Beispiel Oerlinghauser Straße: Dort gibt es jetzt zwei Radfahrspuren, eine auf dem Hochbord und eine auf der Straßenebene. Fotos: Reiner Toppmöller

Bad Salzuflen. Zahlreiche Auto-, aber auch Radfahrer reiben sich in Bad Salzuflen seit Tagen die Augen: Ein Straßenmarkierungstrupp zieht neue Fahrradstreifen unter anderem auf der Schloss- sowie Oerlinghauser Straße parallel zu den bereits vorhandenen Radwegen auf den Hochborden, wie es im Amtsdeutsch heißt.


Warum werden die Radfahrer nun von der Radfahrspur auf die Straße geholt? Diese Frage stellte die LIPPISCHE WOCHENZEITUNG der Stadtverwaltung.

Beispiel Schlossstraße: Auch dort liegen jetzt zwei Radfahrspuren direkt zur Auswahl nebeneinander.

Am Beispiel Schlossstraße beantwortet der Radverkehrsbeauftragte der Stadt, Sebastian Baving, die Sachlage wie folgt: „Die dortige Benutzungspflicht bei gleichzeitigem Tempo 30 auf der Fahrbahn ist nicht mehr zeitgemäß. Seit 1997 sind Benutzungspflichten zu prüfen. Die Maßnahme stützt sich auf gleich mehrere Konzeptgrundlagen. Im Klimaschutz-Teilkonzept Mobilität wird die Neuaufteilung der Schlossstraße zugunsten des Radverkehrs, besonders zugunsten des Fußverkehrs, empfohlen, welcher auch von der Maßnahme profitiert. Dies wurde im Rahmen des Radverkehrskonzeptes konkretisiert. Die aktuelle Anpassung bietet eine klare, durchgängige Führung.“

Im Fall der Oerlinghauser Straße stellt sich die Sachlage hingegen etwas anders dar. „Der alte Radweg in der Oerlinghauser Straße entspricht nicht mehr den heutigen Anforderungen. Entsprechend hatte die Verkehrsbehörde dort schon vor Jahren die Nutzungspflicht entfernt“, so der Radverkehrsbeauftragte. (Anm. der Redaktion: Das Gebotsschild „Radfahrer/Fußgänger“ steht immer noch dort.)

Die Oerlinghauser Straße sei konzeptionell eine der wichtigsten Straßen für den Radverkehr in der Stadt. Dort käme demnächst auch ein neues Konzeptnetz des Landes, das diese Potenziale nochmal hervorhebe.

Stadteinwärts, wo die Straßenbäume in der Mitte der Hochbordanlage stehen, sei die Breite des alten Weges kritisch. Angesichts des Aufkommens von schnelleren Pedelecs, Spezialrädern oder Fahrradanhängern für Kinder sei dort gemäß der Konzeptgrundlage zu handeln gewesen, heißt es weiter, und die Führung auf dem Schutzstreifen, ohne die Straße baulich umzugestalten, sei im Verhältnis zum noch guten Straßenzustand wirtschaftlicher.

Ob es für die Radfahrer jetzt sicherer wird, bleibt jedoch offen. Die Radfahrer können aktuell jedenfalls entscheiden, ob sie auf dem Hochbord oder der Straße fahren. Das führt schon jetzt zu Verwirrungen. Einige fahren auf dem neuen Streifen und sorgen unter anderem für weitere Staus, auch weil sie von den ÖPVV-Bussen nicht überholt werden können. Andere fahren weiter auf dem alten Radweg und fragen sich, ob dies noch ohne Strafe möglich sei.

Bei der Fahrrichtung der Oerlinghauser Straße außerorts sei ein Kompromiss zu finden gewesen, da die Markierung von Schutzstreifen auf dieser Seite aufgrund des Seitenstreifens nicht möglich sei, da dieser zum Parken genutzt werde, und ohne dieses zu verbieten. Dort sorge nun eine Pikogrammkette mit markiertem Sicherheitsabstand zu dem verbreiterten Parkstreifen für Sicherheit, heißt es weiter.

Abschließend heißt es aus der Verwaltung: „Grundsätzlich bleibt festzuhalten, dass sich das Radfahren spätestens mit den Pedelecs stark verändert hat. Die durchschnittliche Geschwindigkeit ist höher und aufgrund von Packtaschen und Anhängern sind Räder breiter geworden. Zudem werden immer mehr Spezialräder angeboten, wie beispielsweise Dreiräder für Senioren. Auch die Nutzergruppen sind vielfältiger geworden. Eine Führung auf der Fahrbahn, wo beispielsweise ein Pendler mit dem Rad schneller vorankäme, ist für Kinder nur bedingt zu empfehlen. Daher braucht es für verschiedene Nutzer auch verschiedene Angebote. Außerdem zeigen die aktuellen Entwicklungen, dass Fußgänger besonders durch die neu aufgekommenen E-Roller gefährdet werden. In der Folge sollte eine Möglichkeit umgesetzt werden, diese voneinander zu trennen.“

Das bedeutet, dass es auf den Straßen aktuell zwei Angebote für Radfahrer gibt. Im Zweifel solle man sich für den alten, auf dem Hochboard angelegten Weg entscheiden. Der sei, auch wenn er schlechter zu sein scheint, immer noch der sicherere, da weiter weg vom Autoverkehr.