
Detmold. Sie kommen aus dem Ausland nach Lippe, um dort einen Beruf zu erlernen, in dem dringend Nachwuchs gebraucht wird: Mehr als 170 junge internationale Pflegeschüler befinden sich bereits in Detmold in der Ausbildung, jedes Jahr kommen mehr als 60 weitere hinzu.
Damit sie in ihrer neuen Heimat nicht nur beruflich, sondern auch gesellschaftlich gut ankommen, startet die Bürgerstiftung Detmold gemeinsam mit zahlreichen Partnern das Projekt „Pflege-WillkommensPaten“. Wer sich ehrenamtlich engagieren möchte, kann sich bei einem großen Informationsabend am Dienstag, 29. September, um 18 Uhr über das Projekt informieren.
Der Pflegeberuf besitzt für die Gesellschaft einen hohen Stellenwert, gleichzeitig ist der Bedarf an Nachwuchskräften groß. Viele Ausbildungsplätze können heute nur besetzt werden, weil junge Menschen aus dem Ausland nach Deutschland kommen und dort eine Ausbildung zur Pflegefachkraft oder Pflegeassistenz beginnen. Mehr als 170 von ihnen absolvieren ihre Ausbildung bereits in Detmold, jährlich starten mehr als 60 weitere. Viele kommen allein aus diesem Grund nach Detmold und Lippe.
Die jungen Menschen verfügen über einen Ausbildungsplatz und eine Aufenthaltserlaubnis und wollen arbeiten. Dafür lassen sie ihre Heimat teilweise Tausende Kilometer hinter sich. Die neuen „Pflege-WillkommensPaten“ sollen dazu beitragen, dass sie sich von Anfang an willkommen und wohlfühlen und sich in ihrer zunächst fremden Umgebung zurechtfinden.
„Die Ausbildungsbetriebe brauchen Unterstützung, damit es uns gemeinsam gelingt, dass diese jungen Menschen sich hier zurechtfinden, Netzwerke aufbauen, sich wohlfühlen – und auch nach ihrer Ausbildung gerne in Detmold und Lippe bleiben“, sagt Andreas Zeisberg, Pflegedirektor des Klinikums Lippe. Das Krankenhaus lebe von der Vielfalt seiner Mitarbeitenden, das interkulturelle Miteinander stärke das Unternehmen: „Wir brauchen diese jungen Menschen und können sehr froh sein, dass sie sich für Detmold, Lemgo und ganz Lippe entscheiden.“
Bei einem Treffen zum Thema sei deutlich geworden, dass die anwesenden Pflegeeinrichtungen diese Einschätzung teilen.
Mehr als ein Ausbildungsplatz
Denn ein Ausbildungsplatz und ein Zimmer allein machen noch kein Zuhause. Nach Auffassung der Initiatoren ist deshalb auch die Gesellschaft gefragt.
„Wer neu in Deutschland ist, muss eine fremde Sprache meistern, Behördengänge erledigen, und sich in einer zunächst ungewohnten Kultur zurechtfinden“, erklärt Uwe Finnern, Geschäftsführer der Bürgerstiftung Detmold. Nach Schule und Arbeit fehle häufig etwas, das für andere selbstverständlich sei: „ein persönliches Netzwerk aus Menschen, die man einfach einmal fragen kann, mit denen man Deutsch spricht und die sagen: Willkommen in Detmold, willkommen in Lippe!“ Daraus könne etwas sehr Wertvolles entstehen.
Genau an diesem Punkt setzt das neue Patenprojekt an. Zwölf Ehrenamtliche haben sich bereits nach dem ersten Treffen dazu entschlossen, „Pflege-WillkommensPate“ zu werden. Aufmerksam geworden waren sie über die Detmolder Ehrenamtsplattform www.ehrenstark.de und meldeten sich anschließend bei der Bürgerstiftung.
Nun werden weitere Menschen jeden Alters aus Lippe gesucht, die jeweils einen jungen Menschen ein Stück auf seinem Weg begleiten möchten. Besondere Kenntnisse seien dafür nicht erforderlich.
Auch Levi von Hagen engagiert sich als junger Mensch ehrenamtlich bei der Organisation des Projekts. Er war selbst im Ausland und erfuhr dort viel Unterstützung. Deshalb könne er den Wert einer solchen Begleitung gut einschätzen.
