Die Paderbornerin Anika zeigt beim Fotoshooting Emotionen und überzeugt die Jury. Foto: ProSieben/Daniel Graf

Berlin/Paderborn. Diese Woche stand für die Paderbornerin Anika und ihre Mitstreiterinnen ganz im Zeichen des ersten Fotoshootings der Staffel. Dafür durften sich die Modelanwärterinnen aussuchen, ob sie als Engel oder Dämon für Model Nadja Auermann, Fotograf Armin Morbach und Chefjurorin Heidi Klum performen möchten.


Aber bereits vor dem Shooting wurde es für Sozialarbeiterin Anika emotional, als Morbach sie dazu ermutigte, nicht wie geplant mit ihrer Perücke, sondern mit ihrer Glatze zu shooten. Daraufhin berichtete die 27-Jährige von ihrer Reise mit der Autoimmunerkrankung Alopecia areata, die sie seit dem siebten Lebensjahr verfolgt – und damit auch der Haarausfall.

„Früher habe ich immer nur kreisrund meine Haare verloren. Ich habe es immer versucht, zu verstecken, habe mich geschämt und gedacht, dass ich weniger wert bin als andere – gerade in dem pubertären Alter. Mit 14 Jahren habe ich dann angefangen, über die Pille Hormone zu nehmen, damit die Haare wieder wachsen. Bis vor zwei Jahren hatte ich dadurch lange Haare, hab mir Extensions gemacht, Haare gefärbt – das war wunderschön. Es war immer mein Worst-Case-Szenario, dass die Haare wieder ausfallen.“

Durch die Entscheidung, die Pille abzusetzen, sei dieses jedoch vor einem Jahr eingetreten, wie Anika erzählte: „Alle Haare sind wieder ausgefallen, sogar mehr – jetzt habe ich keine Arm- oder Beinhaare, keine Wimpern oder Augenbrauen mehr.“

Aus dieser Erfahrung zieht sie mittlerweile aber auch Stärke, wie sie erläuterte: „Für mich sind die Haare ein Mode-Accessoire wie Ohrringe oder ein Ring. Ich bin selbst ja noch im Prozess, mein Selbstbewusstsein zu entwickeln und mich so zu lieben, wie ich bin – ohne die Haare. Und ich kann davon ausgehen, dass auf den sozialen Netzwerken auch negatives Feedback kommen wird. Ich möchte an mir und meinem Selbstbewusstsein arbeiten. Ich habe bisher noch keine Modelerfahrung gesammelt, aber ich bin hier, um mich zu zeigen. Haare verändern das Aussehen, aber nicht mich von innen.“

Überzeugende Leistung als „Dämon“

Vor ihrem Shooting bereitete sich die Paderbornerin emotional vor: „Ich denke gerade an viele Momente in der Kindheit, die nicht gerade einfach waren. Kinder können auch echt böse sein. Viel Mobbing, immer meine Glatze verstecken – genau das werde ich mir vorher nochmal bewusst machen, die Gefühle hochholen und es dann hoffentlich auch beim Shooting fühlen.“

Vor Klum erklärte die 27-Jährige schließlich die Wahl ihrer Rolle: „Ich möchte gerne die traurigen, echten Gefühle und die Wut rauslassen – und ich habe das Gefühl, zu meiner Geschichte passt der Dämon am besten.“ Diese Gefühle konnte Anika den Juroren direkt vermitteln, die sich allesamt begeistert von ihrer Emotionalität – vor allem den authentischen Tränen und Schreien – zeigten.

„Man sieht deine Trauer nur durch deinen Blick. Du hast auch eine tolle Haltung“, zeigte sich Auermann begeistert. „Ich finde Emotionen und das Leben von ihnen super wichtig. Deshalb habe ich auch keine Angst, sie zu zeigen, um sie zu verarbeiten“, erklärte Anika bestimmt. Abschließend zog Klum das positive Fazit: „Ich glaube, du hast heute eines der schönsten Bilder. Bis jetzt gefällst du mir am besten!“

Positives Ende trotz harter Kritik

Nach einem Laufstegtraining mit Auermann stand der Entscheidungswalk in den Kreationen von Designer Kilian Kerner auf dem Programm. Alina freute sich über den Gastjuroren: „Für mich ist er eine ‚Germany’s Next Topmodel‘-Ikone. Er vergibt tolle Jobs und ist, wie ich finde, ein Herzensmensch.“

In ihre anschließende Laufstegperformance ging Anika selbstbewusst: „Heidi hatte mir ja gesagt, dass ich eines der besten Bilder hatte, deswegen bin ich mit einem sehr guten Mindset in den Lauf reingegangen.“ Während ihrer Performance stellte Klum fest: „Heute mal mit Perücke – ich muss sagen, ich liebe sie mehr ohne Haare.“

Für die Paderbornerin mache es keinen Unterschied, ob sie Perücke trage oder nicht. „Im Endeffekt ist es ein Job, den ich mache, und der Designer entscheidet, wie er mich sehen möchte“, gab sich Anika professionell.

Weiter erläuterte sie rückblickend: „Ich habe mich sehr darauf konzentriert, dass ich den Catwalk richtig gehe, dass ich meine Haltung bewahre, dass ich der Kleidung gerecht werde.“ Das stellte auch Klum fest: „Da fehlt leider die Leichtigkeit.“ Kerner ergänzte: „Vor allem der Blick sieht aus, als ob gerade jemand gestorben wäre.“

Gestorben ist Anikas Traum, Germany’s Next Topmodel zu werden, jedoch noch nicht. Trotz Klums harter Kritik, dass ihr Anikas Walk gar nicht gefallen habe, konnte sich die Paderbornerin freuen: Zunächst über das große Lob von Morbach zum Fotoshooting, bei welchem sie gestrahlt und ihre schwere Geschichte zu ihrer Stärke und ihrem Alleinstellungsmerkmal gemacht habe, und letztendlich über den Einzug in die nächste Runde.

Wie sich die Anika bei ihren ersten Castings schlägt, ist am kommenden Donnerstag um 20.15 Uhr auf ProSieben zu sehen.