Kantorin Leonie Deutschmann und Künstler Wolfgang H. Schmutz inmitten seiner Bilder. Foto: Lippische Landeskirche

Kreis Lippe/Detmold. Orgelmusik, Heimatgeschichte und Geselligkeit: Beim Finale des 18. Lippischen Orgelsommers in der Erlöserkirche am Markt kamen all diese Facetten noch einmal zusammen. Rund 250 Besucher ließen sich auf eine musikalische Reise durch mehrere Jahrhunderte mitnehmen.


Friedrich Brakemeier, Beauftragter für den Orgelsommer beim Lippischen Heimatbund, zog eine positive Bilanz der diesjährigen Veranstaltungsreihe.

Rund 1500 Menschen besuchten die sieben Stationen des Orgelsommers. „Ich bin dankbar, dass die Veranstaltung nach 21 Jahren immer noch auf großes Interesse stößt und Menschen für die Orgel begeistert“, sagte Brakemeier.

So bunt wie in diesem Jahr war der Orgelsommer noch nie. Zu den bewährten „Ks“ – Kirche, Kaffee, Kuchen und Konzert – gesellte sich die „Kunst“. Zehn Gemälde des Detmolder Künstlers Wolfgang H. Schmutz schmückten den Altarraum. Passend zur Musik wurden die Bilder auf eine Leinwand projiziert und traten in einen Dialog mit den Klängen der historischen Oestreich-Orgel von 1793.

Schmutz beschäftigt sich seit 2008 intensiv mit der Malerei und lässt sich vom Licht und den Landschaften Norwegens inspirieren, wo er mehrere Jahre lebte. Die ausgestellten Werke stammten aus seinen Zyklen „møte“ – „Begegnung“ – und „Mythos“.

Die Besucher erfuhren auch einiges über die Erlöserkirche. Sie trug früher den Namen Vituskirche und war dem heiligen Veit geweiht. Ihre Geschichte reicht wahrscheinlich bis um das Jahr 800 zurück. 1605 wurde hier erstmals das reformierte Abendmahl gefeiert. Die spätgotische Hallenkirche entstand nach der Reformation.

Bereits 1555 erhielt sie eine Orgel, 1651 wurde das Instrument durch ein größeres ersetzt. Von dieser Orgel sind noch vier Register in der heutigen großen Orgel erhalten, die 1793 von Johann Markus Oestreich gebaut wurde. Auf drei Manualen und Pedal verfügt es über 40 Register mit rund 2500 Pfeifen. Kantorin Leonie Deutschmann erläuterte die Geschichte des Instruments, bevor sie dessen klangliche Möglichkeiten nach dem Kaffeetrinken in einem abwechslungsreichen Konzert zeigte.

Den Auftakt bildete Johann Sebastian Bachs Passacaglia c-Moll BWV 582, die um 1708 entstand. Aus einem markanten achttaktigen Ostinato entwickelte sich in 20 Variationen ein hochvirtuoses und zugleich streng konstruiertes Meisterwerk. Fundamentale Basstöne und immer komplexer werdende Stimmen ließen die historische Orgel in ihrer ganzen Klangfülle erleben.

Einen starken Kontrast setzte anschließend „Spiegel im Spiegel“ des estnischen Komponisten Arvo Pärt. Das ursprünglich 1978 für Klavier und Violine entstandene Werk entfaltete in der Orgelbearbeitung eine geradezu meditative Wirkung. Zum Wolkenbild „sphärische Spiegelungen“ von Wolfgang H. Schmutz erklangen ruhig pulsierende Dreiklänge, über denen eine weit gespannte Melodie zu schweben schien.

Mit „Upon La Mi Re“ des englischen Komponisten Thomas Preston aus dem 16. Jahrhundert führte Deutschmann in eine andere Klangwelt. Ein tänzerisches Ostinato verlieh dem Stück Leichtigkeit und ließ seine mittelalterlichen Wurzeln lebendig werden.

In strahlender Klangpracht erklang die Choralbearbeitung „Wenn dich Unglück tut greifen an“ von Bach. Hier konnte Deutschmann die Farbigkeit und klangliche Tiefe der Orgel eindrucksvoll ausspielen.

Mit der Pastorale E-Dur op. 19 von César Franck wandte sich das Programm anschließend der französischen Orgelromantik zu. Die weit ausgreifenden Klangflächen und die opulente Registrierung ließen eine romantische Klangästhetik entstehen. Daran schloss sich „Rorate Caeli, Attende Domine“ von Jeanne Demessieux an. Die bedeutende französische Organistin des 20. Jahrhunderts verband gregorianisch anmutende Melodien mit einer farbenreichen Harmonik.

Für einen heiteren Schluss sorgte eine belarussische Hochzeitspolka, die Deutschmann für die Orgel bearbeitet hatte. Tänzerische Rhythmen und imitierter Vogelgesang brachten eine folkloristische Facette des Instruments zum Vorschein.