Beim ersten Projekttreffen machte er zugleich deutlich, warum sich das Projekt keineswegs nur an jüngere Ehrenamtliche richtet: „Gerade auch ältere Menschen können mit ihrer Lebenserfahrung sehr wertvolle Begleiter sein, auch weil die Begleitung eines jungen Menschen durch einen älteren Menschen in anderen Kulturen oft als Ehre angesehen wird.“
Großes Netzwerk unterstützt Paten
Unterstützung sollen auch die ehrenamtlichen Paten selbst erhalten. „Die Willkommens-Paten werden wir alle ganz anders unterstützen können als in vergangenen Flucht-Situationen“, erläutert Laura Estevo von der Koordinierungsstelle Integration der Stadt Detmold. Die jungen Pflegeschüler kämen planvoll, mit Job und Aufenthaltsstatus: „Hierauf können wir uns alle ganz anders vorbereiten.“
Für das Projekt hat die Bürgerstiftung nach eigenen Angaben ein großes Unterstützungsnetzwerk gewinnen können. Gemeinsam bereiten die Beteiligten nun den Informationsabend am 29. September um 18 Uhr am Braunenbrucher Weg 18 in Detmold, in den Räumen des Netzwerkes Lippe, vor. Direkt vor dem Gebäude stehen viele Parkmöglichkeiten zur Verfügung, eine Bürgerstiftungs-Flag weist den Weg.
Der Abend soll Interessierten zunächst einen Überblick über den Bedarf und die Gesamtsituation geben. Impulsvorträge beschäftigen sich anschließend mit interkulturellen Begegnungen, „Sprache und Verständigung“ sowie der Frage, welche Hilfestellungen bei Behördengängen und den kleinen Herausforderungen des Alltags sinnvoll sind.
Zu Wort kommen außerdem Pflegebetriebe sowie Menschen, die sich bereits für die ehrenamtliche Aufgabe entschieden haben. Vorgestellt werden darüber hinaus Ansprechpartner, die den Ehrenamtlichen bei Fragen zu einer möglichen späteren Tätigkeit als „Pflege-WillkommensPaten“ zur Seite stehen.
Nach der Veranstaltung kann jeder Besucher für sich entscheiden, ob er sich vorstellen kann, eine solche Patenschaft zu übernehmen. Wer sich dafür entscheidet, kann kurzfristig beginnen. Offene Fragen lassen sich zudem in persönlichen Gesprächen während der folgenden Tage klären, bevor eine endgültige Entscheidung getroffen wird.
Auch darüber hinaus laufen bereits Planungen. Vorgesehen sind weitergehende Unterstützungsabende, spätere Austausch-Treffen der Paten und zusätzliche Angebote für die internationalen Pflegeschüler. Die Bürgerstiftung ist überzeugt, dass das Projekt damit auch die Gemeinschaft und das „Füreinander in Lippe“ stärkt.
Ein 89-Jähriger gab den Anstoß
Der Impuls für die „Pflege-WillkommensPaten“ stammt von Wolf-Dieter Schmelter aus Detmold, dem ehemaligen Pfarrer der St.-Nicolai-Kirche. Der heute 89-Jährige ist selbst pflegebedürftig und lernte im Zuge seiner eigenen Pflege viele internationale Pflegeschüler kennen. Dabei bemerkte er nach Angaben der Bürgerstiftung einen erheblichen Unterstützungsbedarf und suchte den Kontakt zur Stiftung.
„Ein großer Teil der Bevölkerung weiß gar nichts von diesem großen Schatz an jungen Menschen aus aller Welt, den wir besser pflegen sollten, um des Einzelnen willen und um auch übermorgen genug gute Pflegekräfte hier zu haben“, sagte Schmelter. Die Bürgerstiftung griff seinen Impuls auf und startete das Projekt.
Nach Überzeugung der Initiatoren wird die Bedeutung der Pflege für die Gesellschaft weiter steigen. Pflege könne jeden betreffen, persönlich ebenso wie die eigenen Eltern, Bekannte oder Freunde. Deshalb lädt die Bürgerstiftung ausdrücklich auch Menschen aus anderen Städten zum Informationsabend ein.
„Da die PflegeschülerInnen oft in verschiedenen Städten wohnen, ausgebildet werden und zur Schule gehen, sind auch viele kreisweite Partner mit an Bord gekommen“, erklärt Jessica Keitel vom kommunalen Integrationsmanagement des Kreises Lippe. „Ganz Lippe kann unterstützen, und wir freuen uns auch sehr auf diesen Abend und Menschen allen Alters.“
Spenden für das Projekt
Wer das Projekt „Pflege-WillkommensPaten“ finanziell fördern und damit zusätzliche Unterstützung für Ehrenamtliche sowie Pflegeschülerinnen und Pflegeschüler ermöglichen möchte, kann an die Bürgerstiftung Detmold spenden.
IBAN: DE73 4765 0130 0047 041 00
Stichwort: „Willkommens-Paten“





