. Landsmann Fred Rutten trat jedoch nach nur zwei Spielen wieder ab, woraufhin Advocaat einen Monat vor der WM wieder in den Trainerstuhl zurückkehrte.
Im Zuge des eher defensiv ausgelegten Spielstils sowie des temporeichen Konterspiels liegen die Hoffnungen von Advocaat und den Bewohnern der Insel vor allem auch auf Sheffield Uniteds Offensivmann Tahith Chong (Marktwert: 4,5 Millionen Euro), der zugleich der einzige auf Curaçao geborene Spieler im WM-Kader ist, sowie auf Verteidiger Armando Obispo von der PSV Eindhoven (4 Millionen Euro). Neben Chong, der 2020/21 13-mal für Werder Bremen auflief und das DFB-Pokal-Halbfinale erreichte, ist auch Jürgen Locadia (ehemals TSG Hoffenheim und VfL Bochum) aus der Bundesliga bekannt.
Am ersten Spieltag der WM kommt es nun in Houston (Texas) zum allerersten Aufeinandertreffen der Nationalmannschaften von Curaçao und Deutschland. Zu verfolgen ist diese Premiere am 14. Juni um 19 Uhr in der ARD sowie auf Magenta TV.
WM-Fakten Curaçao
- Trainer: Dick Adovocaat
- Bisherige WM-Teilnahmen: 0
- Weltmeistertitel: 0
- Weltranglistenplatz: 82
- Marktwert: 27,78 Millionen
- Durchschnittsalter: 28,0 Jahre




