
Detmold. Mehrere vermummte Personen, die augenscheinlich der Identitären Bewegung angehören, verschafften sich am Sonntag, 21. Juni, gegen 11 Uhr unbefugt Zutritt zum Hermannsdenkmal. Sie bestiegen das Denkmal, zündeten Pyrotechnik und rollten Banner vom Balkon des Hermann aus. Anschließend flüchtete die Personengruppe – bis auf einen Mann von ihnen, der oberhalb des Balkons auf das Denkmal kletterte und sich dabei mittels Seilen sicherte. Dort verblieb er über mehrere Stunden und zeigte sich den Einsatzkräften der Polizei gegenüber unkooperativ. Für Außenstehende bestand zu keinem Zeitpunkt eine Gefahr. Auch Unterstützungskräfte von anderen Polizeibehörden waren im Einsatz. Gegen 17 Uhr stieg der Mann selbstständig vom Denkmal herab. Es handelte sich nach ersten Erkenntnissen um einen 21-Jährigen aus der Schweiz. Polizeibeamte brachten ihn zur Detmolder Wache. Nach den polizeilichen Maßnahmen wird er wieder entlassen.
Welche Straftatbestände dem 21-Jährigen im Einzelnen vorgeworfen werden – unter anderem Hausfriedensbruch, Verdacht der Volksverhetzung und Abbrennen von illegaler Pyrotechnik – wird geprüft. Die weiteren Ermittlungen der Kriminalpolizei dauern an. Aufgrund eines politischen Hintergrundes der Aktion werden diese vom Staatschutz der Polizei Bielefeld übernommen. Zeugen, die insbesondere Video- oder Bildaufnahmen der Aktion gemacht haben, werden gebeten, sich bei der Polizei zu melden und ihr Material zur Verfügung zu stellen.
Erläuterung:
Die Identitäre Bewegung ist eine rechtsextreme politische Bewegung, die Anfang der 2010er Jahre in Europa entstand. Sie präsentiert sich häufig als junge, aktivistische Gruppierung und setzt auf medienwirksame Aktionen, Banner-Proteste, Besetzungen oder Social-Media-Kampagnen.
Zentrale Positionen der Bewegung sind:
- die Vorstellung, verschiedene Kulturen und Ethnien sollten getrennt voneinander leben („Ethnopluralismus“);
- Ablehnung von Einwanderung, insbesondere aus muslimisch geprägten Ländern;
- Warnung vor einem angeblichen „Bevölkerungsaustausch“ („Great Replacement“), einer Verschwörungserzählung, die von Experten als unbelegt und irreführend eingestuft wird;
- Betonung einer ethnisch und kulturell definierten nationalen Identität.




